Filmdreh in der Stadt

Ein Hauch von Hollywood in Kaufbeuren

Wolfgang Hawel (links) und Nelson Berger bei Dreharbeiten in Erding für ihre bereits fertiggestellte schwarze Komödie „Halb acht“.

Wolfgang Hawel (links) und Nelson Berger bei Dreharbeiten in Erding für ihre bereits fertiggestellte schwarze Komödie „Halb acht“.

Bild: Hawel

Wolfgang Hawel (links) und Nelson Berger bei Dreharbeiten in Erding für ihre bereits fertiggestellte schwarze Komödie „Halb acht“.

Bild: Hawel

Wolfgang Hawel ist Suchtberater im Ostallgäu. Doch schon länger hat er auch seine Liebe zum Film entdeckt. Nachdem er selbst als Schauspieler aktiv war, gründete er gemeinsam mit einem Freund die Produktionsfirma "Sehlection-Film". Jetzt steht ihre erste Produktion in Kino-Spielfilmlänge an. Am Dienstag (26.3.19) wird dafür im Stadttheater in Kaufbeuren mit Komparsen aus der Stadt gedreht. Worum es in dem Streifen geht und was den ehemaligen Kaufbeurer Stadtrat am Filmemachen reizt, erfährst Du hier.
25.03.2019 | Stand: 11:37 Uhr

Sein Faible für die Filmwelt pflegt Wolfgang Hawel schon seit seiner Studienzeit. Damals befasste er sich bereits mit Videotechnik. Inzwischen steht der Diplom-Sozialpädagoge (FH) ein Jahr vor seiner Pensionierung als Suchtberater am Landratsamt Ostallgäu und produziert derzeit zusammen mit seinem Partner Nelson Berger aus Erding den ersten Spielfilm in Kinolänge. Ein Drehtag dafür findet am morgigen Dienstag im Kaufbeurer Stadttheater statt.

Auch wenn Hawel bei der Verfilmung des mehrfach ausgezeichneten tschechischen Märchens „Vom Smolicek“ 2014 bereits selbst als König vor der Kamera stand, begeistert ihn doch mehr die Technik hinter den Kulissen. „Eigentlich wollte ich mal Kameramann werden“, verrät der 64-Jährige. Stattdessen hat er seit 2011 viele Kurse über das Filmemachen bei der Bavaria Film GmbH in München absolviert und sich eine professionelle Ausrüstung zugelegt.

Aus Zuschauern werden Sponsoren

Eigentlich wollte ich mal Kameramann werden.
Wolfgang Hawel (64)

Beim Filmfest München lernte der ehemalige Kaufbeurer Stadtrat dann vor vier Jahren Nelson Berger kennen. Der inzwischen 24-Jährige organisierte schon als Jugendlicher Filmtage in seinem Heimatort Erding. Für „Vom Smolicek“ produzierte er ein „Making-of“. Hawel lud den Erdinger als Kameramann ein, als der Kaufbeurer zuhause ein privates Charity-Projekt veranstaltete, das er professionell gefilmt haben wollte. „Da habe ich sein Talent gesehen“, sagt Hawel. Die beiden Männer taten sich zusammen und gründeten die „Sehlection-Film“.

Nach einigen Auftragsproduktionen und Kurzfilmen drehten sie die einstündige schwarze Komödie „Halb acht“ zum Thema Midlife-Crisis. Bei der Vorführung im Kino Erding waren zwei Zuschauer so sehr davon begeistert, dass sie „Sehlection“ bei der Produktion ihres ersten richtigen Spielfilms mit 80 Minuten Länge als Sponsoren zur Verfügung stehen. Der Streifen trägt den Arbeitstitel „Brüder“ und handelt von verdrängten Gewissheiten, Schuld und ewiger Konkurrenz.

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Und auch wenn dafür nur ein begrenztes Budget im vierstelligen Bereich zur Verfügung steht, freut sich Hawel über das professionelle Team. Das Drehbuch schrieben Nelson Berger und der österreichische Schauspieler Sebastian Anton Maria Brummer, der auch die beiden Brüder mimt. Die zweite Hauptrolle hat die Medizinstudentin Isabelle Reißberg übernommen. „Sie hat meisterhaft gespielt“, zeigt sich Hawel begeistert. Die Dreharbeiten für die deutsch-österreichische Produktion begannen bereits im Februar in Wien und sind fast zur Hälfte abgeschlossen.

Am Dienstag kommt das Team dank Hawels Engagement nach Kaufbeuren. Seine Bühne: das Stadttheater. Ab 18 Uhr sind an die 20 bereits ausgewählte Komparsen mit dabei. Sie spielen Gönner und mögliche Sponsoren für ein Theaterprojekt. Mit dabei sind auch die drei Hauptdarsteller. Mehr wollen Hawel und Berger im Vorfeld nicht verraten.

Und sogar ein Stuntman dreht mit

Im Frühsommer kommt das Team noch einmal zurück nach Märzisried, um einen Autounfall in Szene zu setzen. Hawel hat dort einen Schrauber gefunden, der einige alte Wagen auf dem Hof stehen hat. Und wie es der Zufall will, entpuppte sich der Mann als einstiger Stuntman. Hawel engagierte ihn deshalb gleich für den Dreh. Diese unerwarteten Begegnungen sind es, die den Kaufbeurer immer wieder für sein Hobby begeistern.

Im Herbst soll der Spielfilm fertig sein und zunächst bei Filmfesten in deutschsprachigen Ländern gezeigt werden, bevor er den Weg in die Kinos findet, wie die Produzenten hoffen. Hawel und Berger werden dafür ihr Netzwerk nutzen, das sich beide inzwischen in der Branche aufgebaut haben. Doch die Vermarktung, so weiß Hawel inzwischen, ist ein ganz eigenes Geschäft, „in dem es nicht immer fair zu geht“.

Das wiederum dämpft den Optimismus des Kaufbeurers überhaupt nicht. Für seinen Ruhestand hat er schon ein weiteres Projekt im Kopf: Einen Allgäuer Kinderkrimi drehen. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte.