Corona-Pandemie

Corona verunsichert Blutspender in Bayern

Die Corona-Pandemie sorgt auch in Sachen Blutspende für Verunsicherung.

Die Corona-Pandemie sorgt auch in Sachen Blutspende für Verunsicherung.

Bild: Bernd Wüstneck, dpa (Symbolbild)

Die Corona-Pandemie sorgt auch in Sachen Blutspende für Verunsicherung.

Bild: Bernd Wüstneck, dpa (Symbolbild)

2000 Konserven werden pro Tag gebraucht. Doch durch Corona schwankt die Spendenbereitschaft. In einem Pilotprojekt profitieren Spender nun anderweitig.
07.11.2020 | Stand: 08:34 Uhr

Genau 42 Tage lang ist eine Blutspende brauchbar. Dann muss sie entsorgt werden. Einen Vorrat an Blutkonserven kann das Bayerische Rote Kreuz (BRK) deswegen nicht anlegen. Das ist vor allem in den Monaten des Lockdowns ein Problem. „Das Spendenaufkommen während Corona gleicht einer Achterbahnfahrt“, sagt Patric Nohe, Pressesprecher des BRK-Blutspendedienstes. Er wolle keinen Alarmismus schüren. Trotzdem empfiehlt er, dass jeder einmal mehr zur Blutspende gehen sollte, als er das sonst tun würde.

Im Moment ist die Versorgung mit Blutspenden im Freistaat gewährleistet. Gehen über ein paar Tage hinweg allerdings zu wenige Spenden ein oder werden zu viele gebraucht, könne sich das „innerhalb von zwei bis drei Tagen ändern“, warnt Nohe.

Blutspende ist trotz Corona-Kontaktbeschränkungen möglich

Im Schnitt brauchen Ärzte in Bayern pro Tag 2000 Blutspenden – einen Großteil davon für chronisch Kranke. Etwa 20 Prozent gehen zum Beispiel an Krebspatienten, „nur“ zwölf Prozent werden benötigt, um Unfallopfer zu retten. Zwar hat der Blutspendedienst grundsätzlich eine Ausnahmegenehmigung und darf Spendetermine trotz Kontaktbeschränkungen durchführen. Zu Zeiten des Lockdowns im Frühjahr schwankte die Bereitschaft zur Spende aber stark: erstens aufgrund der Verunsicherung über Corona-Restriktionen, zweitens wegen der Ausläufer der Grippesaison – Symptome verbieten das Spenden. Drittens fielen Spendetermine in Firmen weg. Dann kamen auch noch die Schulferien. „Jetzt wiederholt sich die ganze Geschichte“, sagt Nohe. Kontaktbeschränkungen, Grippesaison, Weihnachtsferien: Alles (bald) wieder da.

Sollten Blutspender mit Geld bezahlt werden?

Regelmäßig kommt die Forderung auf, mehr Blutspender anzulocken, indem man sie bezahlt. Georg Marckmann, Professor für Medizinethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, etwa forderte Mitte des Jahres eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro.

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Das BRK lehnt das ab – und setzt weiter vor allem auf die Solidarität als bestes Argument für eine Spende. Eine Blutabnahme kann statistisch bis zu drei Menschen das Leben retten. Dazu gibt es kleine Dankeschöns, Fahrradschlösser etwa, Taschenlampen, Pflegesets. In einem Pilotprojekt des BRK in Bayreuth werden Spender seit Oktober auch digital belohnt. Zusammen mit einem Bayreuther Start-up hat der Kreisverband eine App auf den Markt gebracht, die Spendern Bonuspunkte zuschreibt, die sie etwa im Supermarkt, an der Tankstelle oder in Modeläden einlösen können. Gegenwert pro Spende: etwa drei Euro.

Ob die App mehr Menschen zur Blutabgabe animiert, lässt sich nach so kurzer Zeit nicht auswerten. Tobias Schif, Sprecher des Kreisverbands, ist aber optimistisch: „Wir hatten gleich am ersten Tag 100 Blutspender, die sich in der App angemeldet haben“ – eine gute Zahl angesichts dessen, dass zu einem durchschnittlichen Spendetermin in der Stadt etwa 200 Menschen kämen. Mit der App wolle man gezielt jüngere Menschen ansprechen.

Digitale Dankeschöns für die Spende sollen zunehmen

Digitale Aufwandsentschädigungen könnten bald bayernweit Schule machen. „Wir arbeiten an digitalen Lösungen, mit denen wir die Anreize verstärken können“, berichtet Landessprecher Nohe.

Auf das Coronavirus testet der Blutspendedienst die Konserven übrigens nicht. „Es kann über das Blut nicht weitergegeben werden.“ Theoretisch sei ein Test zwar möglich, doch man fürchte, damit Leute mit Symptomen anzulocken, die sich einfach nur testen lassen wollten. Das wiederum wäre sehr wohl eine Ansteckungsgefahr für alle anderen Spender.

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