Ausrufung der Republik, Reichspogromnacht, Mauerfall

"Schickalsstag der Deutschen": Das ist alles am 9. November passiert

Nur ein historisches Ereignis, das auf einen 9. November fällt: der Mauerfall 1989.

Nur ein historisches Ereignis, das auf einen 9. November fällt: der Mauerfall 1989.

Bild: DB dpa

Nur ein historisches Ereignis, das auf einen 9. November fällt: der Mauerfall 1989.

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Der 9. November - ein Tag, an dem mehrere bedeutende Ereignisse der Geschichte stattfanden. Umbrüche, viel Negatives - aber auch positive Entwicklungen.
07.11.2020 | Stand: 13:23 Uhr

9. November - ja, da war irgendetwas. Manch einer hat vielleicht noch ein paar Geschichtsstunden im Hinterkopf, andere haben zumindest einen schicksalsträchtigen 9. November miterlebt. Doch was ist an dem Datum so besonders? Ganz einfach: An diesem Tag gab es in verschiedenen Jahren historisch relevante Ereignisse. Ein Überblick:

  • Vom Kaiserreich zur Republik: Der 9. November 1918 brachte einen großen Umbruch in Deutschland. Wer sich noch dunkel an den Geschichtsunterricht erinnert, der weiß vielleicht: 1918 war das Ende des Ersten Weltkriegs, den Deutschland verlor. Schon als sich die Niederlage abzeichnete, gab es Revolutionsbewegungen, die sogenannte Novemberrevolution, und Rufe nach einer Abdankung des Kaisers. Das verkündete Reichskanzler Prinz Maximilan von Baden an diesem 9. November dann auch eigenmächtig. Kurz darauf rief der stellvertretende SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann die deutsche Republik aus. Ende des Kaiserreichs. Wer sich nun wundert, ob diese Ausrufung der Republik nicht etwas mit Karl Liebknecht zu tun hatte, liegt auch richtig. Liebknecht rief die "freie sozialistische Republik Deutschland" aus - nur eben zwei Stunden später als Scheidemann. Zwei Tage später, am 11. November, endete dann auch offiziell der Erste Weltkrieg.
  • Nach den turbulenten Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts folgten die - vermeintlichen - "Goldenen Zwanziger". Dass es schon damals unter der güldenen Fassade des wirtschaftlichen Wachstums und des Tanz-Trends Charleston brodelte, zeigt der 9. November 1923. Adolf Hitler war bereits Chef der NSDAP und plante, die Regierung in Berlin abzusägen. Der Plan: ein Putsch in München. Mit General Erich Ludendorff und weiteren Unterstützern marschierte Hitler an diesem Morgen vor die Feldherrenhalle in München. Doch die Polizei stoppte den Putsch und Hitler wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, die er nicht unweit des Allgäus in Landsberg absaß - allerdings nur neun Monate.
  • Auch beim nächsten schicksalsträchtigen 9. November spielt Hitler eine Schlüsselrolle: Im Jahr 1938 veranlassten die Nationalsozialisten, die mittlerweile an der Macht waren, die sogenannte Reichspogromnacht. Jüdisch Geschäfte wurden zerstört, geplündert, Synagogen in Brand gesetzt - auch im Allgäu. Die Synagoge in Memmingen wurde damals abgerissen. Da während der Nacht viele Fensterscheiben eingeschlagen wurden, nannte man das Ereignis auch Reichskristallnacht - ein Begriff, der vielen Geschichtswissenschaftlern heute allerdings zu vage ist und das Geschehen nicht eindeutig benennt.
  • Zumindest der letzte historisch spannende 9. November ist positiver: Nach Montagsdemonstrationen in Leipzig und langem Druck durch DDR-Ausreisende hatte das SED-Regime in der DDR kaum noch Macht. Am 9.November 1989 kam die überraschende Nachricht: Eine neue Reiseregelung für DDR-Bürger gilt "ab sofort", wie Günter Schabowski, Mitglied des DDR-Politbüros, es damals ausdrückte. Menschenmassen strömten in Berlin zu den Grenzübergängen, irgendwann konnten die Grenzsoldaten den Ansturm nicht mehr halten: Mauerfall - der Weg in den Westen war frei. (Lesen Sie auch: Allgäuer aus der ehemaligen DDR ziehen Bilanz: "Die Mauer im Kopf war weg")