Startseite
Icon Pfeil nach unten
Bayern
Icon Pfeil nach unten

Habeck will Ausbau der Windkraft vorantreiben - auch in Bayern

Ausbau der Windkraft

Mammutaufgabe Windkraft: Habeck will Öko-Patriotismus auch in Bayern

    • |
    • |
    Klimaminister Robert Habeck (links) will den Ausbau der Windkraft vorantreiben - auch in Bayern.
    Klimaminister Robert Habeck (links) will den Ausbau der Windkraft vorantreiben - auch in Bayern. Foto: Tobias Hase, dpa

    Die Bundesregierung will es, die Umweltschützer wollen es, die Wirtschaft will es, sogar die Freien Wähler wollen es. Und irgendwie will auch Markus Söder den Ausbau der Windkraft in Bayern vorantreiben. Das größte Flächenland liegt bei der Windkraft nur auf Platz 8. Nach Auffassung von Bundesklimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) ist die umstrittene 10-H-Abstandsregelung eines der größten Hemmnisse für mehr Windmühlen zwischen Garmisch-Partenkirchen und Hof an der Saale.

    Habeck ist gegenwärtig auf Vorstellungstour quer durch die Republik. Die Station in München dürfte die wohl schwierigste gewesen sein. Die Lage habe keine großen Umschweife erlaubt, man sei sofort in medias res gegangen, sagte er. Die Wende hin zur Elektromobilität ist in vollem Gange, grüner Strom wird in Massen gebraucht. Zwar kamen 2021 bundesweit mehr neue Windenergieanlagen dazu - das Tempo aber reicht auch aus Sicht der Branche bei weitem nicht aus, um Klimaziele zu erreichen. Und, so konstatiert Habeck: In Bayern sei praktisch "alles zusammengebrochen", was den Ausbau der Windenergie angehe. Es gebe nicht einmal Anträge auf Neubauten.

    Habeck will auch Bayern mit ins Boot holen

    Habeck will nun die Länder - auch Bayern - mit ins Boot holen. Bei einem Besuch in München sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag, der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse bundesweit von einem "ökologischen Patriotismus" getrieben sein. Und: Er will nicht einfach per Bundesgesetzgebung dem selbstbewussten Freistaat mit seinem selbstbewussten Ministerpräsidenten sagen, was er zu tun habe, sondern setzt erst einmal auf Kooperation.

    Bis spätestens März wird Bayern nun Vorschläge machen, welche Ausnahmen von der 10-H-Regelung gemacht werden können, die zu einem Aufbau von Kapazitäten führen können. Anlagen im Staatswald erscheinen möglich, Ausnahmen beim Ersetzen alter Anlagen durch leistungsfähigere. Auf die Schnelle hält Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) Hunderte neuer Windräder für möglich, wenngleich auch er sagt: "Wir wollen maximalen Anwohnerschutz dort, wo Windkraftanlagen nicht hingehören."

    Der heftige Regen ließ die Stillach bei Oberstdorf anschwellen.
    Icon Galerie
    6 Bilder
    Klimawandel oder das Wetter? Diese Diskussion wird bei Dürre oder Hochwasser gleichermaßen geführt. So oder so ist auch das Allgäu von Extremen betroffen.

    Ein Weg, den Habeck unter Umständen mitgehen könnte. Man müsse bei der Windkraft den "Kreislauf nach unten" beenden, wo jedes Bundesland versuche, der "größte Verhinderer" zu sein, sagte Habeck. Dass Bayern bereit ist, einen Anfang zu machen, wenn auch in kleinen Schritten, sieht er eher als Erfolg denn als Niederlage.

    10-H-Regelung im Freistaat ist die bundesweit schärfste ihrer Art

    Die in Bayern geltende 10-H-Regelung, noch unter Ministerpräsident Horst Seehofer ersonnen, ist die bundesweit schärfste ihrer Art zum Abstand von Windrädern zu Wohnhäusern. Sie bedeutet, dass Windräder einen Abstand vom mindestens Zehnfachen ihrer Höhe zur Wohnbebauung haben müssen. Davon darf nur in absoluten Ausnahmefällen und mit Zustimmung der betroffenen Kommune abgewichen werden.

