Glaube

Wie Kirchen in Zeiten der Pandemie die Osterbotschaft verkünden

Die Osterkerze ist ein Symbol für die Auferstehung. In diesem Jahr ist das gemeinsame Entzünden am Osterfeuer nicht möglich. Und auch 2020 blieben die Geistlichen dabei meist unter sich.

Die Osterkerze ist ein Symbol für die Auferstehung. In diesem Jahr ist das gemeinsame Entzünden am Osterfeuer nicht möglich. Und auch 2020 blieben die Geistlichen dabei meist unter sich.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Die Osterkerze ist ein Symbol für die Auferstehung. In diesem Jahr ist das gemeinsame Entzünden am Osterfeuer nicht möglich. Und auch 2020 blieben die Geistlichen dabei meist unter sich.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Christliche Gemeinden sind froh, in diesem Jahr trotz Corona gemeinsam Ostern feiern zu können. Doch bei den Gottesdiensten wird es Änderungen geben. Was Gläubige in den Kirchen erwartet.
01.04.2021 | Stand: 06:45 Uhr

„Wenn wir in diesem Jahr nicht Ostern feiern – wann dann?“ In Augen des evangelischen Pfarrers Uwe Six aus Scheidegg gewinnt das christliche Fest der Auferstehung und des Lebens gerade in der Pandemie an Bedeutung. Wie die anderen Priester im Westallgäu ist er froh, dass das Coronavirus in diesem Jahr nicht erneut Kirchentüren verschließt und Gläubige am Zusammenkommen hindert. Und doch wird Christinnen und Christen manches fehlen in diesen Kar- und Ostertagen. Weil Ansteckung vermieden werden soll, fallen einzelne Gottesdienste aus, andere finden in verkürzter Form, an anderem Ort oder zu geänderten Zeiten statt. Doch wie schon zu Weihnachten lassen sich einige Gemeinden neue geistliche Angebote einfallen.

Ein „Ostergarten“ in der Kirche

„Je weniger Leute die Gottesdienste besuchen können, desto wichtiger ist der Raum“, sagt Martin Strauß, evangelischer Pfarrer von Lindenberg. In der Johanneskirche lädt darum ab Gründonnerstag ein sogenannter „Ostergarten“ Familien ein, den Leidensweg Jesu nachzuempfinden: von Palmsonntag über das Abendmahl, die Kreuzigungsstätte Golgota bis hin zur Grabhöhle. Orgelmusik, eingespielt von Matthias Ströse, begleitet Gäste in der Kirche, die zum Beten oder Meditieren herkommen.

Unter Gläubigen gibt es die ganze Spannbreite an Einstellungen zur Pandemie. „Manche fragen: Wie könnt ihr Leute in die Kirchen einladen?“, sagt der evangelische Pfarrer Uwe Six aus Scheidegg. Sein Kollege Martin Strauß kennt auch Menschen, „denen ist der Gottesdienst für ihr Seelenwohl so wichtig wie der Einkauf im Supermarkt fürs Alltagsleben“. Seine Gemeinde bietet an den Kar- und Ostertagen drei Gottesdienste an, zu denen sich Besucher anmelden sollten: am Karfreitag um 10 Uhr, am Ostermorgen um 6 Uhr vor der Kirche und am Ostersonntag um 10 Uhr. Das „Mahl der Befreiung“ an Gründonnerstag gibt es wie voriges Jahr in der„To-go“-Version: Teilnehmende holen das liturgische Heft und die Speisen am Donnerstagvormittag im Gemeindehaus ab. „Abends um 19 Uhr feiern wir das Mahl jeweils zu Hause – und doch als Gemeinschaft verbunden“, erläutert Strauß.

Christen holen das Osterlicht ab

Bei der evangelischen Kirche in Scheidegg entzündet Pfarrer Six am Sonntagmorgen um 6 Uhr das Osterfeuer – und zwar allein. Anschließend brennt die Osterkerze in der Auferstehungskirche. Hier können Gläubige das Licht abholen. Ein Stationenweg bietet Impulse zum Nachdenken oder Tun. Das für die Ostertage sonst übliche Programm hat die Kirchengemeinde Scheidegg-Weiler ausgedünnt: An Karfreitag gibt es um 9 Uhr einen Gottesdienst in der Kreuzkirche Weiler, an Ostern feiern die evangelischen Christen gemeinsam ab 10.30 Uhr am Außenaltar in Böserscheidegg.

