Im Weltcup und bei Olympia 2022

Ski-Ass Ariane Rädler aus Möggers: "Ohne diesen Ort würde ich nicht mehr Skifahren"

Skifahrerin Ariane Rädler aus Möggers (Vorarlberg) startet im Ski-Weltcup und war bei Olympia 2022 in Peking dabei.

Skifahrerin Ariane Rädler aus Möggers (Vorarlberg) startet im Ski-Weltcup und war bei Olympia 2022 in Peking dabei.

Bild: Harald Steiner

Skifahrerin Ariane Rädler aus Möggers (Vorarlberg) startet im Ski-Weltcup und war bei Olympia 2022 in Peking dabei.

Bild: Harald Steiner

Vier Kreuzbandrisse weggesteckt: ÖSV-Skifahrerin Ariane Rädler aus Möggers über ihre beste Weltcup-Saison, Olympia 2022, Corona, Instagram und ihr Privatleben.
28.03.2022 | Stand: 08:29 Uhr

Das Skifahren hat sie mit zweieinhalb Jahren am kleinen Luggi-Leitner-Lift gelernt, den sich Scheidegg und Möggers quasi teilen. Inzwischen gehört sie längst zu den besten Skifahrerinnen Österreichs: Ariane Rädler (27) aus Möggers (Vorarlberg) blickt auf die besten Weltcup-Saison ihrer Karriere zurück. Im Interview spricht sie über ihren verkorksten Start bei Olympia, ihre große Stärke, ihre Verletzungen und ihre Pläne für die Zeit nach der Karriere.

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Frau Rädler, wann waren Sie das letzte Mal am Luggi-Leitner-Lift?

Ariane Rädler: Schon länger nicht mehr. Letzten Winter war er wegen Corona nicht offen, heuer hat es sich leider nicht ergeben. In diesem Winter haben wir mit Blick auf Olympia geschaut, möglichst wenig Kontakte nach außen zu haben. Es hat mir schon wehgetan, vom Fenster aus nur zum Lift rüberschauen zu können.
Das heißt aber, Sie fahren dort schon noch ab und zu?

Rädler: Ja. Normalerweise schon so zwei-, dreimal im Winter – einfach nur zum Spaß mit Freundinnen oder Freunden. Und wenn am Lift ein Schülerrennen ist, schau ich auch gerne mal vorbei.

Sie haben an dem kleinen Dorflift das Skifahren gelernt – und es bis zu den Olympischen Spielen gebracht. Hätten Sie das jemals für möglich gehalten?

Rädler: Als Kind hat man in der Schule natürlich immer gesagt, dass man mal zur WM oder zu Olympia will. Und ich hatte das auch immer im Kopf. Aber nach meinen ganzen Verletzungen war es zunächst einmal wichtig, im Weltcup dabei zu sein. Das war nach vier Kreuzbandrissen schon extrem. Erst nachdem ich mich im Vorjahr im Weltcup etabliert hatte, hat sich der Gedanke an Olympia im Sommer 2021 nach und nach verfestigt. Ich war auch bei der WM dabei und dachte mir: Es könnte wirklich klappen.

Ariana Rädler: Nur Platz 20 im Super-G bei Olympia 2022 in Peking

Olympia lief dann aber leider eher suboptimal. Nur Platz 20 im Super-G – und dann die vorzeitige Abreise, weil das linke Knie Probleme gemacht hat. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Peking 2022 zurück?

Rädler: Die ersten drei Tage waren richtig cool. Dann ist die Schwellung im Knie aber immer größer geworden. Ich konnte Olympia nicht mehr richtig genießen, der Fokus lag immer nur auf dem Knie. Als ich im Super-G am Start war, wusste ich schon, es ist nicht so super. Letztlich lief es leider nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich konnte nicht das zeigen, was ich kann. Das ist schade, aber das Wichtigste für mich war und ist, dass ich gesund bleibe. Ich hoffe, dass ich in vier Jahren nochmals die Chance bekomme. Denn Olympia ist schon eine extrem coole Veranstaltung.

Ariane Rädler ist 27 Jahre und wohnt in ihrem Elternhaus in Möggers (Vorarlberg). Aktuell genießt sie eine (kurze) Trainingspause.
Ariane Rädler ist 27 Jahre und wohnt in ihrem Elternhaus in Möggers (Vorarlberg). Aktuell genießt sie eine (kurze) Trainingspause.
Bild: private Aufnahme

Kurz vor Olympia hatten Sie sich auch noch eine Corona-Infektion eingefangen. Es scheint irgendwie, als wäre alles Pech auf einmal zusammengekommen...

Rädler: Ja, irgendwie schon. Ich hatte an diesem Tag erst noch meinen ersten Weltcup-Podestplatz gefeiert – und abends hatte ich dann ein positives Testergebnis. Es ist bei mir oft so: Wenn es gut läuft, dann kommt irgendwas. Andererseits ist es meine große Stärke, dass ich dann daraus das Beste machen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo eine zweite Olympia-Chance bekommen?

Rädler: Wenn ich gesund bleibe, kann sie sehr hoch sein. Aber in vier Jahren kann noch viel passieren. Bei uns im ÖSV-Team ist die Konkurrenz auch sehr groß, du kannst dich nicht ausruhen und musst dich jede Saison neu beweisen. Ein Beispiel: Wir hatten für Olympia nur vier Startplätze pro Disziplin – waren aber 13 Fahrerinnen.

