Reizthema Tierkot

Das kleine AA-ABC

Nicht nur in Immenstadt stinkt vielen Bürgern das Thema Hundekot.

Nicht nur in Immenstadt stinkt vielen Bürgern das Thema Hundekot.

Bild: Manuela Frieß

Nicht nur in Immenstadt stinkt vielen Bürgern das Thema Hundekot.

Bild: Manuela Frieß

Wir kümmern uns auch um Unappetitliches: Katzendreck, Pferdeäpfel und Hinterlassenschaften von Hunden sind auch auf den schönen Allgäuer Wiesen und Wegen eine Normalität. Doch Kot ist nicht gleich Kot. Eine Veterinärin erklärt, warum Verdauungsreste von Hunden schneller verrotten als etwa die von Rindern.
29.01.2021 | Stand: 00:41 Uhr

Keiner mag ihn, jeder macht ihn. Natürliche Hinterlassenschaften aus dem Verdauungssystem – kurz Kot – sind selten eine appetitanregende Lektüre. Doch das Thema reizt zu hitzigen Diskussionen. Denn es gibt verschiedene Interessenslagen und viele Beteiligte. Da ärgern sich Fußgänger über Tretminen von Hunden und Pferdeäpfel-Haufen. Wer in seinen Beeten gräbt, kann das Abendessen von Nachbars Katze finden. Landwirte stören sich an fremden Verdauungsresten auf den Futterweiden ihrer Kühe. Und mancher Tierbesitzer fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Dabei gilt, Kot ist nicht gleich Kot, wie die Nachfrage beim Veterinäramt im Landratsamt zeigt.

Haltbarkeit: Kot von Fleisch- und Allesfressern benötigt etwa zwei bis drei Monate bis er verschwunden ist, der von Rind und Pferd etwa sechs Monate. Weil sich Eiweiß schneller abbaue als Cellulosefasern, verschwinden Häufen der Fleisch- und Allesfresser schneller als die der Pflanzenfresser, erklärt Amtstierärztin Dr. Caroline Aschenbrenner. Der tatsächliche Abbau von Kot hänge von vielen Faktoren ab – wie Größe, Form, Konsistenz, Feuchtigkeit, Jahreszeit und Wetter, sagt Dr. Stefan Hörmansdorfer (Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit).

Pflanzenfresser: Ihr Kot enthält unverdauliche Cellulose- und Lignin-Fasern (beim Rind in kürzerer Form, beim Pferd in längerer). Sie zersetzen sich langsam durch Witterungseinflüsse wie Sonne, Regen und Frost. „Mistwürmer aus der Familie der Regenwürmer“ helfen, Verdauungsreste zu Humus umzuwandeln. Außerdem leisten Massen von Fliegen vieler Arten der Abbauhilfe. Um ihren Kot machen Pferde und Rinder beim Fressen einen Bogen, wenn es möglich ist. Dies sieht man an sogenannten „Geilstellen“. Da bilden sich auf den Wiesen Inseln von Gras, weil die Tiere um Kuhfladen oder Pferdeäpfel herumfressen. Laut Aschenbrenner ein natürlicher Mechanismus, um Infektionsketten zu unterbrechen.

Fleisch-/Allesfresserkot: Auch die Nahrung von Fleischfressern enthält je nach Zusammensetzung pflanzliche Bestandteile. Insgesamt finden sich im Kot aber viel weniger pflanzliche Fasern und dafür mehr Eiweißrückstände. Letztere sorgen dafür, dass der Kot „würziger“ riecht als der von Pflanzenfressern. Der Abbau der stinkigen Hinterlassenschaften erfolgt ebenfalls durch Witterungseinflüsse, Fliegen und Würmer. Der Kot von Fuchs und Katzen lässt sich auf Wiesen meist nicht vermeiden. Wohl aber der, den die Zamperl von nahezu 8000 Hundebesitzern im Oberallgäu und in Kempten produzieren.

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Keime/Parasiten: Laut Aschenbrenner kann der Kot aller Tierarten, auch vom Menschen, mit Keimen oder Parasiten belastet sein – mit Organismen, die dann Vertreter der gleichen oder einer anderen Spezies krank machen. Ob also die jeweiligen Hinterlassenschaften eine Gefahr darstellen, hängt vom Einzelfall ab. Dabei, ergänzt Hörmansdorfer, spielt auch die Konzentration eines Erregers im Kot eine Rolle. Bei direktem Kontakt mit tierischen und menschlichen Ausscheidungen rät er zu „üblichen Maßnahmen der Basishygiene wie Händewaschen“.

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Wiesen: Kot von Mensch und Hund gehört nicht auf Weiden und Grünflächen, die der Futtergewinnung dienen, mahnt das Landratsamt. Die Behörde appellierte erst im Frühjahr mit der Stadt Kempten und dem Bauernverband, Hunde nicht auf Futterwiesen Gassi gehen zu lassen. Hundekot beeinträchtige Qualität und Lagerfähigkeit des Rinderfutters. Folgen könnten Verdauungsstörungen, Totgeburten und Euterentzündungen sein. Die Landwirte seien darauf angewiesen, dass die Tierliebe der Hundehalter die Kühe einschließe, formuliert es Kreisbäuerin Monika Meyer. Nur die Hundehalter selbst hätten es in der Hand, dass kein Hundekot die Rinder gefährdet.

Hundekot wird man bequem in den vielerorts aufgestellten Hundetoiletten los. Man kann ihn natürlich auch in die eigene Mülltonne packen oder – dann aber nur ohne Tüte – in die eigene Toilette werfen. Laut Siegfried Zengerle, Geschäftsleiter des Abwasserverbands AOI, ist es nicht verboten, tierischen Kot in der Toilette wegzuspülen.