Bei hoher Corona-Inzidenz

Auch Grundschüler müssen Maske tragen - keine automatischen Schulschließungen geplant

Der bayerische Ministerpräsident hält an seinem Kurs fest: «Schule und Kita bleiben in Bayern geöffnet», betont Markus Söder am Donnerstag.

Der bayerische Ministerpräsident hält an seinem Kurs fest: «Schule und Kita bleiben in Bayern geöffnet», betont Markus Söder am Donnerstag.

Bild: Peter Kneffel, dpa

Der bayerische Ministerpräsident hält an seinem Kurs fest: «Schule und Kita bleiben in Bayern geöffnet», betont Markus Söder am Donnerstag.

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Trotz gestiegener Corona-Zahlen soll es an bayerischen Schulen auf absehbare Zeit keine automatischen Klassenteilungen oder gar Schulschließungen geben.
Der bayerische Ministerpräsident hält an seinem Kurs fest: «Schule und Kita bleiben in Bayern geöffnet», betont Markus Söder am Donnerstag.
dpa
05.11.2020 | Stand: 18:01 Uhr

Ungeachtet der drastisch gestiegenen Corona-Zahlen soll es an bayerischen Schulen auf absehbare Zeit keine automatischen Klassenteilungen oder gar Schulschließungen geben - weder in Landkreisen noch in kreisfreien Städten. Selbst in Corona-Hotspots sollen Schulen nicht automatisch auf einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht umstellen, sondern allenfalls einzelne, betroffene Schulen. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag in München zu den Ergebnissen eines Spitzengesprächs mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter am Vortag. Grundsätzlich gilt, von begründeten Ausnahmen abgesehen, nach den Herbstferien eine Maskenpflicht im Unterricht auch für Grundschüler.

Söder: Ausschlaggebend ist Infektionsgeschehen an Schulen

Es gebe keine fixen Corona-Inzidenzwerte, bei denen Schulen geschlossen werden müssten, erklärte Söder. Entscheidend sei nur, ob es an einer Schule ein Infektionsgeschehen gebe oder nicht. Auch bislang hatte kein Automatismus bestanden. Ein Stufenplan des Kultusministeriums sah aber die Möglichkeit ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 explizit vor - das ist nun endgültig vom Tisch.

"Schule und Kita bleiben in Bayern geöffnet", unterstrich Söder. Das gelte so lange, bis ein Gesundheits- oder Schulamt feststelle, dass die Infektionsgefahr in einer bestimmten Einrichtung zu groß sei.

Grundsätzlich gilt nach den Herbstferien und bis auf Weiteres an allen Schularten (auch an Grundschulen) eine Maskenpflicht auch im Unterricht, unabhängig von der Zahl der Neuinfektionen. Kreisverwaltungsbehörden können aber - wie bisher - in begründeten Einzelfällen auch Ausnahmen zulassen. Bislang war die Maskenpflicht im Unterricht an die Inzidenzzahlen 35 beziehungsweise 50 gekoppelt. Die wurden aber quasi bayernweit schon vor Wochen überschritten, so dass die Maskenpficht im Unterricht de facto meist schon länger gilt.

Der Regierungschef forderte sehr deutlich, den Leistungsdruck an den Schulen angesichts der Corona-Krise nicht unnötig zu erhöhen und etwa im Eiltempo Proben schreiben zu lassen. Auch die Lehrpläne müssten, wo notwendig, an das Infektionsgeschehen angepasst werden.

Zugleich kündigte Söder an, auch nach diesem Schuljahr solle das Vorrücken in die nächste Klassenstufe großzügiger gehandhabt werden. Und wenn jemand nicht vorrücke, dann solle dies nicht auf die Schulkarriere angerechnet werden. "Ziel ist, dass aus einem nicht normalen Schuljahr trotzdem ein faires Schuljahr wird."

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte: "Corona macht nicht vor dem Schultor halt, Corona prägt auch den Schulalltag." Man unternehme aber sehr viel, um Schulen und Kitas offen zu halten.

Piazolo warb aber um Verständnis, dass man das Schuljahr angesichts der ungewissen Corona-Entwicklung nicht jetzt schon komplett durchplanen könne, sondern dass man gegebenenfalls immer wieder nachsteuern müsse. Es lasse sich heute auch noch nicht sagen, wie beispielsweise Prüfungsstoff für Mai angepasst werde. Zum Lehrplan sagte der Kultusminister dagegen, man biete den Lehrerinnen und Lehrern bereits jetzt "Beispiele für Schwerpunktsetzungen".

Piazolo zeigte sich grundsätzlich offen für eine Anpassung der bisherigen Regelung, dass Schüler etwa bei einem bestätigten Corona-Fall in der eigenen Klasse für 14 Tage in Quarantäne müssen. Man werde die Quarantäne-Regelungen aber auch nicht "leichtfertig umschmeißen", sondern nur gedeckt von wissenschaftlichen Erkenntnissen und auch nicht in einem bayerischen Alleingang.

Zur Forderung nach einer Ausstattung von Lehrerinnen und Lehrern mit FFP2-Schutzmasken sagten Söder und Piazolo, man werde noch einmal weiter diskutieren, welche Möglichkeiten es hier geben könnte.

Debatte über versetzte Schulanfangszeiten

Um die Infektionsgefahr unter Schülern zu senken, gibt es auch mmer wieder den Vorschlag, den Unterricht in den Klassen versetzt zu beginnen. So würde auch der Schülerverkehr entzerrt werden. Der Lehrerverband hält dies nicht für sinnvoll und macht einen Gegenvorschlag zum gestaffelten Unterrichtsbeginn.

Ostallgäuer Schüler müssen im Unterricht nicht zwingend 1,5 Meter Abstand halten

An den Ostallgäuer und Kaufbeurer Schulen können Kinder nächste Woche nach den Ferien auf jeden Fall im Klassenzimmer unterrichtet werden. Das Landratsamt hat den Schulen am Mittwoch mitgeteilt, dass nach den Herbstferien der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Schülern in Unterrichtsräumen nicht mehr zwingend eingehalten werden muss. Ziel sei es aber, wo immer machbar, die Abstandsempfehlung umzusetzen. Das ermöglicht den Schulen, ab 9. November wieder komplett im Präsenzmodus zu unterrichten.

Eine Mutter aus dem Westallgäu fordert indes mithilfe einer Petition einen "verlässlichen Schulalltag" in Pandemiezeiten.