    Habeck sieht die 10-H-Regelung als Haupthindernis für den stotternden Ausbau der Windkraft in Bayern. Im vergangenen Jahr kamen im größten deutschen Flächenland nur magere acht Windenergieanlagen neu dazu. Große Windparks mit Dutzenden Rädern wie im Norden gibt es in Bayern ohnehin praktisch nicht.

    Auch wenn Söder - vor allem mit Rücksicht auf seine CSU-Landtagsfraktion - 10H keinesfalls vollends kippen will und die Vorgabe, zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft zur Verfügung zu stellen, für übertrieben hält: Habecks Expedition in die Windrad-Wüste Bayern kann der Grüne aber als ersten vorsichtigen Erfolg seiner Gesprächstour verbuchen.

    Aiwanger: Hunderte neue Windräder in Bayern möglich

    "Meilenweit" sei man vorangekommen, schwärmte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fast frenetisch nach seinem Treffen mit dem Grünen-Politiker. Auch Söder lobte die konstruktive Atmosphäre. Wenngleich die Spannung zwischen ihm und Habeck bei der gemeinsamen Pressekonferenz in der Staatskanzlei stellenweise zum Greifen war.

    Dass Söder, dem beim Thema Windkraft neben seiner skeptischen Landtagsfraktion auch zahlreiche Landräte im Nacken sitzen und der einer Landtagswahl im Herbst kommenden Jahres entgegenblickt, einen rasanten Kurswechsel vollzieht, war ohnehin nicht zu erwarten. Er verwies darauf, schon jetzt würden 53 Prozent des Stroms im Freistaat über erneuerbare Energien gewonnen, großteils aus Photovoltaik.

    Söder bereit, über Ausnahmen zu reden

    Zumindest zeigte er sich aber beweglich: "Wir sind bereit, über Ausnahmen zu reden", sagte Söder. Grundsätzlich sei denkbar, die 10-H-Regelung etwa im Staatswald aufzuweichen. Auch beim Ersatz alter Anlagen durch modernere und leistungsfähigere, dem sogenannten Repowering, könne man sich Ausnahmen vorstellen, führte Söder aus. "Ob das dann reicht, müssen wir sehen".

    Mit Blick auf die Stimmung in den Dörfern des Freistaats hat er einen Punkt: "Wind ist aus der Ferne wahnsinnig sympathisch, aus der Nähe manchmal ziemlich erdrückend", sagte Söder. Das trifft so ziemlich den Nerv vieler Bürgerinitiativen, vielerorts sind Windparks heftig umstritten. Beklagt werden etwa eine Natur- und Landschaftszerstörung sowie gesundheitliche Beschwerden. Dazu kommt ein bisher nur teilweise gelöster Konflikt zwischen Windkraft und Artenschutz.

    2021: 484 neue Windenergieanlagen in Deutschland

    Insgesamt wurden im vergangenen Jahr bundesweit 484 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 1925 Megawatt errichtet, wie der Bundesverband Windenergie sowie der Fachverband VDMA Power Systems am Donnerstag mitteilten. Weil auch alte Anlagen stillgelegt wurden, lag der Nettozubau bei 1692 Megawatt.

    Zwar gab es nach einem Einbruch 2019 im zweiten Jahr in Folge Zuwächse. "Der Zubau steigt, allerdings nur regional und insgesamt mit zu geringem Tempo", sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie. Der geringste Zubau, abgesehen von den Stadtstaaten, erfolgte in Bayern, dem Saarland und Sachsen.

    Albers: Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen müssen mehr beitragen

    Albers forderte vor allem Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen auf, deutlich mehr für den Ausbau zu tun. Die drei Länder hätten 2021 gemeinsam nur 7,4 Prozent zum Ausbau beigetragen. FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler warf der CSU "Verhinderungspolitik" vor. Der "rückwärtsgewandte bayerische Sonderweg" müsse ein Ende haben.

    Derzeit gibt es nach Branchenangaben rund 28.000 Windenergieanlagen in Deutschland. Mit Spannung wird nun das "Osterpaket" Habecks erwartet, mit konkreten Maßnahmen für mehr Tempo beim Ausbau. Es wird aber dauern, bis diese wirken. Die Branche rechnet damit erst 2023.

    Lesen Sie auch: Bayern soll bis März Vorschläge für Ausnahmen bei Windkraft vorlegen

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden