Berge und Gipfel im Allgäu

"Wenn es in der Seele Klick macht": Fotograf nimmt Gipfelkreuze in den Fokus - Welches ist das schönste im Allgäu?

Das Gipfelkreuz nahe der Bergstation Höfatsblick, 1.932 Meter, in den Allgäuer Alpen.

Das Gipfelkreuz nahe der Bergstation Höfatsblick, 1.932 Meter, in den Allgäuer Alpen.

Bild: Ludwig Watteler, www.photographien.de

Das Gipfelkreuz nahe der Bergstation Höfatsblick, 1.932 Meter, in den Allgäuer Alpen.

Bild: Ludwig Watteler, www.photographien.de

Über 90 Gipfelkreuze in den Alpen hat der Münchner Fotograf Ludwig Watteler in kunstvollen Schwarz-Weiß Aufnahmen festgehalten. Warum sie ihm wichtig sind.
23.05.2021 | Stand: 19:44 Uhr

Herr Watteler, was fasziniert Sie an Gipfelkreuzen?

Ludwig Watteler: Es eröffnen sich mir außergewöhnliche Perspektiven und Räume, wenn ich das Gipfelkreuz zum ersten Mal sehe und wahrnehme. Umgeben von Licht, Uhrzeit sowie Jahreszeit. Es ist weit mehr als ein flüchtiger Blick. Sehgewohnheiten werden durchbrochen, ohne dabei die Symbolik aus den Augen zu verlieren, das Gipfelkreuz rückt mit seiner Bedeutung in ein anderes Licht. Der Blickrichtung wegen kann es zu einer geometrischen und grafischen Aufteilung kommen, ohne die Symbolik aus dem Fokus zu verlieren.

Welches Gipfelkreuz-Erlebnis haben Sie besonders intensiv erlebt?

Ludwig Watteler: Es ist geraume Zeit her und passierte in Oberbayern. Den genauen Ort möchte hier nicht verraten, wo es war, denn ich hab einem Burschen versprochen, das ich ihn nicht verpetze.

Ich lag unter einem Gipfelkreuz und habe einen kleinen Mittagsschlaf gehalten. Da kommt ein Junge, so ca. 13/14 Jahre alt, langsam zu mir und rief voller Aufregung zu seinem Papa: Papa, Papa, Papa, kimm schnell her, der is hi….

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Ich blinzelte und als er fast über mir stand und auf seinen Papa wartete, sah ich ihm in die Augen und sagte: Du - wir haben Mittwochvormittag und du müßtest doch eigentlich in der Schule sein. Der Junge: Kruzifix, Papa der hat mir an Schrecken eingjagt und dann fragt a mi noch nach der Schul…. Wir haben alle herzlich gelacht und waren frohen Mutes. Der Junge weiter: Du – verrat mi bitte nicht, ich hab heut die Schule geschwänzt, weil mei Papa zu Hause war. Versprichst mir des? Ich: Ja klar, echte Bergsteiger halten zsamm.

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Gipfelkreuze im Allgäu

Wie wichtig ist Ihnen der religiöse Aspekt der Gipfelkreuze?

Ludwig Watteler: Streng genommen stellt das Gipfelkreuz ein Kreuz dar, aus Holz oder Metall gefertigt und aufwendig auf einem Berggipfel montiert, um den höchsten Punkt des Gipfels als Orientierung zu markieren. Das Kreuz symbolisiert die Vereinigung von Himmel und Erde: Der Längsbalken steht für das Göttliche, während der Querbalken die Verbundenheit mit der Erde und den Menschen ausdrückt. Es muss nicht immer der religiöse Aspekt sein, es kann auch eine spirituelle Erfahrung sein, die das Gipfelkreuz zu etwas Besonderem macht. Beim Erreichen des Gipfels, ist mir wichtig, dass der Moment des Schweigens und der Blick nach Innen stattfinden kann, sozusagen das es in der Seele Klick macht.

Wann haben Sie angefangen, Gipfelkreuze zu fotografieren?

Ludwig Watteler: Silvester 2006 auf 2007. Ich saß unter dem Gipfelkreuz auf der Brecherspitz und drehte aus irgendeinem Grund den Kopf nach links oben und war wie elektrisiert von der Perspektive die ich auf das Kreuz hatte. Der unglaubliche Blick auf den Korpus und den Längs- und Querbalken, die als geometrische Form in den Himmel ragten.

Wie viel Gipfelkreuze haben Sie im Laufe von ca. 10 Jahren wohl abgelichtet?

Ludwig Watteler: Seit diesem ersten, besonderen „Gipfelkreuz-Foto” habe ich ca. 90 Gipfelkreuze fotografiert und in entsprechend guter Qualität zur Ausstellungsreife gebracht. Die Fotografien wurden weder manipuliert noch mit Bildbearbeitungsprogrammen und Composings verändert. D.h. die Motive werden in einem komplizierten und aufwendigen Fine-Art-Print Verfahren ausgedruckt und dann mit einem Schrägschnitt-Passepartout aus Museumsqualität versehen um sie dann in einem Silber matten Aluminiumrahmen zu präsentieren.

Fasziniert von Gipfelkreuzen: Fotograf Ludwig Watteler, hier auf dem Mont Mulat, 2.149m in Val di Femme.
Fasziniert von Gipfelkreuzen: Fotograf Ludwig Watteler, hier auf dem Mont Mulat, 2.149m in Val di Femme.
Bild: Christine Hauck

Welches ist das schönste Gipfelkreuz im Allgäu?

Ludwig Watteler: Na na na… Das ist eine Fangfrage. Wissen Sie warum? Die Gipfelkreuze im Allgäu sind nämlich alle schön. Es geht allerdings auch hier um die Betrachtungsweise. Sozusagen wie nimmt der Betrachter das Gipfelkreuz wahr. Oft sind es die Kleinigkeiten die es ausmachen. Hinzu kommt, dass alle Gipfelkreuzerbauer - und Aufsteller auf ihr Gipfelkreuz besonders stolz sind.

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Sie fotografieren Gipfelkreuze in schwarz-weiß. Wie kam es zu dieser Wahl und warum ist Ihnen dieser Stil wichtig?

Ludwig Watteler: Schwarzweiß hat für mich eine größere Klarheit und stärkere Ausdruckskraft. Hinzu kommt, dass man die Farben oft nicht erkennen kann, weil man ins Gegenlicht fotografiert.

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Zur Person: Fotograf Ludwig Watteler, geboren 1955 in Bensberg bei Köln, lebt und arbeitet in München. Seine Aufnahmen wurden unter anderem beim Wettbewerb Pressefoto Bayern des Bayerischen Journalistenverbandes ausgezeichnet. Mehr Gipfelkreuz-Aufnahmen von Ludwig Watteler sehen Sie hier.

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