Bürgerbefragung

Umfrage: Was die Stadt Lindenberg von über 2.500 Senioren wissen will

In Lindenberg wohnen über 2.500 Senioren über 65. Wie sieht ihr Alltag aus?

In Lindenberg wohnen über 2.500 Senioren über 65. Wie sieht ihr Alltag aus?

Bild: Matthias Becker (Archiv)

In Lindenberg wohnen über 2.500 Senioren über 65. Wie sieht ihr Alltag aus?

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Alle Bürger über 65 Jahren sollen schildern, wie sie ihren Alltag gestalten, wo es Probleme gibt und welche Wünsche sie haben. Was mit den Ergebnissen passiert.
17.11.2020 | Stand: 12:16 Uhr

Das gab es in Lindenberg bislang noch nie in dieser Form: In der Stadt läuft derzeit eine große Bürgerbefragung für die Generation 65+. Durchgeführt wird sie von der Stadt gemeinsam mit dem Seniorennetz Lindenberg. Alle Frauen und Männer, die älter sind als 65 Jahre, haben einen sechsseitigen Fragebogen bekommen, der unterschiedliche Alltagsthemen abdeckt – von Mobilität über Wohnen bis hin zu Beratungsangeboten.

Lindenberg: Umfrage läuft noch bis 20. November

Insgesamt 2550 Fragebögen sind gemeinsam mit einem erklärenden Anschreiben verschickt worden. Die Senioren über 65 machen somit etwas mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Lindenbergs aus. Die ersten Rückläufer sind bereits im Rathaus eingegangen – rund 800 Stück, sagt Lucia Giray vom Seniorennetz, die den Fragebogen gemeinsam mit Irmgard Wehle-Woll von der Caritas-Sozialstation auch ausgearbeitet hat. Noch bis 20. November können die ausgefüllten Fragebögen an das Rathaus zurückgeschickt werden. Damit die Bürger keine Kosten haben, liegt jedem Anschreiben ein frankierter Rückumschlag bei.

Ergebnisse sollen in die künftige Stadtpolitik einfließen

„Es zeichnet sich eine sehr, sehr hohe Rückläuferquote ab“, freut sich Hauptamtsleiter Roland Kappel. Je mehr Fragebögen die Stadt auswerten und je mehr Informationen sie sammeln könne, desto mehr Gewicht hätten die Angaben bei der Beantwortung der Frage, wie die Stadt ihre Senioren im Alltag unterstützen kann. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr im Stadtrat vorgestellt werden und künftig „bei den verschiedensten städtischen Überlegungen“ berücksichtigt werden. „Das wird ein Papier, das immer wieder auf den Tisch kommen wird“, kündigt Kappel an.

Es ist also eine Bestandsaufnahme, die langfristige Lösung bringen soll. „So eine Umfrage macht man ja nicht jedes Jahr“, bekräftigt Giray. Entsprechend umfangreich ist der Fragebogen gestaltet. Er steht grob gesagt auf fünf Säulen: Mobilität, Aktivität, Wohnen, Unterstützung und Versorgung im Alter. Giray spricht von einem Rundum-Paket. „Wir wollen wissen: In welche Richtung soll und kann es in den nächsten Jahren in Lindenberg gehen“, sagt die 55-Jährige, die seit einem halben Jahr an dem Projekt arbeitet. Die Umfrage sei eine wichtige Chance, der älteren Generation in der Stadt Gehör zu verschaffen – und zwar nicht nur mit Einzelmeinungen, sondern repräsentativ.

Mobiltät ist ein großes Thema für die Senioren in Lindenberg

Einen Teil der Rückläufer hat Giray bereits überflogen. Ihr erster Eindruck: „Gerade Mobilität ist wichtig für die Senioren. Man wohnt in der Stadt, kommt aber nicht weg.“ Als Beispiel nennt sie das Wohngebiet rund um den Wunderbrunnen. Von dort aus sind es einige hundert Meter bis in die Innenstadt. Eine Bushaltestelle gibt es nicht. „Wie komme ich also in die Stadt, ohne dass ich jemanden fragen muss, meine Enkel oder meine Nachbarn?“, stellt Giray in den Raum.

Seniorennetz
Lucia Giray vom Seniorennetz Lindenberg.
Bild: Benjamin Schwärzler

Eine mögliche Lösung: Auf dem Weg dorthin immer wieder kleine Sitzgelegenheiten schaffen, damit die Senioren, die zu Fuß gehen, aber keinen Rollator haben, zwischendrin kurz Pause machen können. Solche Ruhebänke gebe es beispielsweise zu wenig in der Stadt. Nur falle das der jüngeren Bevölkerung aber eben nicht auf, sagt Giray. An welchen großen und kleinen Stellschrauben es zu drehen gibt, soll die Umfrage möglichst umfassend herausstellen.

Der Fragebogen wird anonym ausgefüllt. Bei Bedarf dürfen aber natürlich Kinder oder Enkel beim Ausfüllen helfen, sagt Giray. Notfalls könne man auch einzelne Felder auslassen, falls es einem zu viel ist. Hauptsache, möglichst viele machen mit. Um auch die Senioren mit Migrationshintergrund zu erreichen, hat sie unter anderem Kontakt mit dem türkisch-islamischen Verein DITIB aufgenommen.

Die Stadt Lindenberg und das Seniorennetz wollen unter anderem von den Senioren wissen...

  • ob sie mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder zu Fuß unterwegs sind.
  • an welchen Stellen es problematisch ist, die Straße zu überqueren.
  • an welchen Orten sie am häufigsten Freunde und Bekannte treffen (z.B. Café, Kirche, Einkaufen, Spaziergehen, Vereinsveranstaltungen).
  • welche Kultur-, Sport- oder Bildungsangebote sie gerne häufiger nutzen würden, wenn sie eine Möglichkeiten hätten, dorthin zu kommen.
  • ob sie zur Miete oder im Eigenheim wohnen – und mit wem.
  • ob sie sich in den nächsten fünf Jahren einen Umzug in ein Betreutes Wohnen, eine Senioren-WG oder ein Pflegeheim vorstellen können.
  • inwiefern sie im Alltag von Verwandten oder Nachbarn unterstützt werden (z.B. Einkaufen, Schneeräumen, Haushalt, Behördengänge, am PC).
  • welche Beratungsangebote sie kennen und nutzen (z.B. Seniorenbeauftragter oder Homepage der Stadt).
  • ob sie gepflegt werden müssen.
  • ob sie auf Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind.