Kameramann Moritz Sonntag

Allgäu-Rasta rockt die Film-Branche

Egal ob Schnee und/oder Sonnenschein: Moritz Sonntag ist ein gefragter Kameramann.

Egal ob Schnee und/oder Sonnenschein: Moritz Sonntag ist ein gefragter Kameramann.

Bild: Jonas Blum

Egal ob Schnee und/oder Sonnenschein: Moritz Sonntag ist ein gefragter Kameramann.

Bild: Jonas Blum

Die langen Dreadlocks sind das erste, was an Moritz Sonntag auffällt. Seit elf Jahren lässt sie der heute 27-Jährige aus Oberstaufen wachsen. Die blonden Filzlocken sind für ihn mehr als ein Erkennungsmerkmal. Ein Statement für seine Arbeit und seine Lebenseinstellung: "Sie stehen für Naturverbundenheit. Die treibt mich an", erklärt der Abenteurer, der für spektakuläre Filmprojekten an entlegene Orte der Welt reist – und ein immer größeres Publikum mit atemraubenden Aufnahmen begeistert.
25.09.2016 | Stand: 16:45 Uhr

Kräftige Schultern, scharfer Blick und jede Menge Tatendrang: Moritz Sonntag ist Extremsportler und Kamermann in einem.

Ein Satz genügt ihm, um sein Selbstverständnis zu beschreiben: "Ich brenne für das Filmen." Genau diese Leidenschaft zeichnet seine Produktionen aus. 

Schon während des Studiums "InterMedia" an der Fachhochschule in Vorarlberg erhält er seinen ersten Preis: Der Film "Det er her" ("Es ist hier") wird 2016 bei der Alpinale in Vorarlberg in der Kategorie "V-Shorts" ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt des achtminütigen Streifens, den er während seines Auslandssemesters an der University of Agder (Norwegen) drehte, steht Schlittenhundeführerin Siri Goberg.

Faszinierende Aufnahmen vermitteln ihre Begeisterung für ihre Tiere und die Schönheit der norwegischen Winterlandschaft.  Das Video siehst Du hier in voller Länge: 

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"Der Respekt vor der Natur ist mir wichtig", sagt Moritz Sonntag, der sich in den Bergen wie zuhause fühlt und ausgebildeter Canyoning-Guide ist. Seine Faszination am Sport vermitteln auch die Videos, die er vom Allgäu Triathlon in Immenstadt drehte.  

 Jetzt startet er mit zwei inernationalen Produktionen voll durch:  

The White Maze (52 Minuten, Producer: M-Line, Co-Producer: Red Bull Media House): Für die Dreharbeiten im "weißen Labyrinth" begleiteten die Kameramänner Moritz Sonntag und Johannes Aitzetmüller sowie der Fotograf Jonas Blum die Profi-Freedrider Matthias Haunolder und Matthias Mayr zum höchsten Berg Ostsibiriens.

Dort gelang es den beiden Österreichern als erste Menschen den 3003 Meter hohen "Gora Pobeda" mit Skiern zu befahren. Der eisbedeckte Gigant gilt nicht nur wegen seiner abgeschiedenen geografischen Lage als extrem schwierig zu besteigen. Allein schon die Anreise erwies sich als Abenteuer.

Die nächste Helikopterstation liegt 1.300 Kilometer entfernt! Sieben Tage lang war die Crew mit Propellermaschine, LKW und Skidoo unterwegs, bis sie endlich den Fuß des Berges erreichte. Eine Nomadenfamilie ist die einzige Unterstützung auf die das Team bauen kann, um in die Berge zu gelangen. Dort erweisen sich Temperaturen von minus 25 Grad Celius als Härtetest für  Mensch - und Technik.

"Es war wirklich extrem! Niemand wusste, ob unser Plan aufgeht", erzählt Moritz Sonntag. Doch mit Glück und Geschick meisterte die Crew die Herausforderung in der gnadenlosen Kälte."Ich hab die Batterien für meine Kamera vorsichtshalber in den Schlafsack mitgenommen, damit sie warm bleiben", erzählt der Kamermann schmunzelnd. Der Allgäuer ging für die Dreharbeiten ans Limit: Er erklomm einen benachbarten Berg auf 2700 Metern Höhe, um von dort einzigartige Szenen der Erstbefahrung zu drehen. "Es war ein unglaubliches Abenteuer", sagt Moritz Sonntag. Der Film ist ab Oktober im Zuge der Ride Night Filmtour und anschließend auf RedBull TV zu sehen.    

Canyoning Expedition in Taiwan (50 Minuten, Producer: Moritz Sonntag): Acht Abenteurer aus sieben Nationen – und ein gemeinsames Ziel: Eine Expedition durch den Malishan, einen 15 Kilometer langen Canyon in Taiwan, der  weltweit wohl am schwierigsten zu bezwingenden Flußlauf. "Der Einstieg für die Tour befindet sich auf einer Höhe von 2.200 Metern – raus kommt man auf 650 Metern", beschreibt Moritz Sonntag das Gefälle. Acht Tage war er mit einem internationalen Expeditionsteam unterwegs, um die Herausforderung zu meistern. Der Kontakt der Gruppe kam über Facebook zustande.

Um die geplante Dokumentation über die Expedition in Eigenregie drehen und produzieren zu können, setzte Moritz Sonntag auf Crowdfunding – und bekam prompt von Freunden, Sponsoren und privaten Gönnern 3.800 Euro Unterstützung. Der lange Marsch konnte beginnen! Allein drei Tage musste die Gruppe bei subtropischen Temperaturen um die 30 Grad durch wegloses Gelände marschieren, um den Canyon zu erreichen. Der Malishan wartete mit extremen Hindernissen auf. Das längste Abseil-Stück betrug 130 Meter! Eine weitere Schwierigkeit bestand in der Länge der Tour: Acht Tage im Flußbett und acht Nächte unter freiem Himmel zehrten an den Kräften.

Moritz Sonntag hatte mit zusätzlicher Last zu kämpfen: Er schleppte Proviant und Filmausrüstung mit einem Gewicht von 35 Kilo durch die Wildnis. Kein Wunder, dass er bei den anderen Teilnehmern schnell seinen Spitznamen weghatte: The Machine! Zumal Moritz Sonntag sich nie aus der Fassung bringen ließ. Nicht einmal, als die Gruppe bei schnell einbrechender Dunkelheit in einem Felssturz ein Quartier für die Nacht bezog – und sich um herunterfallende Steine sorgte. "Ich habe mich trotzdem wohl gefühlt. Die Berge und Natur sind mir vertraut. Ich hab größere Bedenken, wenn ich nachts durch eine U-Bahn-Station laufe", sagt der Naturbursche schmunzelnd.

Kaum war der Jubel über die gelungene Malishan-Mission verklungen, begann für ihn die (Schnitt-)Arbeit erst so richtig: Aus 16 Stunden Filmmaterial wählte er die besten Szenen für seinen 50 minütigen Dokumentarfilm aus. Der große Aufwand hat sich gelohnt.  Allein schon der actiongeladene Trailer zum Film wirkt wie der eines Blockbusters und beweist einmal mehr: Die Arbeit des aufstrebenden Filmemachers Moritz Sonntag kann sich buchstäblich sehen lassen.