Klimaschutz

Allgäu startet in ein neues Bündnis für den Klimaschutz

Aktion „Ab in die Natur“ der Allgäuer Zeitung

Im Allgäu macht sich ein neues Klimabündnis auf den Weg.

Bild: Matthias Becker

Im Allgäu macht sich ein neues Klimabündnis auf den Weg.

Bild: Matthias Becker

Bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen in der Region von Jahr zu Jahr immer weiter verringert werden. Das Energie-und Umweltzentrum Allgäu will, dass sich viele Unternehmen und Institutionen beteiligen.
17.02.2020 | Stand: 09:09 Uhr

Das Ziel ist hochgesteckt: In den nächsten zehn Jahren sollen möglichst viele Unternehmen, Verbände und Kommunen in der Region klimaneutral werden. Heute fällt in Kempten der Startschuss zum „Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030“. Zur Auftaktveranstaltung kommt auch Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller (CSU).

An dem Projekt könnten sich alle Behörden, Schulen, Betriebe, aber auch jeder Einzelne beteiligen, sagt der Minister. Das Interesse am Thema ist offensichtlich groß: Schon seit Wochen sei die Veranstaltung ausgebucht, sagt Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (Eza).

Dieses hat Unternehmen, Kommunen und Institutionen aufgerufen, das Allgäu „gemeinsam mit uns“ zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz zu machen. Vereinfacht gesagt sind es drei Schritte bis zur klimaneutralen Kommune oder zum Unternehmen: Zunächst wird in einer Bilanz festgestellt, welche und wie viele Treibhausgase verursacht werden.

In einem zweiten Schritt werden möglichst viele CO2-Emissionen verringert, weil verstärkt Energie eingespart oder durch erneuerbare ersetzt wird. Dritter Schritt: Unvermeidbare Restemissionen sollen kompensiert werden. Durch Einzahlungen in zertifizierte Projekte, durch die wiederum Emissionen eingespart werden – in erster Linie in Entwicklungsländern.

Kompensation in Afrika

Sambale berichtet beispielsweise von einem Projekt in Ruanda: Durch den Einsatz von effizienten Holzkochern soll in dem ostafrikanischen Land die Abholzung verringert werden. Zugleich gelangen dort weniger Treibhausgase in die Atmosphäre. Das effiziente Kochen trägt dazu bei, den Lebensraum für die letzten Berggorillas zu bewahren. Der Weg zum klimaneutralen Unternehmen werde von Eza „langfristig begleitet“, verspricht Sambale. Demnächst werde für das „Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030“ eine eigene Internetseite eingerichtet.

Zu den ein Dutzend Gründungsmitgliedern des Bündnisses gehört der Energieversorger Allgäuer Überlandwerk (AÜW) mit Sitz in Kempten. „Das Projekt liefert uns im ersten Schritt zunächst eine ausführliche CO2-Bilanz unseres Unternehmens“, sagt AÜW-Unternehmenssprecher Stefan Nitschke. Darauf werde man dann aufbauen „und konkrete Maßnahmen ableiten“. Das Ziel definiert Nitschke so: „Ein klimaneutrales AÜW“. Der Energieversorger setzt laut Nitschke dabei „ganz besonders auf den Austausch mit anderen Allgäuer Unternehmen“.

Am Klimabündnis können sich auch Unternehmen beteiligen

Für Hotelier Andreas Eggensberger im Ostallgäuer Hopfen am See (Biohotel Eggensberger) ist es nach eigenen Worten eine Selbstverständlichkeit, dass sein Haus sich am Klimabündnis beteiligt. In zehnjähriger Zusammenarbeit mit Eza sei es bereits gelungen, die Emissionen des Betriebs ganz erheblich zu senken. „Wir arbeiten jetzt schon praktisch CO2-neutral“, sagt der Hotelier. Für unvermeidbare Emissionen zahle das Hotel eine Kompensationsabgabe. Das sei auch Teil der Betriebsphilosophie des Bio-Hotels.

Eza-Chef Sambale geht davon aus, dass sich zunächst einmal 100 Unternehmen und Organisationen am „Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030“ beteiligen. Die Partner verpflichten sich, bis 2030 ihre Emissionen jährlich um zehn Prozent zu senken – ausgehend von der Startbilanz in diesem Jahr.
Kosten nach Zahl der Mitarbeiter

Die Kosten für Beitritt und Beratung richten sich nach der Mitarbeiterzahl eines Unternehmens oder einer Organisation. Es gibt einen Einstiegspreis (ab 750 Euro für ein kleines Unternehmen bis zehn Mitarbeiter) und einen Jahresbeitrag von 500 Euro.


Ein anderes Beispiel: Für ein mittelständisches Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten beträgt der Einstiegspreis 4000 Euro, der Jahresbeitrag 3000 Euro. Die Unternehmen können mit der Teilnahme am Bündnis werben.