70 Millionen Euro aufwärts

Kommentar zum Nadenberg-Projekt in Lindenberg: "Viele Dinge sind ungeklärt"

Die Stadt Lindenberg hat ambitionierte Pläne für den Nadenberg. Unser Autor Peter Mittermeier sieht noch einige Fragezeichen.

Die Stadt Lindenberg hat ambitionierte Pläne für den Nadenberg. Unser Autor Peter Mittermeier sieht noch einige Fragezeichen.

Bild: Olaf Winkler / Matthias Becker

Die Stadt Lindenberg hat ambitionierte Pläne für den Nadenberg. Unser Autor Peter Mittermeier sieht noch einige Fragezeichen.

Bild: Olaf Winkler / Matthias Becker

Hotel, Kita, Wohnbebauung: Lindenberg hat Pläne für den Nadenberg präsentiert. Unser Autor sieht einige Stolpersteine. Es hakt an der Bürgerbeteiligung.
12.01.2022 | Stand: 12:03 Uhr

Gut 39 Minuten Dauer, ein paar Grafiken, viele Interviews – es ist ein nettes, zu lang geratenes, Werbevideo, mit dem die Stadt das Konzept für den Nadenberg präsentiert. Dabei ist der erste Eindruck, den es vermittelt, durchaus positiv: Die Gebäude sind ansprechend gestaltet, das Hotelkonzept passt zur Stadt, es gibt einen seriösen und an anderen Orten erfolgreich arbeitenden Betreiber, die Gebäude passen sich der Topographie an. Wenn es denn eine Kombination aus Hotel und Wohnbebauung auf dem Nadenberg sein soll, kann man sich etwas in dieser Art durchaus vorstellen.

Bei dem Video ist es allerdings wie mit jeder Werbung: Blickt man dahinter, tauchen Fragen auf. Viele Dinge sind ungeklärt. Die Dichte der Bebauung, die Größe der Gebäude, die Frage, ob die Stadt das Gelände überhaupt verkaufen wird und zu welchen Konditionen, wie preisgünstiges Wohnen in dieser Lage möglich sein soll.... Das sind keine Details, sondern Knackpunkte, an denen das Konzept durchaus scheitern kann.

Fragen wirft auch die Form der Präsentation auf. Ein Video ist für die Beteiligten bequem, weil es eine Auseinandersetzung mit dem Bürger vermeidet. Angemessen ist die Form in dem Fall aber nicht. Auf dem Nadenberg ist nicht weniger als ein kleiner Stadtteil geplant. Und das auf dem besten Grundstück, das Lindenberg zu bieten hat. Da hätte sich zumindest eine öffentliche Diskussion im Stadtrat angeboten – und zuvor regelmäßige Informationen an die Bürger über den Stand der Dinge. So bleibt beispielsweise im Dunkeln, warum die Stadt sich gerade für diese Planer und diesen Investor entschieden hat.

Lindenberg hat Feriendorf im Jahr 2014 gekauft

Die Frage ist auch, wie es die Stadt mit der viel beschworenen Bürgerbeteiligung hält. Sicher, jeder Lindenberger wird im Rahmen des Verfahrens die Gelegenheit bekommen, sich zu Wort zu melden. Das ist freilich viel zu spät. Wer eine Bürgerbeteiligung will, setzt sie bei einem derart wichtigen Projekt an den Anfang der Planungen, nicht fast ans Ende. Zeit genug wäre gewesen – trotz Corona. Immerhin gehört das frühere Feriendorf seit sieben Jahren der Stadt. Und schon 2015 vermissten Lindenberger auf der Bürgerversammlung Aussagen zur Zukunft des Feriendorfes.

Politik in Lindenberg: Im Hintergrund rumort es

Die Form der Präsentation missfällt auch vielen Stadträten und -rätinnen. Ohnehin war das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Verwaltung auf der einen und dem Stadtrat auf der anderen Seite schon mal besser. Die Kritik wird zwar im Rat selten deutlich formuliert – im Hintergrund rumort es aber. Es geht um rechtzeitige und umfassende Informationen, Transparenz, Tempo und Prioritäten in der Stadtpolitik.

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Transparenz heißt im Übrigen auch, dem Bürger gegenüber regelmäßig Rechenschaft abzulegen. Dazu sind Bürgerversammlungen gedacht. Eine im Jahr ist Pflicht, drei hat es seit Amtsantritt von Eric Ballerstedt im Jahr 2014 gegeben. Das ist trotz Corona deutlich zu wenig.