Schulsystem in Bayern

Anhörung im Landtag offenbart die Probleme in den Schulen

Grundschüler sitzen in Corona-Zeiten während des Unterrichts mit Plexiglas-Trennscheiben zwischen den Plätzen an ihren Tischen.

Grundschüler sitzen in Corona-Zeiten während des Unterrichts mit Plexiglas-Trennscheiben zwischen den Plätzen an ihren Tischen.

Bild: Peter Kneffel, dpa

Grundschüler sitzen in Corona-Zeiten während des Unterrichts mit Plexiglas-Trennscheiben zwischen den Plätzen an ihren Tischen.

Bild: Peter Kneffel, dpa

Schüler in Bayern werden abgehängt, Lehrer sind überlastet, zudem fehlt es an Personal: Eine Expertenanhörung im Landtag offenbart die Probleme im Schulsystem.

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dpa
25.02.2021 | Stand: 16:31 Uhr

Nach fast einem Jahr Corona-Unterricht werden die Probleme immer sichtbarer: Abgehängte Schülerinnen und Schüler, überlastete Lehrkräfte, mangelnder Gesundheitsschutz waren nur einige der Themen, die vom Bildungsausschuss des Landtages eingeladene Experten am Donnerstag vortrugen. Sie beklagten nahezu unisono einen Personalmangel auf allen Ebenen.

Lehrkräfte kritisierten zudem das Fehlen einer umfassenden Test- und Impfstrategie. Auch müsse es endlich datenschutzkonforme Möglichkeiten des Video-Distanzunterrichts und der digitalen Notenerhebung geben. Schüler wiederum beklagten einen zu hohen Notendruck. Sie äußerten Bedenken, ob die Abschlüsse angesichts der unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht und vergleichbar seien. Dies gelte letztlich auch bei Entscheidungen zum Vorrücken oder den Übertritt.

Sorge um abgehängte Kinder und Jugendliche

Die Sorge um abgehängte Kinder und Jugendliche sowie um den Gesundheitsschutz an den Schulen einte dabei sämtliche Verbände von Schulleitern, Lehrkräften, Schülern und Eltern. Die Bildungsgerechtigkeit leide zusehends, sagte etwa Walburga Krefting von der Katholischen Erziehergemeinschaft in Bayern. «Die Schere geht immer weiter auseinander.» Es gebe zahlreiche Schülerinnen und Schüler, die in Zeiten des Distanzunterrichts für die Pädagogen nicht mehr erreichbar seien oder inzwischen große Wissenslücken hätten.

Die Kinder würden hängengelassen, betonte auch Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband. «Nicht weil wir es wollen, sondern weil wir es nicht anders schaffen.» Psychologie vor Pythagoras - diese Meinung vertrat auch Hans-Joachim Röthlein vom Landesverband bayerischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Beim Nachwuchs komme es immer häufiger zu Anpassungsstörungen, Schlaf- und Esstörungen, zu Resignation und Verbitterung.

Verband kritisiert sparsame Personalpolitik

«Wir haben die Schwierigkeit, dass uns jetzt die sehr sparsame Personalpolitik der letzten 20 Jahre auf die Füße fällt», betonte Hans Lohmüller vom Landesverband Sonderpädagogik. «Die jetzt verloren gegangenen Schüler müssen regelrecht wieder eingegliedert werden, und das wird sich mindestens auf das nächste Schuljahr erstrecken», sagte auch Henrike Paede vom bayerischen Elternverband. «Dafür brauchen wir mehr Personal an den Schulen!»

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Nötig sind nach Ansicht der Verbandsvertreter nicht nur mehr Lehrkräfte, sondern auch Psychologen, Schulsozialarbeiterinnen und Verwaltungskräfte. Bei den Schulleitungen sei angesichts der Fülle der Aufgaben in der Pandemie zudem eine sofortige Entlastung von der Unterrichtsverpflichtung nötig, sagte Robert Hackenberg vom bayerischen Schulleitungsverband.

Schüler: Sehr hoher Notendruck und zu wenig Brückenkurse

Die angehörten Schülervertreter legten dar, dass es entgegen der anderslautenden Einschätzung des Kultusministeriums sehr wohl einen hohen Notendruck auf die Schülerinnen und Schüler und viel zu wenige Brückenkurse für das Auffüllen von Wissenslücken gebe.

Diese wären aber ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein, blickte Dieter Brückner von der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der bayerischen Gymnasien in die Zukunft. «Da müssen wir über Stundentafeln nachdenken, über Schwerpunktsetzung, über das Aufweichen der Schuljahresgrenzen für Versetzungsentscheidungen.» Nötig sei mehr Flexibilität vor Ort.

Die Forderungen an das Kultusministerium

Vom Kultusministerium erwarteten die Verbände eine umfassende Teststrategie über die bislang vorgesehene einmalige Reihentestung hinaus. Die Lehrerverbände forderten zudem vorzeitige Impfmöglichkeiten für alle Lehrkräfte im Präsenzunterricht. Und mit Blick auf die oft kurzfristigen Vorgaben der Vergangenheit sagte Brückner stellvertretend für viele: «Wir wünschen uns, dass mit Verlässlichkeit und Weitsicht geplant wird.»

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