Maibaum-Tradition

Trotz Pandemie wird es ein paar Maibäume im Westallgäu geben

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Das Maibaumaufstellen hat im Westallgäu Tradition. Weil dabei die Menschen üblicherweise eng zusammenkommen, fällt der Brauch auch heuer vielerorts aus.

Bild: Claudius Grath (Archivfoto)

Das Maibaumaufstellen hat im Westallgäu Tradition. Weil dabei die Menschen üblicherweise eng zusammenkommen, fällt der Brauch auch heuer vielerorts aus.

Bild: Claudius Grath (Archivfoto)

Wegen Corona fällt das Maibaum-Brauchtum auch 2021 größtenteils aus. Was die Gemeinden planen und in welchen Dörfern trotzdem ein bisschen was geht.
30.04.2021 | Stand: 17:11 Uhr

Er ist ein Symbol für den Frühling und die Fruchtbarkeit – und gehört zum Ortsbild dazu wie der Kirchturm: der Maibaum. In Zeiten von Corona ist aber bekanntlich alles anders. In den meisten Dörfern im Westallgäu ist das Maibaumaufstellen am Feiertag 1. Mai im Vorjahr ausgefallen. Und das Fest, das zu diesem Brauch gehört, sowieso. Aktuell sind Veranstaltungen verboten und Kontakte eingeschränkt. Dennoch wird es in einigen Kommunen einen Maibaum geben. Andere hingegen pausieren schweren Herzens erneut.

