14! Sogar über 14 lange Jahre haben sie sich gedulden müssen, bis sie endlich wieder ein Erstliga-Duell zwischen den Mannschaften erleben können. Entweder war der eine in der zweiten Liga oder der andere. Oder beide. Aber nun: Am Freitagabend um 20.30 Uhr treffen im Volksparkstadion der Hamburger Sportverein und der FC St. Pauli in der höchsten Spielklasse aufeinander. Die Allgäupiraten aus Bidingen können es kaum noch erwarten.
Am 16. Februar 2011 standen sich beide zum bisher letzten Mal im Oberhaus gegenüber. Das Hinspiel am Millerntor endete mit 1:1, das Rückspiel im Volkspark gewann St. Pauli mit 1:0. Das wäre auch wieder ein Ergebnis so ganz nach dem Geschmack von Bertram Hämmerle, dem Vorsitzenden der Allgäupiraten.
Wie die Allgäupiraten dem Derby zwischen HSV und St. Pauli entgegen fiebern
Für ausgeschlossen hält er ein solches Ergebnis nicht. Die Hoffnung wird genährt durch das 3:3 im Auftaktspiel gegen Borussia Dortmund. 1:3 lag St. Pauli zurück, in den Schlussminuten rettete die Mannschaft mit einem Doppelschlag einen Punkt. Hämmerle ist ganz begeistert: „Das war richtig packend.“ Er lobt die Einstellung der Elf vom Kiez, den Kampfeswillen, den Einsatz. Dies sei umso bemerkenswerter, weil die Paulianer doch einige Abgänge zu verkraften hatten. „Bei dem Spiel wäre ich gern dabei gewesen.“
Doch seit der Rückkehr von St. Pauli in die Erste Liga sei es noch schwerer geworden, Karten zu erhalten. Das Kontingent ist sehr begrenzt, die Bereitschaft der Fans, auch weitere Strecke auf sich zu nehmen, gestiegen. „Das war in der Zweiten Liga noch etwas anders.“
In der vorigen Spielzeit feuerten die Allgäuer ihren Klub beim Heimspiel im Nordderby gegen Holstein Kiel an. 3:1 hieß es am Ende. Aber auch da das Problem mit den Karten. Zwei Tickets hatten sie erhalten. Trotzdem gingen sie das Wagnis ein, mit elf Personen an die Elbe zu fahren. Vier Karten erstanden sie noch am Stadion – fünf Fans mussten draußen bleiben. „Das war natürlich schade.“
Selbst in großen Stadien sei das Kontingent schnell erschöpft. Beim Bayern München etwa gab es auch nur sechs Karten. Beim FC Augsburg sei es etwas einfacher gewesen – warum auch immer.
Und nun eben das Nordderby. Für die Allgäupiraten ein Traum, das mal live zu erleben. Aber aussichtslos. So bleibt es bei einem Fernsehabend im Bekanntenkreis bei einem, der ein Abo bei dem Sender abgeschlossen hat, der die Partie überträgt.
Was der Bidinger Fanclub am meisten bedauert
„Das wird was Besonderes werden. Gleich am zweiten Spieltag solch ein Duell und dann noch als Abendspiel.“ Hämmerle gerät schon vor dem Anpfiff ins Schwärmen. Das Stadion kennen einige Allgäupiraten von einer Führung, die sie im Volkspark unternahmen. „So weit geht die Rivalität dann doch nicht, als dass man das nicht mal mitmacht.“ Insofern hat es ihn auch gefreut, dass der HSV nach etlichen vergeblichen Versuchen aufgestiegen ist. „Ein großer Verein ist wieder oben.“
Allerdings war der Start der Rothosen sehr holprig. In der erste Runde des DFB-Pokals kam der HSV nur mit Ach und Krach weiter. Und zum Ligastart in Mönchengladbach trat er für Hämmerle trotz Unentschieden noch nicht überzeugend auf. Es läuft noch nicht rund.
Genau darin sieht der Chef der Allgäupiraten eine Chance für seinen FC St. Pauli. „Die haben gut eingekauft.“ Und Torhüter Nikola Vasilj werde als Rückhalt immer besser. Bereits in der vergangenen Saison habe er sich vielfach ausgezeichnet, gerade auch als „Elfmetertöter“.
Und dann, sagt Hämmerle, werden da im Derby auch die Fans sein: „Die machen ordentlich Lärm und Rabatz.“ Für Stimmung ist also nach seiner Ansicht gesorgt. Fehlen nur noch die Punkte.
So sehen die Allgäuer die Chance auf den Klassenerhalt für den FC St. Pauli
Die werde der Verein auch brauchen, sagt er. Denn den Klassenerhalt sollten die Kiezkicker auf jeden Fall halten, wünscht er sich. Dann wären sie wenigstens mal zwei Jahre in Folge in der Ersten Liga. Vielleicht schaffen sie ja auch ein drittes Jahr und stellen den Vereinsrekord ein, als St. Pauli von 1988/89 bis zur Saison 90/91 durchgehend erstklassig war. Das würde sechs Derbys ganz oben bedeuten – falls nicht doch erneut einer der beiden Hamburger Clubs vorher absteigt.
Daran denkt Hämmerle aber nicht. Am Freitag ist erst mal das Derby an der Reihe. Das Erste nach über 14 Jahren. Endlich wieder.
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