Dritter Bürgermeister

SPD-Stadtrat aus Lindenberg macht Schluss und tritt aus der Partei aus

Aus der SPD ausgetreten: Daniel Schröder ist Dritter Bürgermeister von Lindenberg.

Aus der SPD ausgetreten: Daniel Schröder ist Dritter Bürgermeister von Lindenberg.

Bild: Peter Mittermeier.

Aus der SPD ausgetreten: Daniel Schröder ist Dritter Bürgermeister von Lindenberg.

Bild: Peter Mittermeier.

Daniel Schröder war auch stellvertretender SPD-Ortsvorsitzender. Was den Lehrer zu diesem Schritt bewogen hat und was das für sein Mandat als Stadtrat bedeutet.
03.04.2021 | Stand: 06:25 Uhr

Der Lindenberger Stadtrat Daniel Schröder ist aus der SPD ausgetreten. „Für mein kommunales Mandat muss ich nicht Mitglied einer Partei sein“, sagt der 44-Jährige. Im Gegenteil: Seiner Meinung nach könne es in der Kommunalpolitik sogar „ein Stück weit ein Hindernis sein“, streng auf eine politische Farbe festgelegt zu sein. Deshalb habe er sich entschlossen, seine Parteizugehörigkeit zu beenden. Das bedeutet auch: Die Lindenberger SPD braucht einen neuen stellvertretenden Ortsvorsitzenden.

Schröder ist vor der Kommunalwahl 2014 in die SPD eingetreten. Als Nachrücker zog er Anfang 2018 erstmals in den Stadtrat ein. Bei der Kommunalwahl 2020 war er der Spitzenkandidat der 24-köpfigen Bewerberliste, die die SPD gemeinsam mit der damals neu ins Leben gerufenen Unabhängigen Liste Lindenberg (ULLi) gebildet hatte.

Daniel Schröder ist Dritter Bürgermeister von Lindenberg

Der Realschullehrer fuhr 1519 und damit die drittmeisten Stimmen von SPD/ULLi ein, die insgesamt fünf Sitze erobern konnten. Zudem wurde er zum Dritten Bürgermeister der Stadt Lindenberg gewählt.

Für seine Arbeit im Stadtrat ändert sich durch einen Parteiaustritt nichts. Er bleibt weiterhin ein Teil der SPD/ULLi-Fraktion – und will seine Arbeit genauso weitermachen wie bisher. Nur eben ohne Parteibuch. „Ich glaube, ich brauche das nicht“, sagt Schröder. Generell findet er, dass sich auf kommunalpolitischer Ebene das Parteienkonzept „ein Stück weit überholt“ habe.

Daniel Schröder kritisiert Bildungs- und Sozialpolitik der SPD

Den Kern der SPD, den ur-sozialdemokratischen Gedanken, sich gerade für Schwächere einzusetzen, finde er immer noch gut. Und dafür werde er auch weiterhin im Stadtrat eintreten. Aber er habe auch das Gefühl, dass sich die SPD auf Bundesebene davon zuletzt entfernt habe. Zum Beispiel sei während der Pandemie im Bildungs- und Sozialbereich in Deutschland nicht viel passiert. „Das wurde fast komplett ausgeklammert. Daran hätte man als Partei mit Regierungsverantwortung mehr arbeiten müssen“, bemängelt Schröder.

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Unstimmigkeiten oder gar Streitigkeiten mit dem Ortsverband habe es nicht gegeben, betont der dreifache Familienvater. Er habe für sich einfach festgestellt: „Meine politische Heimat ist nicht mehr die SPD. Ich habe mich dort nicht mehr wohlgefühlt.“ Diesen Gedanken trage er schon seit mehreren Monaten mit sich herum.

Durch Schröders Austritt verliert der traditionsreiche SPD-Ortsverband Lindenberg nicht nur eines seiner rund 50 Mitglieder, sondern auch seinen stellvertretenden Ortsvorsitzenden. Diesen Posten hatte Schröder im September 2019 übernommen. An der Spitze der ältesten Partei der Stadt (seit 1911), die zuvor einige Zeit führungslos war, steht seitdem der frühere Stadtrat und Bürgermeisterkandidat Winfried Lorenz.