Existenzgründer im Westallgäu

Schreinerei 4.0: Diese beiden Schreiner setzen auf neue Technologien

Florian Sinz (links) – hier an seinem Meisterstück – und Dominik Haas setzen in ihrem Schreinereibetrieb Holzquadrat auf neueste Technologien. Sinz hat dafür im vergangenen Jahr den „Goldenen Würfel“ erhalten.

Florian Sinz (links) – hier an seinem Meisterstück – und Dominik Haas setzen in ihrem Schreinereibetrieb Holzquadrat auf neueste Technologien. Sinz hat dafür im vergangenen Jahr den „Goldenen Würfel“ erhalten.

Bild: Olaf Winkler

Florian Sinz (links) – hier an seinem Meisterstück – und Dominik Haas setzen in ihrem Schreinereibetrieb Holzquadrat auf neueste Technologien. Sinz hat dafür im vergangenen Jahr den „Goldenen Würfel“ erhalten.

Bild: Olaf Winkler

Dominik Haas und Florian Sinz setzen in ihrem Unternehmen „Holzquadrat“ auf neue Technologien und alte Handwerkskunst. Was Computertechnik alles ermöglicht.

09.05.2021 | Stand: 06:00 Uhr

„Industrie 4.0“ bezeichnet die umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion. Doch auch im Handwerk schreitet die Entwicklung hin zur Verwendung von Computertechnik und Internet voran. So etwas wie eine „Schreinerei 4.0“ bringen gerade Dominik Haas (31) und Florian Sinz (33) auf den Weg. 600.000 Euro investieren die beiden Westallgäuer in ihr Unternehmen „Holzquadrat“. Das Geld gilt fließt unter anderem in eine CNC-Maschine, die sägen, fräsen und bohren kann. Ziel ist es, hochwertige Möbel aus Holz zu produzieren.

Bei der Ausbildung in Vorarlberg kennengelernt

Das technische Verständnis bringen beide Jungunternehmer aufgrund einer Schreiner-Ausbildung mit. In einem Vorarlberger Betrieb haben sie vor einigen Jahren gearbeitet und sich dort kennengelernt. Dann aber entwickelten sich die beruflichen Wege zunächst auseinander: Haas absolvierte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Berlin, Sinz sammelte erste Erfahrungen mit CNC-Maschinen und schloss die Meisterschule erfolgreich ab. 2017 trafen sie sich wieder und gründeten 2018 „Holzquadrat“ mit dem Ziel, Möbel zu planen, zu produzieren und einzubauen. Technisches und kaufmännisches Wissen bringen sie ein. Den Betrieb zu zweit aufzubauen, das funktioniere, „weil jeder seinen Bereich hat“, sagt Haas. Von einer „perfekten Kombination“, spricht Sinz. (Lesen Sie auch: Holzpreis steigt um 100 Prozent: Allgäuer Handwerker sind besorgt)

Von Beginn an war beiden klar: Sie wollten einerseits althergebrachte Techniken nutzen, um damit Möbel zu produzieren, die Generationen überdauern, andrerseits wollen sie bei Produktion und Vermarktung neueste Technik nutzen. Dazu gehört in Zukunft nicht nur ein Maschinenpark, der sehr präzises Arbeiten ermöglicht. Auch das Internet spielt für Haas und Sinz eine große Rolle. Denn dort zeigen sie in Videos, wie sie ein Produkt planen und produzieren – und welche Vorteile es hat. Auch den Aufbau einer Küche haben sie gefilmt – was sich schon über 17 000 Nutzer der Videoplattform Youtube angeschaut haben. Den beiden jungen Männern ist bewusst: „Das muss authentisch sein.“ Dann sei potenziellen Kunden auch klar, dass die Produkte ihren Preis haben. Dazu gehört neben Einbaumöbeln, Küchen oder Betten auch ein Schneidebrett für 190 Euro. „Im Video zeigen wir, welche Details uns wichtig sind“, sagt Haas. Und die erklären den Preis.

Diese Techniken benutzen die Schreiner

Nutzen wollen Haas und Sinz aber auch die „Augmented Reality“. Diese Computertechnik zeigt ein Produkt in einer beliebigen Umgebung. Konkret kann sich ein Kunde damit mit seinem Tablet oder Smartphone beispielsweise das eigene Wohnzimmer anschauen – aber virtuell ergänzt um das neue Möbelstück, das sich dreidimensional betrachten lässt.

Aktuell befindet sich die Firma in einer ehemaligen Landwirtschaft in Röthenbach. Dort planen die beiden Jungunternehmer ihre Produkte. Lange haben sie nach geeigneten Räumen für eine eigene Produktion gesucht. Die erfolgte bislang in der Schreinerei Breyer in Heimenkirch. Ab September setzt „Holzquadrat“ dann ganz auf eigene Maschinen – und mietet dazu eine Schreinerei in Isny an. „Wir wollen coole Sachen machen“, kündigen Haas und Sinz an. Beispielsweise scheinbar schwebende Schreibtische, wie ihn der aus Weiler stammende Florian Sinz bereits als Meisterstück gefertigt hat. Den „Goldenen Würfel“ hat Sinz dafür 2020 in Stuttgart erhalten, eine Auszeichnung, die eine Fachjury nur dreimal pro Jahr vergibt.

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