Statt Skischaukel

Ranger für die Natur, Konzept für die Besucher:  So geht's am neuen Zentrum Naturerlebnis weiter

Sonnenuntergang auf dem Riedberger Horn

Sonnenuntergang auf dem Riedberger Horn: Die Schönheit und Vielfalt der Allgäuer Flora und Fauna zu erhalten, ist eines der Ziele des Zentrums Naturerlebnis Alpin (ZNAlp) mit Sitz in Obermaiselstein.

Bild: Mathias Wild

Sonnenuntergang auf dem Riedberger Horn: Die Schönheit und Vielfalt der Allgäuer Flora und Fauna zu erhalten, ist eines der Ziele des Zentrums Naturerlebnis Alpin (ZNAlp) mit Sitz in Obermaiselstein.

Bild: Mathias Wild

Statt einer Skischaukel am Riedberger Horn soll im südlichen Oberallgäu der nachhaltige Tourismus gefördert werden. Ranger kümmern sich um Flora und Fauna. Besucherströme werden gelenkt. Dafür sollen die Verantwortlichen am neuen "Zentrum Naturerlebnis Alpin" beiträgen. Was sie sich versprechen und wie Natur und Tiere davon profitieren sollen.  
05.02.2020 | Stand: 16:23 Uhr

Der Name klingt etwas hölzern, die Abkürzung nicht minder: Zentrum Naturerlebnis Alpin (ZNAlp). Als Ausgleich für die umstrittene und schließlich nicht mehr weiterverfolgte Skischaukel am Riedberger Horn zwischen Grasgehren und Balderschwang (Oberallgäu) hatte Ministerpräsident Markus Söder im April 2018 angekündigt, 20 Millionen Euro für die Stärkung eines naturverträglichen Tourismus im südlichen Oberallgäu bereitzustellen. Die Einrichtung soll besondere Erlebnisse im alpinen Naturraum bieten und dazu beitragen, diesen zu schützen – etwa durch eine Besucherlenkung.

Steinböcke an der Mindelheimer Hütte.
Steinböcke an der Mindelheimer Hütte.
Bild: Michael Munkler

Ethelbert Babl, 53, war bisher am Kemptener Amt für Landwirtschaft für die Koordination des europäischen Leader-Programms im Allgäu zuständig. Jetzt ist er zum ZNAlp gewechselt. Zunächst an zwei Tagen wöchentlich, bald aber schon ganztags. Am Zentrum Naturerlebnis sind jetzt zwei Ranger-Stellen besetzt, im Laufe des Jahres soll ein weiterer eingestellt werden.

Henning Werth, einer der profiliertesten Wildbiologen im Alpenraum, wird demnächst im ZNAlp für den Naturschutz zuständig sein. Bisher war der Sonthofer Gebietsbetreuer im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Gesucht werden noch zwei Fachleute für den Bereich nachhaltiger Tourismus und das Themenfeld der Landnutzung. Dabei geht es um das weite Themenfeld Artenvielfalt und Landbewirtschaftung.

Raumkonzept soll festlegen, wo welche Nutzungen stattfinden  

Wichtig sei es, ein „Raumkonzept“ für das südliche Oberallgäu zu erarbeiten, sagte Babl im Gespräch mit unserer Zeitung: Man sollte „festlegen, wo welche Nutzungen stattfinden“. Dabei gehe es beispielsweise auch um Wald-Wild-Schongebiete oder die Freizeitnutzung. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt nicht nur im Raum Obermaiselstein/Balderschwang, sondern im gesamten südlichen Oberallgäu. So sind beispielsweise in Bad Hindelang und Oberstdorf ab kommendem Sommer Ranger-Führungen für Einheimische und Urlauber geplant. Die Menschen sollen so für die Tier- und Pflanzenwelt sensibilisiert werden.

 Auch der Steinadler fühlt sich im Oberallgäu heimisch.
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Bild: Hermann Ernst

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Eine enge Zusammenarbeit und ein Austausch zwischen ZNAlp und dem Naturpark Nagelfluhkette sei geplant, bestätigt dessen Geschäftsführer Rolf Eberhardt. Untergebracht ist das Zentrum Naturerlebnis bis auf Weiteres in früher von der Raiffeisenbank genutzten Räumen in Obermaiselstein. Ein Neubau sei geplant, sagt Babl.

Für die Einrichtung eines größeres Besucher-Infozentrums sei für dieses Jahr eine Machbarkeitsstudie vorgesehen. Im Gespräch war ein solches Zentrum schon einmal in der Nähe des Riedbergpasses. Diese Einrichtung dürfe aber nicht dazu führen, dass der Individualverkehr über die höchstgelegene Passstraße im Allgäu noch zunimmt, gibt Babl zu bedenken. Deshalb sei dieser Standort für ein Besucherzentrum nur dann sinnvoll, wenn der Öffentliche Personennahverkehr über den Pass deutlich verbessert werde.

Das ZNAlp solle „als Leuchtturm Impulsgeber für innovative Umweltbildungs- und Naturerlebnisangebote sowie Kompetenzstelle für die Herausforderungen des Alpenschutzes sein“, sagt ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums. Themen sollten dort „modellhaft entwickelt und an andere interessierte Regionen weitergegeben werden“.

Ob nicht doch ein griffigerer Name für die Einrichtung sinnvoll wäre? Schließlich besteht auch noch eine Verwechslungsgefahr mit dem Naturerlebniszentrum des Bundes Naturschutz im Oberallgäu. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen heißt es, auch im Umweltministerium sei der richtige Name ein Thema.