Ernährung in Corona-Zeiten

Übergewicht, Essstörungen: Die Corona-Pandemie fördert ungesunde Ernährung

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf - und das macht sich auch bei der Ernährung bemerkbar: Unter anderem wird mehr Süßes gegessen.

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf - und das macht sich auch bei der Ernährung bemerkbar: Unter anderem wird mehr Süßes gegessen.

Bild: Uwe Anspach, dpa (Symbolbild)

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf - und das macht sich auch bei der Ernährung bemerkbar: Unter anderem wird mehr Süßes gegessen.

Bild: Uwe Anspach, dpa (Symbolbild)

Im Lockdown schaffen es nicht alle, sich gesund zu ernähren. Vor allem bei Kindern könnten die Corona-Pfunde langfristige Folgen haben.
Die Corona-Pandemie stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf - und das macht sich auch bei der Ernährung bemerkbar: Unter anderem wird mehr Süßes gegessen.
dpa
01.03.2021 | Stand: 07:39 Uhr

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf - und das macht sich auch bei der Ernährung bemerkbar: Chips und Limo statt ein warmes Mittagessen in der Schule, regelmäßig Nudeln mit Pesto aus dem Glas, weil neben der Kinderbetreuung wenig Zeit bleibt, aber auch mehr Obst, Gemüse und frisch Gekochtes statt Currywurst und Pommes in der Kantine. "Bei der Ernährung gibt es gerade Licht und Schatten", sagt Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Ungesunde Ernährung: Wissen fehlt oft, wie man gesund lebt

Leidtragende könnten vor allem Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsstand sein. "Es zeigt sich, dass die Schere weiter auseinander geht", sagt Donalies. Gut gestellte Familien legten auch im Lockdown großen Wert auf eine ausgewogene Ernährung. In Familien mit eher niedrigem Bildungsstand und geringerem Einkommen fehle dagegen oft das Wissen, wie man sich gesund ernähre. Für viele der Kinder aus diesem Familien sei das Essen in den Kitas und Schulen deshalb besonders wichtig. "Es gibt Kinder, die bekommen in der Schule oder Kita die einzige ausgewogene Mahlzeit am Tag", sagt Donalies.

Ihr Risiko, in der Corona-Krise zuzunehmen, ist nach einer Studie von Münchner Ernährungsmedizinern und Ernährungsmedizinerinnen größer. Nach der repräsentativen Umfrage unter rund 1000 Familien hatten gut ein Viertel aller Eltern und neun Prozent der unter 14-Jährigen im Laufe der Pandemie an Gewicht zugelegt. Bei den über 10-Jährigen aus Familien mit niedrigem Schulabschluss waren es sogar 23 Prozent, wie die Experten in der im Fachjournal "Annals of Nutrition and Metabolism" veröffentlichten Untersuchung schreiben.

TU München: Kinder essen während der Corona-Pandemie mehr Süßigkeiten

"Die Kinder hocken mehr zu Hause rum. Sie bewegen sich zum Teil weniger und snacken mehr", erläutert Autor Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München. So aß ein Teil der Kinder in den befragten Familien zwar mehr Obst und Gemüse als vor der Pandemie. Etwa ein Fünftel aller Kinder griff aber auch öfter zu Schokolade, Chips und Limo. Vor allem Kinder über 10 Jahren langten bei süßen und salzigen Snacks häufiger zu.

Ein Chipsregal im Supermarkt.
Ein Chipsregal im Supermarkt.
Bild: Jair Cabrera, dpa

Dass viele Kinder seit Beginn der Corona-Pandemie ungesünder leben, ergab auch eine bundesweite Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zur seelischen Gesundheit und dem Wohlbefinden von 7- bis 17-Jährigen. Dafür befragte das Forscherteam von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021 mehr als 1000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1600 Eltern. Danach ernährten sich viele Kinder und Jugendliche ungesund mit vielen Süßigkeiten, zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie trieben überhaupt keinen Sport mehr.

Laut Studie bleiben 80 Prozent der fettleibigen Jugendlichen auch später adipös

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Der Ernährungsmediziner Hauner befürchtet deshalb, dass die Corona-Krise das Problem mit krankhaftem Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen verschärfen könnte - mit möglicherweise langfristigen Folgen. "Studien zeigen: Etwa 80 Prozent der adipösen Jugendlichen bleiben im späteren Erwachsenenalter adipös", sagt Donalies. Und diese haben dann ein höheres Risiko für Diabetes, Bluthochdruck oder Herzkreislauferkrankungen (In welchen Berufen am meisten Alkohol getrunken wird, erfahren Sie hier).

Wie wichtig richtige Ernährung ist, darauf macht jährlich am 7. März der "Tag der gesunden Ernährung" aufmerksam. Der Verband für Ernährung und Diätetik veranstaltet diesen bereits zum 24. Mal. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Diabetes mellitus, den Ursachen für die Erkrankung und der richtigen Ernährungstherapie. Wegen der Corona-Pandemie wird es allerdings keinen Aktionstag geben. Dieser könnte aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, heißt es auf der Homepage.

Gemüse ist gesund - aber nicht immer erste Wahl beim Essen.
Gemüse ist gesund - aber nicht immer erste Wahl beim Essen.
Bild: Christin Klose, dpa

Klinik Nürnberg: Mehr Patienten mit Essstörungen auf Kinderstation

Das Klinikum Nürnberg bekommt zurzeit noch eine andere Folge der Corona-Pandemie zu spüren. Auf der psychosomatischen Kinderstation behandeln die Fachleute seit Ende des ersten Lockdowns deutlich mehr Kinder und Jugendliche mit Essstörungen. "Es sind etwa doppelt so viele wie sonst", sagt Chefarzt Patrick Nonell. "Die Magersucht sticht dabei besonders hervor."

Mehr Stress in den Familien, weniger soziale Kontakte, der Wegfall von festen Tagesstrukturen und dadurch auch von festen Mahlzeiten - all das seien Risikofaktoren, die Essstörungen begünstigen können. Gerade Mädchen, die an Magersucht erkrankten, könnten Stress oft nicht so gut verarbeiten, sagt Nonell.

Kontrollverlust in der Corona-Pandemie führt zu mehr Gewichtskontrolle

Sie litten besonders stark unter der Verunsicherung und dem Kontrollverlust in der Pandemie. Dieses versuchten sie auszugleichen, indem sie ihr Gewicht noch stärker kontrollierten. "Dadurch haben sie das Gefühl, wenigstens das selbst in der Hand zu haben", erläutert Nonell.

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