München

Abwasserproben statt Coronatests? Was Forscher der TU München herausgefunden haben

Könnte das Abwasser genauere Informationen zum aktuellen Infektionsgeschehen in der Corona-Pandemie liefern?

Könnte das Abwasser genauere Informationen zum aktuellen Infektionsgeschehen in der Corona-Pandemie liefern?

Bild: Ralf Hirschberger / dpa (Symbolbild)

Könnte das Abwasser genauere Informationen zum aktuellen Infektionsgeschehen in der Corona-Pandemie liefern?

Bild: Ralf Hirschberger / dpa (Symbolbild)

Auch im Abwasser finden sich Coronaviren. Wie Forscher der TU München daraus ein Früh-Meldesystem entwickelt haben und warum es nicht für Metropolen gilt.
dpa
17.12.2020 | Stand: 12:26 Uhr

Durch Analysen des Abwassers können Wissenschaftler die Entwicklung von Corona-Infektionen einige Tage im Voraus bestimmen. Dies ist die bisherige Erkenntnis eines Pilotprojektes im von der Pandemie besonders stark betroffenen Landkreis Berchtesgadener Land. "Wir liegen mit unseren Ergebnissen vier bis fünf Tage vor den offiziellen Zahlen", sagte Prof. Jörg Drewes von der Technischen Universität (TU) in München. Für Großstädte sei das in dem Landkreis angewandte System allerdings nicht direkt anwendbar.

Seit etwa drei Wochen nehmen die TU-Forscher unterstützt vom Sanitätsdienst der Bundeswehr Proben in den Klärwerken der Kommunen in dem oberbayerischen Kreis, der bei der Corona-Welle in diesem Herbst früh zu einem bundesweiten Hotspot wurde. Grundsätzlich sei es so möglich, ein Frühwarnsystem aufzubauen, erklärte Drewes. "Wir können sehen, wenn drei oder vier Leute infiziert sind."

Viele Corona-Positive wüssten nichts von ihrer Infektion, die sich im Abwasser nachweisen lässt

Hintergrund des Projektes ist es, dass sich zahlreiche Infizierte nicht testen lassen, weil sie keine Symptome haben. Daher sind diese Betroffenen den Gesundheitsämtern oft unbekannt und tauchen dann auch in keinen offiziellen Statistiken auf. Da sich das Coronavirus in den Fäkalien nachweisen lässt, arbeiten Forscher seit mehreren Monaten daran, ein Analysesystem für Abwasser zu entwickeln. So soll die Pandemieentwicklung frühzeitig berechnet werden.

Im Berchtesgadener Land wird nun das Abwasser von 90 Prozent der Bevölkerung in den Kläranlagen untersucht. Damit würden erstmals in Deutschland flächendeckend Abwasserproben analysiert, teilte das Landratsamt in Bad Reichenhall mit. An zehn Entnahmestellen werden zwei Mal wöchentlich Proben genommen.

Die Ergebnisse regelmäßiger Proben könnten das Infektionsgeschehen genau festhalten

"Ich sehe da ein großes Potenzial", meinte Prof. Drewes zu den Möglichkeiten. Durch die regelmäßige Überwachung könne gesehen werden, ob die Zahl der Infizierten in den Gemeinden nach oben oder nach unten geht. Noch genauer könnten die Vorhersageergebnisse werden, wenn noch häufiger Proben genommen würden, erklärte er. Solch eine Routineuntersuchung könnte auch von kommerziellen Laboren vorgenommen werden, um ein Meldesystem aufzubauen.

Für Großstädte ist das in dem Landkreis angewandte System allerdings nicht direkt anwendbar, erklärte Drewes. In Städten wie München oder Berlin sei das Abwasser zu lange im Kanal unterwegs, ehe es in den Klärwerken ankomme. Dadurch seien keine zuverlässigen Aussagen über das lokale Infektionsgeschehen in den Metropolen möglich. Deswegen müssten dort dann bereits in der Kanalisation Proben entnommen werden.

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Das Testen von Abwasser auf den Coronavirus ist keine Neuheit

Virusnachweise im Abwasser gab es schon vor Monaten. Auf Basis entsprechender Analysen vermuteten Forscher etwa, dass der Erreger in Italien früher zirkulierte als angenommen.

Wissenschaftler aus Aachen und Frankfurt am Main hatten im Sommer dann eine Methode zur Überwachung von Corona-Infektionen über das Abwasser entwickelt. Die gemessene "Virenfracht" einer Kläranlage erlaube Rückschlüsse auf die Anzahl der mit Covid-19 infizierten Menschen im Einzugsgebiet, teilte damals die Aachener RWTH (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule) mit.

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