Mit dem Gleitschirm über die Alpen

Zwei Allgäuer queren die Alpen beim Red Bull X-Alps auf spektakuläre Art und Weise

Michael Lacher aus Oberstdorf trainiert fließig für seine Premiere beim Extremsport-Wettbewerb Red Bull X-Alps. Bis zu 120 Stunden im Monat bereitet er sich mit dem Gleitschirm oder beim Bergsteigen vor.

Michael Lacher aus Oberstdorf trainiert fließig für seine Premiere beim Extremsport-Wettbewerb Red Bull X-Alps. Bis zu 120 Stunden im Monat bereitet er sich mit dem Gleitschirm oder beim Bergsteigen vor.

Bild: Michael Lacher

Michael Lacher aus Oberstdorf trainiert fließig für seine Premiere beim Extremsport-Wettbewerb Red Bull X-Alps. Bis zu 120 Stunden im Monat bereitet er sich mit dem Gleitschirm oder beim Bergsteigen vor.

Bild: Michael Lacher

Michael Lacher und Manuel Nübel aus dem Allgäu wagen sich an den Red Bull X-Alps. Zu Fuß und mit dem Gleitschirm geht’s von Salzburg nach Zell am See.
01.05.2021 | Stand: 06:30 Uhr

Von Salzburg nach Zell am See ist es nicht weit. Knapp 90 Kilometer. Mit dem Auto über die Bundesstraße in eineinhalb Stunden zu schaffen. Die Teilnehmer des Red Bull X-Alps, das als härtester Abenteuer-Wettkampf der Welt gilt, brauchen deutlich länger, je nach Wetterlage bis zu 14 Tagen. Sie dürfen die Strecke nur zu Fuß oder mit dem Gleitschirm zurücklegen – und nehmen quer über die Alpen durch Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich und Italien einen ordentlichen Umweg.

Die 33 Extremsportler aus 17 Nationen haben ab Mitte Juni über 1200 Kilometer vor sich, einmal zum Mont Blanc und zurück. Jeder Meter wird per Live-Tracking-Technologie erfasst. Zu Beginn gibt es am 20. Juni einen eintägigen Prolog, bei dem die Teilnehmer um eine gute Ausgangsposition kämpfen. Die Sportler sind zu nächtlichen Ruhezeiten verpflichtet. Tagsüber warten steinige Aufstiege, spektakuläre Flüge und strategische Entscheidungen.

Michael Lacher aus Oberstdorf arbeitet im Winter bei der Bergwacht

Zum erlesenen Starterfeld gehören zwei Allgäuer. Einer davon ist Michael Lacher. Der 31-jährige Oberstdorfer zählt zu Deutschlands besten Akrobatikfliegern. Im Winter arbeitet er hauptberuflich bei der Bergwacht, im Sommer als Tandempilot. Vor seiner Premiere beim Extrem-Wettbewerb hat er eine gehörige Portion Respekt. Lacher meint aber auch: „Mich reizt dieses einzigartige Wettkampfformat, das Bergsteigen und Fliegen auf besondere Weise kombiniert. Ich bin ein Mensch, der bei Wettkämpfen immer sein Bestes gibt, auch wenn es superanstrengend wird. Ich liebe die Herausforderung.“

Erst 2015 begann Michael Lacher mit dem Gleitschirmfliegen - nun nimmt er am Red Bull X-Alps teil

Das Fliegen fasziniert ihn schon seit seiner Kindheit. Lachers Vater ist Bergführer, Drachen- und Segelflieger und hat seinen Sohn früh inspiriert. Erst steuerte er Modellflieger am Himmel, später ging er mit dem Segelflieger selbst in die Lüfte. „Doch das wurde mir irgendwann zu eintönig“, sagt der 31-Jährige. Ausflüge mit den Kumpels in die Berge taten ein Übriges.

Lacher erzählt schmunzelnd: „Meine Kumpels sind oft mit ihren Schirmen vom Gipfel runtergeflogen und ich musste alleine zurücklaufen. Da war mir recht schnell klar, dass ich das mit dem Gleitschirmfliegen auch ausprobieren will.“ 2015 begann der Allgäuer mit der entsprechenden Ausbildung und legte eine rasante Entwicklung hin. Wann immer es das Wetter zuließ, zog Lacher mit dem Paraglider los in die Berge, probierte zahlreiche Flugmanöver aus. Ehrgeizig wie kaum ein anderer.

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Dass er nun als einer von 33 Teilnehmern für das Red Bull X-Alps ausgewählt wurde, ist für ihn quasi der Ritterschlag. „Ja, man kann sagen, dass das die Königsklasse ist, die indirekte Weltmeisterschaft in der Disziplin Hike & Fly“, meint der Oberstdorfer.

Die Herausforderung an Körper und Geist beim REd Bull X-Alps ist enorm

Die Herausforderung ist enorm. Körper und Geist sind gleichermaßen gefordert. „Der Kopf wird sehr bald großen Einfluss auf die eigene Leistungsfähigkeit haben. Spätestens dann, wenn man körperlich an die Grenzen stößt“, meint Lacher. Die richtige Vorbereitung sei daher immens wichtig. Bis zu 120 Stunden pro Monat widmet sich der Oberstdorfer dem Training.

Die Hälfte der Zeit schwebt er durch die Luft, in den anderen 50 bis 60 Stunden wird an der Ausdauer gearbeitet. Entweder geht’s mit dem Rennrad auf Tour oder rauf auf die Berge. Zwischen 25 000 und 30 000 Höhenmeter bringt er monatlich zusammen. „Im Allgäu haben wir perfekte Bedingungen. Ich kann direkt vor der Haustür loslegen“, sagt er.

Die klassische Routenplanung fällt allerdings in Coronazeiten anders aus als gewöhnlich. Weil Grenzen derzeit nicht wie üblich passiert werden können, prägt sich Lacher seine Strecke zuhause am Laptop ein. Sein Ziel bei der Premiere: „Ich will mich in diesem Haifischbecken bewähren und vor allem gesund durchkommen.“

Auch Manuel Nübel aus Oberstdorf startet beim Red Bull X-Alps

Neben Lacher ist mit Manuel Nübel ein weiterer Allgäuer dabei. Der 33-Jährige aus Bolsterlang startet bereits zum vierten Mal beim „Red Bull X-Alps“. Nübel ist professioneller Gleitschirmflieger und Tandempilot, die Liste seiner Erfolge wird immer länger. Als Jugendlicher wurde er noch deutscher Meister im Modellkunstflug, in den vergangenen Jahren kamen für den Ingenieur für Energie- und Umwelttechnik neben nationalen Titeln im Gleitschirmfliegen unter anderem auch Triumphe im Weltcup dazu.

Er sagt: „Das Ziel in Monaco war schon etwas Besonderes. Glücklicherweise habe ich es schon mal geschafft, dort anzukommen. Die neue Strecke ist aber auch äußerst interessant und anspruchsvoll.“ Lacher und Nübel kennen sich gut. Bei der letzten Ausgabe des Wettbewerbs 2019 haben sie im Vorfeld gemeinsam trainiert, während des X-Alps wurde der Bolsterlanger Nübel zeitweise von Lacher unterstützt. Heuer sind die beiden Freunde Konkurrenten in der Luft und auf den Wanderpfaden. Aber nur zwei Wochen lang.

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