Langlauf

Weshalb der Langlauf-Start für Westallgäuer Profi-Sportler so holprig verlief

Josef Fäßler vom SC Scheidegg (links) gehört zu den besten Langläufern des Westallgäus. Der 22-Jährige ist Sportsoldat und gehört dem Perspektivkader des Deutschen Skiverbandes an.

Josef Fäßler vom SC Scheidegg (links) gehört zu den besten Langläufern des Westallgäus. Der 22-Jährige ist Sportsoldat und gehört dem Perspektivkader des Deutschen Skiverbandes an.

Bild: Ralf Lienert

Josef Fäßler vom SC Scheidegg (links) gehört zu den besten Langläufern des Westallgäus. Der 22-Jährige ist Sportsoldat und gehört dem Perspektivkader des Deutschen Skiverbandes an.

Bild: Ralf Lienert

Josef Fäßler (SC Scheidegg) und Jakob Milz (SV Oberreute) sind wieder international unterwegs. Was sich die beiden DSV-Kader-Athleten für den Corona-Winter vorgenommen haben.
11.12.2020 | Stand: 12:03 Uhr

Die Ortschaft Ulrichen gehört zu dein kleinsten im Schweizer Kanton Wallis. Gerade einmal 220 Einwohner leben dort. Weil es dort aber umso mehr Schnee gibt, hat in Ulrichen für Josef Fäßler und Jakob Milz der Wettkampf-Winter begonnen. Die beiden Westallgäuer Vorzeige-Langläufer waren beim Auftakt der sechsteiligen Continental-Cup-Rennserie am Start. Allerdings nicht mit dem Ergebnis, das sie sich beide erhofft hätten.

Fäßler vom SC Scheidegg ist noch nicht richtig fit - warum ist unklar

„Mir ist es nicht so gelaufen. Ich bin noch nicht so fit. Ich weiß nicht, woran es liegt. Eigentlich habe ich gut trainiert und auch mehr als in den Vorjahren – aber man kann es nicht erzwingen“, sagt Fäßler. Der 22-Jährige vom SC Scheidegg landete im Sprint mit Platz 46 gerade so in der oberen Hälfte des Feldes und kam am zweiten Tag über 15 Kilometer nicht über Rang 72 hinaus. Obwohl auch einige Weltcup-Läufer am Start waren, ist Fäßler damit nicht zufrieden. Zumal er damit die Qualifikation für den nächsten Conti-Cup am 19./20. Dezember in Italien nicht geschafft hat.

Wenigstens das ist Jakob Milz gelungen. Der 20-Jährige vom SV Oberreute belegte im Sprint nur Platz 100, dafür aber Platz 54 über 15 Kilometer – und sicherte sich gerade so das Ticket nach Italien. „Ich habe noch nicht die Form, die ich gerne hätte“, räumt er ein. Allerdings sei das kein Grund zur Beunruhigung. Denn erfahrungsgemäß benötige er immer ein wenig Anlaufzeit. „Ich brauche Wettkampfhärte. Umso mehr Rennen, umso besser werde ich. Ich weiß, dass es irgendwann kommt“, sagt er.

Als Sportsaldaten bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr sind sie Westallgäuer Profis

Fäßler und Milz sind langjährige Weggefährten. Als Buben sind sie gemeinsam bei Kreiscup-Rennen gestartet, später dann über die Allgäu-Ebene ins Blickfeld des DSV gekommen und schließlich auch auf das internationale Parkett. Beide sind Sportsoldaten bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr – und damit de facto Profis. Deshalb sind sie auch in der glücklichen Lage, trainieren und Wettkämpfe bestreiten zu dürfen, während der Hobby- und Amateursport auf Eis liegt.

Die beiden jungen Männer sind Mitglied im Perspektivkader des Deutschen Skiverbandes und gehören der gleichen fünfköpfigen Trainingsgruppe an, die vier- bis fünfmal pro Woche gemeinsam trainiert, meist in Oberstdorf oder Sonthofen. Zusätzlich trainieren sie nachmittags noch individuell zu Hause im Westallgäu: Fäßler auf seiner Hausstrecke in Oberstein, Milz rund um Oberreute.

Fäßler will zur U23-Weltmeisterschaft in Finnland

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Scheidegg/Oberreute

Gut gelaufen

Für Josef Fäßler lief die vergangene Saison eigentlich ganz gut. Er wurde Sechster bei der Deutschen Meisterschaft, lief bei der Junioren-WM unter die Top 15 und feierte sogar sein Weltcup-Debüt. Für diesen Winter hat der gelernte Metallbauer vor allem ein Ziel: Er will im Februar bei der U23-Weltmeisterschaft in Finnland starten. Eigentlich hätte der Saisonhöhepunkt in Polen stattfinden sollen, wurde aber aufgrund von Corona verlegt.

Überhaupt beeinflusst die Pandemie auch den Alltag der Profis. Nicht nur, weil sie vor und nach den Rennen jeweils getestet werden. Sondern auch, weil Wettkampforte und -termine kurzfristig geändert und verschoben werden. „Wir planen von Woche zu Woche“, sagt Fäßler. Man weiß schließlich nie, wie sich die Infektionszahlen in Italien, Frankreich oder der Schweiz entwickeln. Deshalb gilt: Jedes Ergebnis und jeder Punkt zählt.

Milz vom SV Oberreute ist Froh über alles, was stattfindet

Ähnlich beschreibt es Jakob Milz: „Ich kann heute noch nicht sagen, ob ich im Januar Wettkämpfe laufe und welche stattfinden.“ Aber man könne es nicht ändern. Er sei froh über jedes Rennen, das er absolvieren darf. Zu groß ist die Liebe zu diesem Sport, in dem er so erfolgreich ist: Der Abiturient aus Oberreute hat im Vorjahr bei der Junioren-WM einen starken achten Platz in der U20-Wertung geholt. An diese Leistungen will er anknüpfen und in diesem Winter „den Schritt in den Weltcup“ schaffen. Dabei dürfte ihm ganz egal sein, wann und wo. Notfalls auch in einem kleinen Dorf mit 220 Einwohnern.