Brauchtum

Singen verboten: Was die Sternsinger in Scheidegg stattdessen tun

Sabine Feßler (rechts) hat auf dem Kirchplatz von den Scheidegger Sternsingern Lena, Lina und Johanna Informationen über die diesjährige Aktion erhalten.

Sabine Feßler (rechts) hat auf dem Kirchplatz von den Scheidegger Sternsingern Lena, Lina und Johanna Informationen über die diesjährige Aktion erhalten.

Bild: Olaf Winkler

Sabine Feßler (rechts) hat auf dem Kirchplatz von den Scheidegger Sternsingern Lena, Lina und Johanna Informationen über die diesjährige Aktion erhalten.

Bild: Olaf Winkler

Auch die Heiligen Drei Könige müssen ihr Wirken an die Corona-Pandemie anpassen. Wie sie ihren Segen dennoch verteilen und wofür sie Spenden sammeln.
02.01.2021 | Stand: 06:52 Uhr

„Christus Mansionem Benedicat“, auf deutsch „Christus segne dieses Haus“ – das schreiben die Sternsinger traditionell mit Kreide auf Haustüren oder bringen einen entsprechenden Aufkleber an. Das tun sie auch in Corona-Zeiten. „Singen dürfen wir aber nicht“, sagt Rebecca Hermann, die die Sternsinger-Aktion der Scheidegger Ministranten seit fünf Jahren organisiert. Mehr noch: Wenn die Sternsinger in den nächsten Tagen von Tür zu Tür ziehen, dann sollte diese möglichst geschlossen bleiben, um Kontakte und damit mögliche Infektionen zu vermeiden.

In Scheidegg sind die Ministranten unterwegs

In Scheidegg sind üblicherweise vier oder fünf Gruppen mit jeweils vier oder fünf Ministranten unterwegs. Bewusst klingelten sie in den Vorjahren auch bei Urlaubsgästen. Heuer tun sie das nicht. Auf die Tradition verzichten wollen die Teilnehmer der Sternsinger-Aktion aber nicht. Schließlich haben sie auf diese Weise in den letzten Jahren viel Geld für Kinder in Not sammeln können – im vorigen Jahr allein in Scheidegg über 6500 Euro.

Auch in diesem Jahr hofft Rebecca Hermann auf die Spendenbereitschaft. Heuer steht die Aktion unter dem Motto „Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit“. Die Sternsinger nicht nur im Westallgäu, sondern in rund 100 Ländern, wollen dabei auf Mädchen und Jungen aufmerksam machen, die nur mit einem Elternteil, bei Großeltern oder in Pflegefamilien aufwachsen, weil ihre Eltern im Ausland arbeiten. Allein in Ukraine sind laut dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ zwei Millionen Kinder von dieser Arbeitsmigration betroffen.

Schon als das Informationsmaterial zur diesjährigen Aktion Ende Oktober eintraf, war unklar, ob die Sternsinger wie üblich von Haus zu Haus ziehen, ein Lied singen und Spenden sammeln können. Der Vorbereitungsnachmittag Ende November konnte bereits nicht mehr gemeinsam stattfinden.

Im Dezember wurde dann klar: Diesmal sind besondere Ideen gefragt, um einerseits den Segen zu den Menschen zu bringen und andererseits Spenden zu sammeln. In Scheidegg gab es vor dem Jahresschluss-Gottesdienst nun erstmals einen „Auftritt“ der Sternsinger. Vor der Pfarrkirche standen sie mit Informationen und einer Sammelbüchse bereit. Das wollen sie auch in den nächsten Tagen nach den Gottesdiensten tun. Auch über bereitgelegte Briefumschläge mit Spenden freuen sich die Sternsinger, wenn sie das „20-C+M+B-21“ an die Haustüren schreiben oder kleben.

Bei den Sternsingern ist diesmal kein "Mohr" dabei

Wer den Sternsinger vor der Kirche oder auf der Straße begegnet, vermisst möglicherweise den „Mohr“ unter den Heiligen Drei Königen. Die Diskussion, ob ein schwarz geschminkter Teilnehmer rassistisch sei, hatte im vorigen Jahr noch die Medien beherrscht. „Beim Schminken wäre die Einhaltung des Mindestabstandes nicht möglich gewesen“, weiß jedoch Rebecca Hermann. Auch in Verbindung mit der obligatorischen Maske wäre die Schminke im Gesicht nicht praktikabel gewesen. Nach Corona soll auch wieder ein „Mohr“ durch Scheidegg ziehen. „Das gehört doch dazu“, findet Hermann.