Slafa ist erst 15

Flüchtlingsmädchen aus Lindenberg schreibt berührendes Buch

Die 15-jährige Kurdin Slafa Kafi stammt aus dem Norden Syriens. Die Lindenberger Gymnasiastin hat einen Roman geschrieben.

Die 15-jährige Kurdin Slafa Kafi stammt aus dem Norden Syriens. Die Lindenberger Gymnasiastin hat einen Roman geschrieben.

Bild: Suhil Alsaloum

Die 15-jährige Kurdin Slafa Kafi stammt aus dem Norden Syriens. Die Lindenberger Gymnasiastin hat einen Roman geschrieben.

Bild: Suhil Alsaloum

Sie ist erst 15 Jahre alt - doch sie hat schon viel mitgemacht: Als sie zehn Jahre alt war, flohen die Eltern von Slafa Kafi aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelte Syrien ins Westallgäu. Hier sollten ihre Kinder endlich sicher zur Schule gehen können. Mit Erfolg: Die junge Syrerin spricht inzwischen flüssig Deutsch, lernt am Lindenberger Gymnasium auch Englisch, Französisch und Spanisch und hat jetzt sogar ein Buch veröffentlicht! Es handelt von Flucht, Todesängsten, Trauer und neuer Hoffnung...
11.04.2018 | Stand: 12:56 Uhr

Kaum vorstellbar, dass eine Jugendliche, die vor fünf Jahren die ersten Worte Deutsch lernte, sich schon jetzt flüssig in der neuen Sprache unterhalten kann. Doch Slafa Kafi macht nicht nur damit staunen: Die mit ihrer Familie 2012 aus dem kurdischen Teil Syriens nach Deutschland geflüchtete Slafa schaffte nach wenigen Monaten Schulunterricht in Lindau und Scheidegg die erforderlichen Prüfungen fürs Gymnasium, lernt inzwischen auch Englisch, Französisch und Spanisch - und hat jetzt ein Buch im Eigenverlag herausgebracht. „Zwei Sekunden“ heißt es und handelt von einer Familie auf der Flucht.

Ihre Muttersprache ist Kurdisch. In ihr unterhält sich Slafa mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Zana. Ein Buch zu schreiben schwebt ihr schon lange vor. „Die Flüchtlingswelle war dann der Antrieb, es wirklich zu tun“, sagt die 15-Jährige. „Ich fand es krass, wie manche Leute auf die Flüchtlinge reagiert haben.“ Slafa wollte die Menschen aufrütteln, sie zum Nachdenken bringen, ihnen erklären: „Es ist nicht, wie ihr euch das vorstellt. Die Leute kommen nicht grundlos hierher.“

Es ist nicht, wie ihr euch das vorstellt. Die Leute kommen nicht grundlos hierher.
Slafa Kafi (15)

Damit die Kinder sicher in die Schule gehen können

Slafas Eltern hatten vor allem ihre Kinder im Blick, als sie 2012 ihre vom Bürgerkrieg gebeutelte Heimat verließen. Sie teilten nicht die Hoffnung vieler anderer, dass sich die Situation verbessern würde. „Sie sind nur wegen uns Kindern geflohen, damit wir sicher sind und in die Schule gehen können“, ist Slafa überzeugt. Die Liebe von Eltern ist denn auch Hauptthema ihres Romans. „Ich wollte darstellen, was sie alles für ihre Kinder durchmachen.“

Slafa erzählt eine Familiengeschichte. Im Mittelpunkt steht das junge Paar Bulan und Amina mit ihrem neugeborenen Töchterlein Aninda. Amina entkommt einem Schlachtfeld, auf dem ihre Verwandten sterben, wird von ihrem Mann getrennt, rettet sich aus einem brennenden Haus, versteckt sich im Freien oder bei wildfremden Menschen, weiß nicht, wem sie trauen kann. Und schlägt sich immer weiter durch, ihr Baby auf dem Arm.

Einfühlsam beschreibt Slafa Kafi die Gefühle der jungen Mutter: ihre Todesangst, ihre Trauer, ihre Hoffnungen, die so oft enttäuscht werden, und den unbezwingbaren Überlebenswillen. Dabei sind der jungen Lindenbergerin solche Erfahrungen weitgehend erspart geblieben, weil ihr Vater mit seiner Familie früh und wohl vorbereitet gen Westen aufbrach. „Das Schlimmste für uns war es, die Heimat zu verlassen“, sagt Slafa.

Erzählungen aus den Flüchtlingslagern

Die im Roman geschilderten Situationen seien beim Schreiben in ihrem Kopf entstanden - die Gedanken gespeist von Erzählungen, die Slafa in Flüchtlingslagern hörte, und von Bildern, die sie im Fernsehen sah.

In der Geschichte, die in mehreren Zeitebenen angelegt ist, taucht der Buchtitel „Zwei Sekunden“ mehrmals auf: in dramatischen Situationen, die existenzielle Entscheidungen erfordern. Auch so hält die junge Autorin die Spannung in ihrer Erzählung. Ein Auge, eine Träne, eine knospende Pflanze zieren den Umschlag von Slafas Buch. Die Geschichte geht gut aus.

„Zwei Sekunden“ von Slafa Kafi ist im Internet erhältlich und liegt bald auch in der Buchhandlung Netzer in Lindenberg aus.