Fußball im Allgäu

SRG Wangen: Schiedsrichter-Ehrung der besonderen Art

SRG Wangen

Die von der SRG Wangen geehrten Mitglieder.

Bild: SRG Wangen

Die von der SRG Wangen geehrten Mitglieder.

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SRG Wangen zeichnet 27 Mitglieder aus – darunter einen Rekordhalter. Mit dieser kreativen Lösung hat die Ehrung trotz Corona geklappt - denn es wurde Zeit.
08.06.2021 | Stand: 06:03 Uhr

Ein altes Sprichwort besagt: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen. Nach diesem Motto hat die Schiedsrichtergruppe Wangen etliche verdiente Pfeifenmänner für langjährige Dienste geehrt. Denn der Kameradschaftsabend 2020 fiel aus – und bis jetzt gab es keine Möglichkeit, die Ehrungen bei einer gemeinsamen Veranstaltung nachzuholen. „Irgendwann haben wir gesagt, uns rennt die Zeit davon“, sagt stellvertretender Obmann Thomas Miller. Und so hat die Führungscrew der Schiedsrichtergruppe die 27 zu ehrenden Mitglieder unter sich aufgeteilt – und jedem einzelnen einen Hausbesuch abgestattet, um Urkunde, Nadel und Geschenk zu überreichen.

Auf der Liste der Geehrten finden sich mit Ahmet Bilgin, Heinz Schweinberger (beide SV Maierhöfen-Grünenbach), Peter Kresser (TSV Röthenbach) und Alois Breuling (TSV Hergensweiler) auch vier Schiedsrichter aus dem Westallgäu. Außerdem mit Josef Ringer der amtierende Obmann der SRG Wangen und mit Hans-Joachim Maier der frühere Bezirksvorsitzende. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Norbert Rasch mit dabei, der sich als Lehrwart darum kümmert, dass die rund 200 aktiven Schiedsrichter stets auf dem neuesten Stand in Sachen Regelkunde sind.

Besondere Ehrung für FC Leutkirch-Schiedsrichter Karl Mahler

Eine ganz besondere Ehrung erhielt Karl Mahler vom FC Leutkirch, der der Schiedsrichtergruppe schon seit 70 Jahren angehört. „Er ist unser Rekordhalter“, betont Miller. Zwar pfeift Mahler längst nicht mehr selbst, aber er ist geistig fit – und öfter noch als passiver Schiedsrichter bei den Schulungen dabei. Denn er schätzt die Kameradschaft in der SRG Wangen, welche heuer ihr 75-jähriges Bestehen feiert.

Das Gemeinschaftsgefühl ist durch Corona freilich auf eine harten Probe gestellt worden. Denn in der Saison 2020/21 befanden sich die Schiedsrichter auch weitestgehend im Homeoffice. Auf Landes- und Bezirksebene fanden seit Ende Oktober keine Spiele mehr statt, mit Ausnahme von zwei Präsenzveranstaltungen fanden alle monatlichen Schulungen ebenso online statt wie die Hauptversammlung. Auch die Trainingsgruppe der Schiedsrichter, die sich sonst regelmäßig zum Joggen oder gemeinsamen Fußballspielen trifft, ist seit Monaten nicht mehr zusammengekommen.

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Das lässt sich halbwegs verschmerzen, weil sich die Unparteiischen in Eigenregie körperlich fit halten können. Dafür gibt es eine andere Baustelle: Die SRG Wangen konnte auch keinen Neulingskurs abhalten. „Es ist schwierig, abzuschätzen, ob uns irgendwann eine Lücke entsteht. Im Moment haben wir kein Problem, weil wir in den letzten Jahren viel für den Nachwuchs getan haben. Das zahlt sich aus“, sagt Miller.

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Für den einen oder anderen Klub ist der ausgefallene Neulingskurs aber ein Problem. Je nach Ligazugehörigkeit müssen alle Vereine eine bestimmte Anzahl an Schiedsrichtern stellen. Gelingt ihnen das nicht, müssen sie eine Strafe zahlen. Der FV Weiler musste zuletzt beispielsweise 2800 Euro bezahlen. Und solange es keinen Neulingskurs gibt, können die Vereine auch niemanden ausbilden lassen, um ihr Soll zu erfüllen. Der SRG Wangen sind allerdings die Hände gebunden: „Der WFV schreibt vor, dass der Neulingskurs in Präsenz stattfinden muss“, sagt Miller. Im benachbarten Oberallgäu gehe zumindest der Theorieteil online.

SRG Wangen: Testspiele stehen schon

Nachdem die Corona-Regeln nach und nach gelockert werden, laufen in den Vereinen nun auch schon die Planungen für die anstehende Sommervorbereitung. Die ersten Termine für Testspiele sind bei der SRG Wangen schon eingegangen. In einer „normalen“ Saison decken die Unparteiischen rund 4500 Spiele ab. In den letzten beiden Jahren waren es wegen der Corona-Abbrüche nur etwa halb so viele.

Thomas Miller selbst ist Schiedsrichter seit 1995. Er hat Spiele bis zur Bezirksliga geleitet und stand in der Verbandsliga an der Linie. Inzwischen hat sich der Mann vom FC Lindenberg vom Spielfeld aber zurückgezogen. Stattdessen konzentriert sich der 45-Jährige, dessen jüngerer Bruder Markus bekanntlich Profi-Torhüter unter anderem in Karlsruhe und Hannover war, auf den Funktionsjob. Seit 2003 ist er im Ausschuss der SRG Wangen tätig. Einen Einsatz wird er aber noch bekommen: „Mein Abschiedsspiel steht noch aus“, verrät er. Vermutlich in der Landesliga an der Linie.