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Wieso der Bürgermeister von Röthenbach die Bahnhof-Toiletten schließen will

Die Toilettenanlage am Röthenbacher Bahnhof ist immer wieder beschädigt und verschmutzt. Jetzt denkt der Bürgermeister über eine Alternative nach.

Die Toilettenanlage am Röthenbacher Bahnhof ist immer wieder beschädigt und verschmutzt. Jetzt denkt der Bürgermeister über eine Alternative nach.

Bild: Olaf Winkler

Die Toilettenanlage am Röthenbacher Bahnhof ist immer wieder beschädigt und verschmutzt. Jetzt denkt der Bürgermeister über eine Alternative nach.

Bild: Olaf Winkler

Stephan Höß beklagt den Zustand der Toiletten am Bahnhof in Röthenbach. Er macht einen ungewöhnlichen Vorschlag, um das Problem zu lösen.
07.02.2021 | Stand: 11:57 Uhr

„So geht es nicht weiter“. Röthenbachs Bürgermeister Stephan Höß ist sauer. Die Zustände rund um die öffentlichen Toiletten am Bahnhof im Ortsteil Oberhäuser schockieren ihn. Immer häufiger führen Vandalismus und Verunreinigungen dazu, dass die Toiletten tagelang nicht zu nutzen und deshalb abgeschlossen sind. Nun denkt Höß sogar darüber nach, sie ganz zu schließen.

2010 haben Landkreis und Gemeinde den Bereich nördlich des Bahnhofsgebäudes umgestaltet: Der Landkreis erstellte eine Bushaltestelle, die auch dem Umstieg von der Bahn auf den Bus dient, die Gemeinde vergrößerte und befestigte den daneben liegenden Parkplatz. Und sie ließ eine öffentliche Toilettenanlage errichten - mit je einer Toilette für Frauen, Männer und Menschen mit Behinderung. Letztere ist nicht das Problem, denn: „Sie ist immer verschlossen“, sagt Höß.

Fäkalien an den Wänden in Bahnhof-Toiletten in Röthenbach

Den speziellen „Euro-Schlüssel“ haben Betroffene und können so die Tür öffnen. Und sie hinterlassen die Toilette auch so, wie sie sie vorgefunden haben. In der Frauen- und Männertoilette sieht das ganz anders aus. Sie ist tagsüber grundsätzlich geöffnet. Und das hat Folgen: Mit Fäkalien verschmierte Wände findet die beauftragte Reinigungskraft ebenso vor wie Sachbeschädigungen, in die Toiletten geworfene Papierrollen und in der Folge sogar Überschwemmungen. Sogar Spritzen bleiben in den Toiletten liegen. Geändert hat daran auch die Corona-Zeit nichts: Obgleich es weniger Veranstaltungen mit Alkoholausschank und auch weniger Bahnkunden gibt, sind die Toiletten weiterhin regelmäßig in einem so schlimmen Zustand, dass nur noch das Abschließen hilft.

Bürgermeister verspricht: "Das Theater mache ich nicht länger mit"

Gebaut hat die Gemeinde die Anlage einst mit Hilfe von Fördergeldern. Und an deren Betrieb hat sich der Landkreis bis 2019 mit 1200 Euro jährlich beteiligt. Das sollte die Hälfte der Kosten insbesondere für die Reinigungskraft decken. Doch das Defizit der Anlage lag 2020 bei 9000 Euro. „Ausnahmsweise und einmalig hat der Landkreis die Hälfte bezahlt“, sagt der Bürgermeister. Dennoch: „Das Theater mache ich nicht länger mit.“ Die Bahn habe keinerlei Interesse an einer öffentlichen Toilette. Sie verweise auf die Toiletten in ihren Zügen.

Im Gemeinderat kamen Vorschläge wie das Hinterlegen eines Schlüssels oder ein Einlass nur gegen Bezahlung auf. Beides sei nicht praktikabel, ist Höß überzeugt. Er will jetzt mit dem Landkreis und der Regierung von Schwaben sprechen, wann sich die Toilettenanlage trotz der gezahlten Fördergelder schließen lässt. Und eine Alternative hat er schon gefunden. Denn ihm liegen Angebote für ein mobiles Sanitärsystem („Dixi-Klo“) vor. Mit Blick auf das jährliche Defizit von zuletzt 9000 Euro sagt er: „Damit könnten wir ein Dixi-Klo für 23 Jahre anmieten. Und das inklusive wöchentlicher Reinigung.“

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