  • Lindenberg Der Stadtplatz bleibt wie im Vorjahr verwaist. Das Maibaumaufstellen fällt auch in diesem Jahr aus. Denn trotz maschineller Unterstützung hat der Trachtenverein, der dieses Brauchtum seit vielen Jahren pflegt, dabei immer einige Leute auf engstem Raum im Einsatz – und das beißt sich schlicht mit den Corona-Regeln. Und das Aufstellen einfach so an den Bauhof zu übergeben, ist laut Stadt nicht möglich.
  • Weiler-Simmerberg In allen drei Ortsteilen wird es keinen Maibaum geben. Die Landjugend Weiler verzichtet aufgrund der Corona-Vorgaben wie im Vorjahr darauf, da der Aufwand schlicht zu hoch wäre. Normalerweise stellt die Landjugend auf dem Kirchplatz einen Baum auf, der dem Gemeindewald entnommen wird. Ähnlich begründen der Trachtenverein, die Feuerwehr und die Landjugend in Simmerberg ihren erneuten Verzicht. Ein „Maibaumfest“ dürfte nicht stattfinden, zudem müsste im Gemeindewald auch ein neuer Baum geschlagen werden. In Ellhofen hatte es im Vorjahr einen kleinen Maibaum auf dem Dorfplatz gegeben, der mit selbst gemalten Bildern von Kindern aus dem Ort geschmückt worden ist. Doch auch diese Ersatzvariante gibt es heuer nicht. Normalerweise wird der Maibaum in Ellhofen vom Trachtenverein aufgestellt – ganz traditionell von Hand, ohne Kran.
  • Scheidegg Normalerweise stellt in der Marktgemeinde der Verkehrsverein den Maibaum auf – doch in Zeiten der Corona-Pandemie übernimmt das die Gemeinde. Der Bauhof wird laut Bürgermeister Ulrich Pfanner am 30. April einen Maibaum auf dem Kirchplatz aufstellen. Bereits im Vorjahr hatte er das ohne großes Tamtam getan.
  • Heimenkirch Im Vorjahr hatte der Trachtenverein ausgesetzt – doch diesmal wird er einen Maibaum aufstellen. Allerdings wird es anders ablaufen als bisher: „Wir machen das erste Mal alles komplett an einem Tag“, sagt Vorsitzender Florian Enzenmüller. Der Baum, den ein privater Spender stiftet, wird am 30. April morgens frisch aus dem Wald geholt und soll abends an seinem Platz stehen. Um die Corona-Regeln einzuhalten, sollen vor allem Familien zusammenarbeiten. „Wir haben einige Mitglieder, die in einem Haushalt leben“, sagt Enzenmüller. Zum Einsatz kommen drei Traktoren und eine Seilwinde.
  • Röthenbach „Still und heimlich“ wird die Landjugend in Röthenbach wieder einen Maibaum aufstellen – wie schon im Vorjahr. „Damit wir wenigstens ein bisschen Tradition haben“, sagt Bürgermeister Stephan Höß. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird mit minimaler personeller Besetzung und einem Kran der Maibaum im Schulhof aufgerichtet. Das Gehölz kam bislang stets aus dem Gemeindewald. Diesmal nicht: „Die Gemeinde hat keinen Fichtenbestand mehr“, sagt Höß – unter anderem wegen des Borkenkäfers. Der Baum kommt deshalb heuer von einem privaten Spender, sagt der Bürgermeister.
  • Maierhöfen Die Zwangspause aus dem Vorjahr wiederholt sich. In Maierhöfen wird erneut kein Maibaum aufgestellt. „Es ist schwierig zu realisieren“, sagt Marco Rudhart von der Landjugend mit Blick auf die Kontaktbeschränkungen. Zudem gehören die Maibaumwache und das Zusammenhocken aus seiner Sicht einfach dazu – doch daran sei leider nicht zu denken, bedauert er. Die Landjugend stellt den in der Regel gespendeten Maibaum normalerweise direkt im Ortszentrum, neben dem Dorfbrunnen, auf.
  • Grünenbach Die Landjugend ist sich laut Bürgermeister Markus Eugler „noch nicht schlüssig“, ob sie neben der Alten Schule mit der Seilwinde einen Baum aufstellen soll oder nicht. Schön wäre es auf jeden Fall, „damit wir ein bisschen Tradition im Dorf haben“, sagt Eugler. Auch wenn das ganze Drumherum wegfällt. Zumindest einen Spender für den Baum gebe es schon. Im Vorjahr hatte es in Grünenbach keinen Maibaum gegeben – auch nicht in Ebratshofen, wo der Trachtenverein das normalerweise mit purer Muskelkraft macht. Heuer fällt das Spektakel dort aber erneut aus.
  • Gestratz Ob es einen Maibaum gibt, ist laut Bürgermeister Engelbert Fink noch offen. Die Gemeinde sei mit dem Trachten- und dem Musikverein in Kontakt und suche nach einer Lösung. „Ein bisschen Tradition wäre schon schön“, sagt er. Die Wahrscheinlichkeit sei aber eher gering, räumt er ein.
  • Oberreute Der Trachtenverein hat sich coronabedingt entschieden, wie im Vorjahr keinen Maibaum aufzustellen. Der Verein pflegt dieses Brauchtum seit 1976. Der 20 bis 30 Meter hohe Baum aus dem Gemeindewald steht normalerweise am Dorfplatz – geschmückt unter anderem mit einer Girlande und zwei Kränzen mit rund 37 Metern Länge.
  • Stiefenhofen Wie im Vorjahr wird es in der Gemeinde heuer keinen Maibaum geben. Corona lasse das nicht zu, sagt Bürgermeister Christian Hauber: „Allein mit dem Kranzen sind zehn bis 15 Personen einen Abend lang beschäftig. Hinzu kommen die Personen, die zum Aufstellen des Maibaums benötigt werden.“ Die Entscheidung zum erneuten Verzicht habe der Trachtenverein aus Sicht der Gemeinde richtig getroffen, „auch wenn der Verzicht auf diesen Brauch auch in diesem Jahr natürlich schmerzt“. Hauber hofft, dass es die letzte Zwangspause ist: „Ich freue mich schon auf den Maibaum im Jahr 2022.“ Dieser soll dann wieder westlich der Mehrzweckhalle aufgestellt werden – mit Frühschoppen und Blasmusik.
  • Opfenbach „Aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage haben wir gemeinsam mit dem Maibaumverein beschlossen, dieses Jahr keinen Maibaum aufzustellen“, sagt Bürgermeister Matthias Bentz. Es wären zu viele Personen aus verschiedenen Haushalten dafür notwendig – und auch der Bauhof könne das Aufstellen nicht übernehmen, da er nur drei Mitarbeiter hat. „Außerdem gehört zum Brauchtum auch die Musikkapelle und die Bewirtung“, betont Bentz. Bereits im Vorjahr hatte es in Opfenbach keinen Maibaum gegeben. Dieser stammt normalerweise aus dem Gemeindewald und wird in der Ortsmitte neben Grundschule und Kindergarten aufgestellt.
  • Hergatz Für gewöhnlich stehen in der Gemeinde zwei Maibäume. Im Vorjahr wurde keiner aufgestellt – doch heuer könnte es zumindest einen geben: Die Feuerwehr Maria-Thann berät laut Bürgermeister Oliver-Kersten Raab aktuell noch intern, ob sie auf dem Dorfplatz des Dorfs einen Maibaum aufstellen soll. Hingegen hat der Maibaumverein Itzlings beschlossen, wie im Vorjahr auf das Brauchtum zu verzichten. Dort steht das Frühlingssymbol normalerweise neben der Kapelle.