Wer sich in den vergangenen Wochen über das Wetter beklagt hat, kann sich bestätigt fühlen: Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilt, war der Juli ungewöhnlich regenreich. Die Temperaturen hingegen lagen durchschnittlich sogar über dem Mittelwert der vergangenen Jahrzehnte. Regionen, die noch zuletzt unter extremer Trockenheit gelitten hatten, konnten sich so zwar etwas erholen, langfristig ist jedoch davon auszugehen, dass das Dürreproblem bestehen bleibt. Und für einige Bäuerinnen und Bauern kam der vorher ersehnte Regen zum ungünstigsten Zeitpunkt.
Wie der Bayerische Bauernverband auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, sind Weizen, Raps und andere Getreidesorten stellenweise „überreif“, müssten also dringend geerntet werden. Aufgrund der anhaltenden Nässe können die Mähdrescher allerdings nicht fahren. Auch Pilze, die die Qualität der Ernte beeinträchtigen können, breiteten sich durch das nasse Wetter stärker aus. „Viele Landwirtinnen und Landwirte blicken deshalb mit Sorge auf die kommenden Tage“, sagt Sprecherin Johanna Batjargal vom Bauernverband.
Trotz Regen stellen Bauern in Bayern sich auf schwaches Jahr ein
Bayerns Landwirtschaft erwartet „insgesamt unterdurchschnittliche“ Erträge, wie Batjargal mitteilt. Doch in einigen Betrieben waren die anhaltenden Regenfälle im Juli gerade zu sehnsüchtig erwartet worden: Für die Kartoffel- und Maisernte beispielsweise seien die derzeitigen Niederschläge „dringend notwendig“, sagt Batjargal.
Der Dauerregen, zumindest in Südbayern, soll im Übrigen in den kommenden Tagen aufhören. Hochwassergefahr wie im vergangenen Jahr droht deshalb allenfalls punktuell, der nasse Juli ist ohne größere Schäden zu Ende gegangen. Vereinzelt, etwa an der Isar in München, wurden zwar die Ufer überspült. Aber: „Erhöhte Wasserstände werden unbeeinflusst ablaufen“, teilt ein Sprecher des Landesamts für Umwelt auf Anfrage unserer Redaktion mit. Lokale Überschwemmungen etwa durch kleinflächige Unwetterzellen können indes nicht ausgeschlossen werden.
Grundwasserspiegel in Bayern nach Dauerregen leicht erholt, aber weiter oft niedrig
Dazu beigetragen, dass die Grundwasserstände sich nachhaltig erholen können, hat die Regenphase indes nicht. Zwar ist der Grundwasserspiegel an vielen Stellen zuletzt gestiegen, dennoch bleibt er an fast 40 Prozent der Messstellen auf einem niedrigen Stand, wie das Landesamt berichtet. Und die Zahl könne sich bald wieder nach oben entwickeln: „Sollte sich erneut eine anhaltend trockene Witterung einstellen, wird sich die Niedrigwassersituation wieder verschärfen“, heißt es.


Wie eine Übersichtskarte des Deutschen Wetterdienstes zeigt, sind aber zumindest die oberen Bodenschichten in vielen Regionen Bayerns inzwischen enorm durchnässt. Noch vor einem Monat waren sie überwiegend ausgetrocknet gewesen. In einer Tiefe von zwei Metern ist das Bild allerdings weitgehend unverändert, in Teilen Mittelfrankens sind diese Bodenschichten heute sogar noch trockener als Anfang Juli.
Insgesamt sei der Regen nach dem extrem trockenen Frühsommer „ein Segen“, sagt Christine Margraf, Artenschutzexpertin des Bund Naturschutz in Bayern. „Wir sehen, wie sich beispielsweise Bäume bereits erholt haben.“ Grundsätzlich sei der Regen für Flora und Fauna gut. „Tiere profitieren, weil Gewässerpegel wieder ansteigen oder ausgetrocknete Gewässer wieder Wasser führen“, sagt Margraf. Zwar könnten zu starke Regenfälle auch zu Problemen für die Tier- und Pflanzenwelt führen – etwa „bei Starkregenereignissen mit Überschwemmungen und Hagel“. Den verregneten Juli hält die Experten allerdings für unproblematisch.
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