Feuerwehr zieht Lehren

Nach schwerem Unwetter im Juni in Weiler: So will die Feuerwehr künftig besser vorbereitet sein

Starker Hagel sorgte in Weiler mitten im Juni 2022 für eine winterähnliche Landschaft.

Starker Hagel sorgte in Weiler mitten im Juni 2022 für eine winterähnliche Landschaft.

Bild: Etienne le Maire (Archiv)

Starker Hagel sorgte in Weiler mitten im Juni 2022 für eine winterähnliche Landschaft.

Bild: Etienne le Maire (Archiv)

Wolfgang Endres ist überzeugt: Das war nicht das letzte Unwetterereignis. Wie sich die Freiwillige Feuerwehr Weiler darauf und auf einen Blackout vorbereitet.
29.11.2022 | Stand: 21:11 Uhr

Das Hagelunwetter in Weiler im Juni stand bei der Jahresversammlung der Feuerwehr gleich mehrfach im Mittelpunkt. Es galt nicht nur, auf die insgesamt 49 Einsätze an jenem Pfingstsonntag zurückzublicken – sondern auch die Lehren aus dem zu ziehen, was damals nicht optimal lief. Das war die Weiterleitung von Notrufen durch die Einsatzzentrale. In 18 Fällen erfolgte sie aufgrund der Vielzahl von Notrufen nicht. Ein neues Einsatzinformationssystem (EIS) soll das künftig verhindern, kündigte Kreisbrandrat (KBR) Wolfgang Endres an.

Kleidung der Feuerwehr in Weiler ist nicht für Unwetter geeignet

Durchgängig digitale Technik sei gefragt, sagte er. Dazu soll baldmöglichst eine digitale Alarmierung gehören, aber auch die Weiterleitung aller Einsatzinformationen bis ins Fahrzeug. „Ich bleibe dran, dass wir im Landkreis Lindau gescheite Technik kriegen“, kündigte Endres an.

Aber auch mit einer besseren Ausstattung für die Aktiven gelte es, auf vermehrte Unwetterlagen zu reagieren. Denn aktuell verfügten die Feuerwehrler zwar über eine geeignete Kleidung im Brandfall – doch die sei bei Dauerregen nicht zweckmäßig. Die Anschaffung von Schlechtwetterkleidung steht daher auf der Wunschliste des Kommandanten Manuel Rädler ganz oben. Er regte eine Sammelbestellung im Landkreis an, die der KBR allerdings nicht für praktikabel hält.

Weilers Bürgermeister Paintner kritisiert ,,Ich-Gesellschaft"

Auch Bürgermeister Tobias Paintner blickte auf das Hagelunwetter zurück. Die Feuerwehr habe dabei den Leuten in der Not geholfen. Allerdings habe sich auch die negative Seite der „Ich-Gesellschaft“ gezeigt: „Mancher hatte kein Verständnis, dass ihm nicht als Erstes geholfen wurde.“

(Lesen Sie auch: Unwetter nehmen zu - wie man sich dagegen schützen kann)

Mit Blick auf einen möglichen Blackout der Stromversorgung sehen alle Beteiligten die Feuerwehr gefordert. So soll im Falle eines mehrtägigen Stromausfalls in Weiler das Feuerwehrhaus auch zur zentralen Anlaufstelle für Hilfesuchende werden. Und der KBR forderte die Verantwortlichen auf, die Fahrzeuge stets voll betankt zu halten, um einsatzfähig zu bleiben. Der Bürgermeister gab allerrdings zu bedenken: „Das lässt sich nicht alles bis ins Detail regeln.“

Kommandant fordert von Feuerwehrleuten, ,,Gang nach oben zu schalten"

Kommandant Rädler appellierte an die aktuell 74 Aktiven, nach der Corona-Krise „wieder einen Gang nach oben zu schalten“, damit zusätzliche Aufgaben nicht an einzelnen Personen hängen bleiben. So gelte es, einen Feuerwehrbedarfsplan aufzustellen und die Beschaffung eines neuen Löschfahrzeugs voranzutreiben.

Mit elf Mädchen und Jungen im Alter bis zu 16 Jahren steht der Nachwuchs bereit. Er hat sich an 46 Übungsabenden, bei einer gemeinsamen Übung mit dem Feuerwehr-Nachwuchs aus Sulzberg und der Teilnahme am Jugendleistungsabzeichen auf künftige Aufgaben vorbereitet, wie Jugendwart Magnus Sutter berichtete.

So sieht die Einsatzbilanz der Feuerwehr Weiler aus

Die Aktiven selbst, unter ihnen 30 Atemschutzträger, sind neu organisiert: In vier statt bisher sechs Gruppen sind sie aufgeteilt. 86 Termine für Aus- und Weiterbildung fanden statt, bilanzierte der scheidende Zweite Kommandant Armin Rochelt in seinem letzten Bericht. Die sieben Fahrzeuge waren 9000 Kilometer unterwegs – bei 89 Einsätzen. Nur vier davon waren Brandeinsätze. Technische Hilfeleistungen, vor allem nach dem Hagelunwetter, standen im Mittelpunkt. Für rund 40.000 Euro beschafft wurde ein neues Versorgungsfahrzeug – 17.500 Euro trug die Wehr selbst zur Finanzierung bei. Im Dezember soll es offiziell in Dienst gestellt werden.

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