Rate mal, wie alt er ist

Experte sicher: "Das ist der älteste Ski im Oberallgäu!"

Georg Larsch zeigt die historischen Ski von Fritz Heimhuber.

Georg Larsch zeigt die historischen Ski von Fritz Heimhuber.

Bild: Tobias Schuhwerk

Georg Larsch zeigt die historischen Ski von Fritz Heimhuber.

Bild: Tobias Schuhwerk

Was wäre das Allgäu ohne Skifahren? Aus heutiger Sicht wohl kaum vorstellbar. Brettl-Fans aus Nah und Fern genießen im Winter das breite Angebot an Liften und Bergbahnen oder brechen zu Skitouren auf. Eine Entwicklung, die zu Zeiten der Allgäuer Ski-Pioniere undenkbar erschien. Die Männer der ersten Stunde wurden verlacht und verspottet. Doch sie ließen sich nicht entmutigen. Hier liest Du, wer den ersten Ski im Oberallgäu baute und ab wann der Siegeszug des Skifahrens in unserer Region endgültig begann.
03.01.2020 | Stand: 13:02 Uhr

Dieses Foto aus dem Skimuseum in Fischen zeigt Ski-Pionier Fritz Heimhuber.
Dieses Foto aus dem Skimuseum in Fischen zeigt Ski-Pionier Fritz Heimhuber.
Bild: Schuhwerk

Mit stolzem Lächeln reckt Georg Larsch (72) die alten Holzlatten in die Höhe. Für den Hobby-Historiker und Ski-Experten steht fest: "Das sind die ältesten Ski im Oberallgäu!" Sie stammen aus dem Jahr 1897. Gebaut hat sie Fritz Heimhuber (1877 bis 1963), der der bekannten Fotografenfamilie aus Sonthofen entstammte. Als junger Mann bekam er von seinem Vater die beiden Bände "Nordpol - Reise der Fram" des norwegischen Polarforschers Fridtjof Nansen geschenkt, die ihn zu kühnen Taten inspirierten. "Fritz war fasziniert von der Fortbewegung mit Skiern im winterlichen Gelände. Obendrein war er einer jener typischen Allgäuer Mächler. Anhand der Fotos im Buch begann er selbst seine ersten Gleithölzer zu bauen", erzählt Georg Larsch.

Das Ergebnis ist heute im FIS-Skimuseum im Heimathaus in Fischen zu bewundern. Zwei Meter lang sind die Skier aus Erlenholz, die verblüffenderweise eine Taillierung besitzen, wie man sie von heutigen Carving-Skiern kennt. Fritz Heimhuber scheint also nicht nur Mächler, sondern auch Mann mit Weitblick gewesen zu sein. So konstruierte er eine Verbindung von Schuh und Ski, die vom Grundgedanken der späteren Riemenbindung nahe kam. Eine Halterung für die Bergschuhe boten vorne ein Zehenriemen und hinten ein Fersenriemen. Als Stütze benutzte er wie Nansen einen Haselnussstock mit einer so genannten Stachelspitze.

Dieser Blick lässt die Herzen von Brettl-Fans höher schlagen.
Dieser Blick lässt die Herzen von Brettl-Fans höher schlagen.
Bild: Schuhwerk

Wie schwierige die ersten Versuche waren, davon berichtete Fritz Heimhuber einmal augenzwinkernd in einem Interview: "Eigentümlicherweise gingen die blödsinnigen Schier immer auf Dinge los, die ich eigentlich nicht wollte, wie Bäume, Zaunpfähle und Heuhütten. Von Bogenmachen war in den ersten Jahren natürlich nicht die Rede."

In der Öffentlichkeit galt das Treiben von Ski-Pionieren wie Fritz Heimhuber oder des Kempteners Dr. Max Madlener (er hatte echte Norwegerski mit aufgenagelten Fellen erworben) als unnützes Tun. "Spötter und Witzemacher brauchte man natürlich nicht suchen", erinnerte sich Heimhuber einmal. Doch die abschätzigen Kommentare spornten die mutigen Allgäuer erst Recht an. Eine Wende in der öffentlichen Wahrnehmung brachten die Ereignisse des 26. und 27. Februars 1901. Dr. Max Madlener und Fritz Heimhuber wagten die erste Skitour auf das Nebelhorn (2224 Meter hoch)! Sie stiegen in den Abendstunden hinauf bis zur Edmund-Probst-Hütte, die sie um 1 Uhr nachts erreichten.

Schneeschuhe aus dem Allgäu waren vor dem Einzug der Skier ein Fortbewegungsmittel im winterlichen Allgäu.
Schneeschuhe aus dem Allgäu waren vor dem Einzug der Skier ein Fortbewegungsmittel im winterlichen Allgäu.
Bild: Schuhwerk

Am nächsten Morgen stiegen bis zum Gipfel auf, den im Winter noch kein Mensch je zuvor gemeistert hatte. Die Spitzkehren des Aufstiegs nutzten sie später bei ihrer "Abfahrt", die wohl mehr einem Abstieg glich. Kein Wunder: "Wenn ihnen etwas passiert wäre, hätten sie mit keiner Hilfe rechnen können", sagt Georg Larsch. Dem Vorsitzenden des Skimuseum-Fördervereins nötigt das Abenteuer des Duos höchsten Respekt ab. Die Heldentat, deren Kunde sich in Windeseile verbreitete, sei zugleich der Startschuss für das Skifahren im Allgäu gewesen. Mit einem Mal wollten auch die Spötter und Skeptiker wissen, wie sich eine Ski-Fahrt anfühlt.

Lesen Sie auch
##alternative##
Sportpolitik

Skiverband bleibt ein Männerklub: Eliasch ist neuer Fis-Präsident

Einen spannenden Einblick in die rasante technische Entwicklung, an der u.a. die Familie Heimhuber sowie Dr. Christoph Müller ("Müller-Bindung") aus Immenstadt in den folgenden Jahren beteiligt waren, gibt das Skimuseum mit ungezählten Exponaten. Zudem gibt es, quasi als Vorläufer der Ski, historische Schneeschuhen zu besichtigen. Zentrales Schmuckstück freilich ist und bleibt der erste Oberallgäu Ski von Fritz Heimhuber. Obwohl Georg Larsch die historischen Latten für ein Foto schon mal stolz in den Himmel reckt, aus der Hand gibt er sie nicht mehr. "Klar gibt es immer wieder Leute, die gerne mal eine Fahrt probieren würden. Aber das riskieren wir lieber nicht. In beidseitigem Interesse...."

Öffnungszeiten des FIS-Skimuseums in Fischen: Dienstag und Donnerstag von 15 bis 17 Uhr. (Gruppen nach Vereinbarung) Georg Lasch hält auf Wunsch den heimatkundlichen Vortrag zum Thema: "Die Anfänge von Ski im Allgäu" und über die erste Skitour aufs Nebelhorn 1901 von Fritz Heimhuber und Dr. Max Madlener. Telefon G. Larsch: 08326/239.