Bis die Nadel glüht

Memminger planen Strick-Rekord: Kannst Du ihnen helfen?

Stricken bis die Nadel glüht: Am Samstag geht's in Memmingen rund.

Stricken bis die Nadel glüht: Am Samstag geht's in Memmingen rund.

Bild: Archiv

Stricken bis die Nadel glüht: Am Samstag geht's in Memmingen rund.

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Ein Strickrekord soll am Samstag in Memmingen aufgestellt werden. Wie Du die ungewöhnliche Aktion unterstützen kannst, erfährst Du hier.
07.06.2018 | Stand: 11:10 Uhr

Gemeinsames Stricken am Stück ist der rote Faden bei einem Rekordversuch am kommenden Samstag, 9. Juni, in Memmingen. "Dazu braucht es nichts weiter als Nadeln und Wolle, einen Stuhl und die gute Laune von vielen engagierten Strickerinnen oder Strickern, die sich eine halbe Stunde Zeit nehmen", sagt Organisatorin Anja Großmann aus Wolfertschwenden. Ab 11 Uhr treffen sich alle Handarbeitswilligen aus nah und fern am Theaterplatz. Um 13.30 Uhr beginnt der Rekordversuch, bei dem alle Teilnehmer gezählt werden, die 30 Minuten konzentriert an einem Strickstück arbeiten.

Aktion wird gefilmt

Um den Rekord ordnungsgemäß zu dokumentieren, werden Schiedsrichter dabei sein. Zudem wird alles gefilmt und an das deutsche Rekordinstitut gesendet. "Wir hoffen, auf eine dreistellige Zahl an Teilnehmern, die sich an dem ersten deutschlandweiten Rekordversuch dieser Art beteiligen", sagt Großmann. Der 9. Juni ist im Übrigen auch der weltweite Tag des öffentlichen Strickens.

Großmann hat 2015 einen offenen Treffpunkt für Handarbeitsbegeisterte aus Memmingen und dem Umland ins Leben gerufen Im Bauernhofmuseum in Illerbeuren treffen sich seither jeden Monat 15 bis 20 Frauen zwischen 30 und 70 Jahren in der "Kunkelstube" zum Handarbeiten.

Blick ins Mittelalter

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Der Kunkel ist ein stabförmiges Gerät zum Spinnen von Garnen. In der dazugehörigen Stube trafen sich früher Frauen zum gemeinsamen Arbeiten am Spinnrad und zum Austausch von Neuigkeiten. "Das ist auch heute noch so, wobei sich die Nachrichten nicht wie damals um den Heiratsmarkt drehen, sondern um die neuesten Handarbeitsprojekte", erzählt Großmann und schmunzelt dabei. Daraus entstand vermutlich auch das Wort "Gekunkel", das frei mit Geheimniskrämerei oder Heimlichtuerei übersetzt werden kann. Im Mittelalter sprach man auch von Kunkellehen, was sich auf das Erbteil der Frau bezog.

Der Treffpunkt im Bauernhofmuseum ist passend, weil sich die Gruppe alten und fast vergessenen Handwerkskünsten zuwendet. Dazu gehören neben dem Stricken und Häkeln auch das Brettchenweben, das Klöppeln und die Technik des Schiffchenwebens, dem Occhi. Dabei lassen sich die Frauen aus der Kunkelstube auch von interessierten Besuchern des Museums über die Schultern schauen. Besondere Aufmerksamkeit wird den Kunklerinnen zuteil, wenn sie sich ans Spinnrad setzen.

"Ab und an hören wir da von Männern ach so witzige Kommentare nach dem Motto:,Schau, die Weiber spinnat wieder’", erzählt die Organisatorin. Die Frauen nehmen das allerdings mit Humor, denn spätestens, wenn die Herren dann einen selbst gemachten Pullover, Socken oder eine warme Mütze bekommen, wissen sie die Qualität des "Spinnens" zu schätzen. Die versponnene Wolle stammt dabei nicht nur von Schafen. Zu Garn verarbeitet wird ebenfalls die Wolle von Alpakas, Merinokaninchen oder das Unterfell von langhaarigen Hunderassen.

Mobile "Kunkelstube"

Wenn die Saison im Herbst im Bauernhofmuseum endet, wird die Kunkelstube mobil. Die Treffen finden dann in Seniorenheimen statt. Von den Bewohnern erfahren die Handarbeiterinnen manchmal, wie es früher auf Bauernhöfen zuging, als man notwendigerweise selbst Dinge für das alltägliche Leben herstellen musste. Mittlerweile geht die Kunkelstube bereits in die vierte Saison.

Als Glanzpunkt im Jahreskreis organisiert Großmann für bis zu 40 Teilnehmer ein ganzes Kunkelwochenende, bei dem einige Frauen ihre Lieblingsbeschäftigung vorstellen und Tipps geben. Neben dem Wochenende lassen die Strickerinnen die Nadeln jetzt zum Rekordversuch glühen und hoffen auf das Mitmachen weiterer Nadelspielerinnen und Nadelspieler, die in Memmingen möglicherweise das größte deutsche Stricktreffen auf die Beine stellen.

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