Nach starkem Schneefall

Jagdverbände schlagen Alarm: Allgäuer Wildtiere leiden unter Nahrungsknappheit

Unserem Leser Lutz Kral ist es gelungen, Rehe beim Eistobel zu fotografieren.

Unserem Leser Lutz Kral ist es gelungen, Rehe beim Eistobel zu fotografieren.

Bild: Lutz Kral

Unserem Leser Lutz Kral ist es gelungen, Rehe beim Eistobel zu fotografieren.

Bild: Lutz Kral

Rehe leiden im Winter unter Nahrungsknappheit. Westallgäuer Jäger helfen normalerweise mit zusätzlichem Futter. Das war in diesem Jahr noch nicht möglich.
23.01.2021 | Stand: 07:00 Uhr

Während sich das Schneechaos vielerorts im Westallgäu entspannt hat, stellt die weiße Pracht andernorts immer noch ein Problem dar: Wildarten wie Gams, Hirsch, Reh oder auch Auer- oder Schneehuhn finden unter der hohen Schneedecke nur schwer Nahrung. Die Suche nach Futter und das Überleben in der Kälte kosten die Tiere viel Energie – Energie, die schwächeres Wild nicht hat. Dem Naturschutzreferenten des Kreisjagdverbands Lindau, Dieter Immekus, zufolge kann dies für die Tiere schlimmstenfalls lebensbedrohlich enden. Er appelliert deshalb an Wintertouristen, Rücksicht auf das Wild zu nehmen.

Darum lassen sich die Tiere einschneien

Um Energie zu sparen, haben Wildtiere Strategien entwickelt: Sie lassen sich einschneien, um sich vor dem Frost zu schützen. Bis zum Hals stehen beispielsweise Rehe in der Schneedecke. Zudem reduzieren sie ihre Bewegung auf ein Minimum. „Sie fahren ihren Stoffwechsel herunter“, sagt Immekus. „Die nötigen Fettreserven haben sich die Tiere im Herbst angefressen.“ Diese Strategie funktioniere auch gut – „vorausgesetzt das Wild hat seine Ruhe“.

Rehe lassen sich im Winter einschneien, um sich gegen Frost zu schützen.
Rehe lassen sich im Winter einschneien, um sich gegen Frost zu schützen.
Bild: Lutz Kral

Werden die Tiere jedoch durch Schneeschuhwanderer oder andere Wintertouristen gestört, können sie daran eingehen, erklärt der Experte. „Bei der Schneelage brauchen die Tiere viel Energie, um voranzukommen.“ Infolgedessen benötigen die Rehe auch wieder mehr Futter, um ihren Energievorrat aufzufüllen. Panikartige Fluchtreaktionen können für die Tiere daher schnell zur tödlichen Gefahr werden.

Jäger kommen nicht durch

Normalerweise unterstützen Jäger die Tiere mit zusätzlicher Nahrung. „Ich finde, das ist unsere Pflicht“, sagt Immekus. Wenn die Schneedecke über Wochen geschlossen ist und die Tiere nicht mehr an Gräser, Pflanzen und Blätter kommen, muss gefüttert werden. Auch in den vergangenen Tagen probierten die Jäger, in den Wald zu gelangen, um den Tieren zuzufüttern. „Es war jedoch kein Durchkommen“, sagt Immekus. Die Schneemassen machten eine Fütterung unmöglich. „Es bräuchte diese Maßnahme nicht, wenn die Rehe einfach in Ruhe gelassen werden“, sagt Immekus.

Um die Störung der Tiere zu vermeiden, rät der Bayerische Jagdverband, auf den befestigten Wegen und Skipisten zu bleiben. Oft schrecken Spaziergänger, Schneeschuhwanderer, Skifahrer und Tourengeher die Wildtiere auf, ohne es zu merken. Die Tiere flüchten meist schon lange, bevor Menschen sie wahrnehmen.

Hunde an die Leine nehmen

Hunde sollen im Wald angeleint werden. Denn das Herumtollen auf Feldern oder das Durchstöbern von Hecken aktiviere das Fluchtverhalten des Wildes.

Da Outdoor-Aktivitäten bereits seit einigen Jahren boomen und Wildtiere in ihrem natürlichen Lebensraum deshalb immer öfter gestört werden, hat der Deutsche Alpenverein (DAV) in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt schon vor einiger Zeit das Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“ ins Leben gerufen. Es wurden naturschonende Ski- und Schneeschuhrouten ausgewiesen, aber auch sensible Bereiche gekennzeichnet. Diese sogenannten Wald-Wild-Schongebiete bedürfen absoluter Ruhe. Auf den Wanderkarten des DAV und zunehmend auch auf Online-Plattformen sind diese Ruhegebiete eingezeichnet. Wintersportler werden gebeten, sie nicht zu befahren oder zu betreten.