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Platz 3 in Zauchensee, Platz 17 in der Super-G-Gesamtwertung: Die aktuelle Weltcup-Saison war und ist die erfolgreichste Ihrer Karriere. Dennoch haben Sie sich dazu entschlossen, die Saison abzubrechen. Zickt das linke Knie immer noch?

Rädler: Das Knie ist wieder halbwegs in Ordnung. Aber ich habe mir beim Sturz in Lenzerheide leider einen Muskelriss im Schienbein zugezogen. Das waren extreme Schmerzen – und das war es mir dann nicht wert, die Saison mit aller Gewalt zu Ende zu fahren. Ich denke inzwischen langfristig, ich will ja noch ein paar Jahre fahren. Der Stockerlplatz in dieser Saison hat mich darin bestätigt: Wenn ich gesund bin und ins Ziel komme, bin ich auch vorne dabei. Das stimmt mich für die Zukunft auch zuversichtlich. Aber die Gesundheit ist eben das Wichtigste.

Sie haben sich schon viermal das Kreuzband gerissen – und sich dennoch wieder in den Weltcup zurückgekämpft. Hören Sie besonders genau auf die Signale Ihres Körpers?

Rädler: Ich bin auf jeden Fall viel sensibler geworden und habe ein gutes Körpergefühl bekommen. Ich höre da auf meinen Bauch. Lieber mache ich eine Pause und gehe weniger Risiko, wenn ich ein ungutes Gefühl habe. So bin ich zuletzt auch gut durchkommen: Ich konnte erstmals seit sieben Jahren zwei Saison am Stück durchfahren

ÖSV-Fahrerin Ariane Rädler: Mit vier Kreuzbandrissen in den Weltcup

Merken Sie diese Blessuren im Alltag?

Rädler: Gott sei Dank nicht. Für vier Kreuzbandrisse kann ich zufrieden sein. Da geht es anderen mit nur einem bedeutend schlechter. Die zurückliegende Saison merke ich zwar schon ein bisschen, aber jetzt ist ja erst einmal Pause.

Das heißt: Beine hochlegen?

Rädler: Der April ist bei uns tatsächlich immer etwas gemütlicher. Den werde ich auch zuhause in Möggers verbringen. Ich bin froh, wenn ich mal nicht ständig Koffer packen und verreisen muss. Im Mai beginnen dann drei Monate Konditionstraining und im August geht es auch schon wieder auf die Skier.

Sie haben 7500 Follower bei Instagram – das Fünfzehnfache der Einwohnerzahl von Möggers. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

Rädler: Wichtig ist Social Media für mich vor allem, damit ich meine Sponsoren präsentieren und meinen Unterstützern etwas zurückgeben kann. Ich zähle nicht jeden Tag, ob ich neue Follower habe – dazu bin ich nicht der Typ. Ich bin froh, wenn ich das Handy mal eine Weile nicht in der Hand habe.

Was auffällt: Viele Sportler stellen ihr Privatleben zur Schau – ihre Posts drehen sich ausschließlich ums Skifahren. Weshalb?

Rädler: Ich könnte natürlich auch viel mehr machen. Aber privat bin ich lieber privat.

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Sie sind zwar erst 27 Jahre alt und können – hoffentlich – noch ein paar Winter lang fahren. Haben Sie sich dennoch schon Gedanken über die Zeit nach der Karriere gemacht?

Rädler: Seit der Schule kenne ich eigentlich nur: Skifahren, Therapie, Skifahren, Therapie, Skifahren. Ich habe durch meine Verletzungen in den Rehas aber viel im Bereich Physiotherapie mitbekommen. Das interessiert mich auch extrem. Ich würde gerne in diese Richtung gehen. Leider geht das nicht nebenher. Das muss also bis nach der Karriere warten.

Skifahrerin Ariane Rädler über ihre Liebe zum Heimatort Möggers

Welche Rolle spielt Ihr Heimatort Möggers in diesen Überlegungen?

Rädler: Ich werde immer eine Möggerserin sein – und würde am liebsten auch für immer hier leben. Ohne diesen Ort und diese Menschen würde ich wohl nicht mehr Skifahren. Es ist einfach cool, wie sie mich unterstützen. Wenn Rennen in der Nähe sind, steht die ganze Gemeinde im Zielbereich, feuert mich an und feiert mit mir. Das ist wirklich einmalig.

Zur Person: Das ist Skifahrerin Ariane Rädler aus Möggers

  • Persönliches Ariane Rädler wurde am 20. Januar 1995 in Bregenz geboren. Sie ist in Möggers aufgewachsen und wohnt in dem kleinen Vorarlberger Grenzort in ihrem Elternhaus.
  • Schule Abitur am Skigymnasium Stams (bei Innsbruck). Die Schule wurde 1967 als Kaderschmiede des österreichischen Skisports gegründet. Sie hat 30 Olympiasieger und 100 Weltmeister hervorgebracht.
  • Verein SC Möggers
  • Disziplinen Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Kombination
  • Weltcup Debüt im Februar 2018 (Bestes Ergebnis: Platz 3 im Super-G im Januar 2022)
  • Olympia Debüt im Februar 2022
  • Verletzungen vier Kreuzbandrisse seit Sommer 2015

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