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Pfarrer Andreas Schmid aus Weiler, der auch Seelsorger der Katholiken in Ellhofen, Simmerberg und Oberreute ist, achtet dagegen auf ein großes Angebot an Gottesdiensten. „Damit sich die Gläubigen verteilen können“, sagt er. Auf die Einhaltung der Hygieneregeln schauen Ordner bei den Gottesdiensten, und die Besucher füllen Zettel zur Kontaktnachverfolgung aus. Wer aus Sorge um die Gesundheit an keinen Gottesdiensten teilnimmt, kann österliche Speisen am Samstagnachmitag um 15 Uhr zur Segnung in die Pfarrkirche Weiler bringen.

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„In der belastenden Situation der Pandemie gibt der Glaube, der lebendig gefeiert wird, Halt“, sagt Pfarrer Joachim Gaida von der Pfarreiengemeinschaft Pfänderrücken. Als „schmerzliche Erfahrung“ erlebte er es dagegen im vergangen Jahr, die Osternacht nur mit seinen hauptamtlichen Kollegen – Kaplan, Gemeindereferent, Diakon – zu feiern. Umsomehr freut er sich jetzt auf die Ostergottesdienste mit der Gemeinde.

Abstandsregeln und Ausgangsbeschränkung bestimmen Gottesdienstordnung

Diese orientieren sich auch an den Ausgangsbeschränkungen. Und so beginnt am Karsamstag die Osternachtliturgie in Scheidegg schon um 19.30 Uhr, in Weiler und Ellhofen wurde sie von 22 Uhr auf Sonntag 6 Uhr verlegt. Wo Kirchenräume unter Beachtung der Abstandsregeln nicht genügend Menschen fassen, weichen Gemeinden ins Freie aus. Schon bei der Christmette haben damit die Katholiken in Scheffau laut Pfarrer Gaida gute Erfahrungen damit gemacht, das wolle man eventuell am Karsamstag wiederholen.

Vieles wird ungewohnt sein an diesem kirchlichen Osterfest: Wenn Priester beim Einzug in die dunkle Kirche „Lumen Christi“ singen und dabei eine Maske tragen, wenn es am Gründonnerstag keine Fußwaschung gibt oder wenn die Menschen ihre Speisen zum Weihen nicht vor dem Altar aufstellen sondern die Körbe mit in die Bänke nehmen. Auch das gemeinsam gesungene „Halleluja“ am Ostermorgen werden viele vermissen.

Dabei geben sich Kirchenmusikerinnen und -musiker trotz der Pandemieeinschränkungen alle Mühe. In der Johanneskirche spielt an Karfreitag Organist Matthias Ströse das Präludium und Fuge in h-moll von Johann Sebastian Bach. Pfarrer Strauß baut das berühmte Passionsstück in die Lesung ein. Im Altarraum kann sich auch eine vierköpfige Choralschola aufstellen. Bei der Osternachtfeier vor der Kirche spielt Strauß Gitarre. „Vielleicht gibt es ein paar Tanzschritte dazu.“

Die Kirchenorgeln jubeln

Die Orgel der Stadtpfarrkirche Lindenberg wird an Ostern unter den Händen von Kirchenmusiker Thomas Godhoff jubeln. Godhoff singt außerdem das österliche Halleluja von der Empore und gemeinsam mit Helena Aichele einige Lieder. Auch in der Pfarrkirche St. Gallus Scheidegg gestaltet ein kleines Gesangsensemble den Ostergottesdienst, in Scheffau wirkt eine Bläsergruppe mit. In der Pfarreiengemeinschaft Weiler werden „ausgewählte Kantore und kleine Abordnungen der Chöre“, die auf den Emporen singen, für Feierlichkeit sorgen, verspricht Pfarrer Schmid.

An Ostern feiern Christen den Sieg über den Tod. Die Liturgie lässt Christen dieses Fundament ihres Glaubens erfahren, sagt Pfarrer Gaida. „Das Spiel von Dunkel und Licht, dann das Halleluja, wenn alle Lichter brennen – es ist eine existenzielle Erfahrung, sie berührt viel mehr als nur den Kopf.“

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