Tiny Houses

Wohnen auf 20 Quadratmetern: Dieser Allgäuer baut Mini-Häuser

Thomas Richter hat sich mit "Tiny House Allgäu" selbstständig gemacht.

Thomas Richter hat sich mit "Tiny House Allgäu" selbstständig gemacht.

Bild: privat, Tobias Schuhwerk

Thomas Richter hat sich mit "Tiny House Allgäu" selbstständig gemacht.

Bild: privat, Tobias Schuhwerk

Thomas Richter (37) aus Kempten baut bezugsfertige Mini-Häuser ab 68.000 Euro. Mit seinen "Tiny Houses" stößt er auf große Resonanz.

03.07.2020 | Stand: 11:44 Uhr

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von allgaeu.life. Er erschien zuerst im September 2019. 

 

Das kleine Glück. Hier ist es zuhause. Davon ist Thomas Richter überzeugt. Der 37-jährige Konstruktionsmechaniker dreht den Schlüssel. Et voilà! Wir stehen im wohl ersten Tiny House in unserer Region.

2015 hat Richter mit dem Bau seines ersten Mini-Häuschens begonnen. Die Anregung kam von seiner Ehefrau Eva. Sie hatte im Internet Fotos von Tiny Houses gesehen und stellte ihren tüftlerisch begabten Gatten auf die Probe: "Kannst Du das auch?"

Flauschig: die Sitzecke im Wohnraum.
Flauschig: die Sitzecke im Wohnraum.
Bild: privat

Er konnte. Und wie! Zwei Jahre lang schuftete Thomas Richter in seiner Freizeit mit viel Herzblut und Liebe zum Detail an seinem Tiny House. Lediglich den Rahmen kaufte er zu. Alles andere: Eigenarbeit. Heraus kam ein Mini-Haus mit Maxi-Nutzung jedes Zentimeters. Das Zuhause auf Rädern beinhaltet Wohnraum, Bad und Küche, über die er als Schlafplatz eine Liegewiese baute. Zwölf Fenster und einige optische Finessen sorgen dafür, dass das Häuschen auf den Besucher größer wirkt als es ist.

Beim Bau ließ sich Richter von vielen Bekannten und Freunden aus unterschiedlichen Bereichen beraten und inspirieren. "Wenn was nicht so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe, dann hab ich es wieder rausgerissen und von Neuem angefangen. Da bin ich ehrgeizig", erzählt der Allgäuer "Mächler" schmunzelnd. Die Arbeit zahlte sich aus. Seine Ehefrau war begeistert. Und bald noch viel mehr Menschen. 

Die überraschende Wende kam, als sie 2017 ein Bekannter einlud, das Häuschen doch auf beim Kohler-Festival des gleichnamigen Möbelhauses in Erolzheim (Landkreis Biberach) vorzustellen.

Infos zum Tiny House Allgäu:
Die Grundflächen der Mini-Häuser reichen von 18 bis 25 Quadratmetern; die Decken sind um die 3,2 Meter hoch. 
In der kleinen Ausführung können Besitzer ihr Häuschen auf ein Fahrgestell montieren und selbst transportieren (bis 3,5 Tonnen). Für schwere Modelle sind spezielle Trailer oder Tieflader erforderlich.
Um Gewicht zu sparen, sind die Außenwände und Fenster der in Ständerbauweise konstruierten Mini-Häuser aus Kunststoff; alternativ ist aber auhc eine Holz- oder Blechfassade möglich.  Innen wird teilsweise Schichtholz verbaut.
Gedämmt wird u.a. mit Glas- oder Steinwolle oder Jute; geheizt mit Gas oder elektrisch.  

"Wir konnten es kaum glauben, wie groß der Andrang in unserem Häuschen war", erinnern sich die beiden. Schon bald kamen die ersten Anfragen. Seit diesem Jahr haben die Richters im Gewerbegebiet Betzigau eine 220 Quadratmeter große Produktionsstätte auf dem Gelände der Firma tronikDsign gemietet.

Richter gefällt das Prinzip des "Downsizings"; die Reduktion auf das Wesentliche. "Es braucht nicht viel zum Wohlfühlen, sondern Gutes", lautet sein Motto.

In wenigen Tagen beginnen sie den Bau des insgesamt sechsten Tiny Houses. Zwei bis vier Monate beträgt die Produktionszeit. "Wir planen und fertigen die Häuser ganz individuell nach den Wünschen der Kunden. Genau das macht Reiz aus. Nur Standard-Ware, das wäre nichts für mich", sagt Richter. Ein Tiny House kann beispielsweise an eine Hütte erinnern oder an ein schlankes Wohnhaus. Derzeit entwickelt er für eine Kundin ein Häuschen, das als Gastronomie genutzt werden soll. 

So sieht's im Badezimmer aus.
So sieht's im Badezimmer aus.
Bild: privat

Vom Single über den Wochenpendler bis zum älteren Ehepaar, das kein großes Haus mehr umtreiben will: Die Liste der potenziellen Kunden ist lang. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass Tiny Houses - bei den hohen Mietpreisen in der Stadt - zum Beispiel auch für Studenten in Kempten interessant sein könnten", sagt Richter. 

Leben in einem kompakten Gebäude ist für die einen romantisch, für andere praktisch und günstig. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle: "Immer mehr Menschen wollen ihren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich halten. Ein Tiny House spart Heizkosten. Zudem wird bei der Herstellung nur wenig CO2 verursacht - und keine Fläche versiegelt", sagt Richter.

Anders als in manch anderen Ländern ist das "Wohnen im Kleinformat" allerdings nicht ganz so leicht umsetzbar. Einfach sein Häuschen am Waldrand abstellen - das geht in Deutschland nicht! Denn es gelten weitgehend dieselben gesetzlichen Bestimmungen wie für andere Formen des "dauerhaften Wohnens". So müssen Baugrund und Baugenehmigung vorliegen. Die Richters empfehlen, sich mit den jeweiligen Behörden vor Ort abzustimmen und diese frühzeitig einzubeziehen (einen Leitfaden findest Du hier). 

Obwohl die Richters vom Tiny House schwärmen; für die Familie kommt es derzeit nur als Muster-Haus infrage: "Für ein Eheepaar mit zwei Kindern ist es dann doch ein bisschen zu klein..."