Corona-Pandemie

PCR-Tests statt Schnelltests: Bayern plant neue Strategie für Schulen

Masken und Tests sollen für einen reibungslosen Schulbetrieb sorgen.

Masken und Tests sollen für einen reibungslosen Schulbetrieb sorgen.

Bild: Jens Büttner, dpa

Masken und Tests sollen für einen reibungslosen Schulbetrieb sorgen.

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Die PCR-Tests sind tausendfach sensibler als Schnelltests. Das Verfahren soll mehr Sicherheit an Bayerns Schulen bringen. Doch es gibt ein Zeitproblem.
18.08.2021 | Stand: 20:58 Uhr

In Grund- und Förderschulen soll es ab dem kommenden Schuljahr ein neues Corona-Testkonzept geben, das für Kinder angenehmer ist. Doch bei Fragen nach der Umsetzung warten die Kommunen auf Antworten. So ist zum Beispiel offen, wann die sogenannten PCR-Pooltests (also Sammel-Proben mehrerer Kinder) flächendeckend an den Start gehen – und ob die Vorlaufzeit genügt, damit Kommunen alles vorbereiten können. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte im Juli betont, dass es ab Herbst „als Standardverfahren“ die besonders sensiblen Tests geben solle. Auf eine Anfrage der Grünen hin erläuterte das Gesundheitsministerium dann Anfang August, dass die flächendeckende Einführung auch von den Laborkapazitäten und damit vom Pandemiegeschehen im Herbst abhänge. Mehr zur Corona-Pandemie auch im Newsblog der Allgäuer Zeitung.

Corona-Krise an Bayerns Schulen: Schnelltests erkennen nicht alle Infektionen

Michael Hubmann, stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands der Kinder- und Jugendärzte, erwartet von der Politik einen Start zum Schulbeginn. „Meinen Informationen zufolge soll der Projektstart am 14. September sein“, sagt der Mediziner. Das sei entscheidend. Würden im Herbst wie bisher zunächst nur Antigentests durchgeführt, hätte man „eine hohe Wahrscheinlichkeit, Infizierte zu übersehen“. Die Schnelltests nämlich erkennen vier von zehn symptomfreien Infektionen nicht.

Kritik gibt es an der Organisation des neuen Testkonzepts. Denn die Kommunen, die den Transport der Proben organisieren, warten bislang noch auf Anweisungen. Augsburgs Bildungsreferentin Martina Wild (Grüne) betont: „Wir brauchen praxisnahe und schnellere Regelungen mit gleichzeitig guter Vorlaufzeit, um uns auf den Schulstart vorbereiten zu können.“

Aktuell gehe sie davon aus, „dass wir kurz vor dem Schulstart den neuen Rahmenhygieneplan bekommen. Das ist für alle Beteiligten zu knapp.“ Gerade für die Teststrategie mit den PCR-Pooltests könnte man jetzt schon alles vorbereiten. Auch Markus Pannermayr (CSU), Vorsitzender des Städtetags, betont: „Die Planung wäre sicher komfortabler gewesen, wenn früher damit begonnen worden wäre, eine Lösung für die Durchführung der Pooltests zu finden.“ Wenn der Freistaat aber seinen Teil erledige und die Gesamtlogistik passe, „dann kriegen wir unseren Teil, den Transport, bis zum Schulstart auch hin“.

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Zusammen mit der UnternehmensberatungBostonConsulting hat das Gesundheitsministerium eine erste Liste erstellt, auf der Grund- und Förderschulen 13 privaten Labors zugeordnet wurden. Das Test-Material besorgt der Freistaat. Nach Auskunft des Laborärzteverbands machen die flächendeckenden Pool-Tests an den Schulen rund ein Drittel der Gesamtlaborkapazität aus.

Mediziner Hubmann nennt die Logistik eine Herausforderung. „In Bayern gibt es rund 498.000 Kinder in 2700 Grund- und Förderschulen. Das ist die Dimension einer Großstadt.“ Dass die Ergebnisse der Massentests und eventueller Einzeltestungen innerhalb eines Tages ausgewertet werden können, sei „ambitioniert“. Laut der Liste, die unserer Redaktion vorliegt, werden etwa Proben aus Dillingen und Landsberg nach Augsburg transportiert und die Augsburger Schulen in München und Karlsfeld getestet.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert, die sichereren Tests an allen Schularten einzuführen. „Ich kann nicht verstehen, dass das vor dem Hintergrund der erwarteten vierten Welle nicht passiert“, sagt die Vorsitzende Martina Borgendale.