Österreich

"Landkarte des politischen Islam" in Österreich mit Diskussionsstoff

623 muslimische Organisationen, Verbände und Moscheen mit ihrem jeweiligen Hauptsitz in Österreich sind auf einer erstmals erstellten Karten einsehbar.

623 muslimische Organisationen, Verbände und Moscheen mit ihrem jeweiligen Hauptsitz in Österreich sind auf einer erstmals erstellten Karten einsehbar.

Bild: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst (Symbolfoto)

623 muslimische Organisationen, Verbände und Moscheen mit ihrem jeweiligen Hauptsitz in Österreich sind auf einer erstmals erstellten Karten einsehbar.

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Eine "Landkarte des politischen Islam" in Österreich soll der sachlichen und kritischen Auseinandersetzung mit muslimischen Vereinen und Moscheen dienen.
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dpa
28.05.2021 | Stand: 05:32 Uhr

"Wir wollen einen inhaltlichen Diskurs jenseits von Polemik, von Ressentiments, von Emotionalität und von gegenseitigen Beschuldigungen anstoßen", sagte der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Dokumentationsstelle Politischer Islam, Mouhanad Khorchide, am Donnerstag in Wien.

Es stelle sich die dringende Frage, wie sich Organisationen wie der türkisch-islamische Dachverband Atib oder die islamische Gemeinschaft Milli Görüs einen Islam europäischer Prägung vorstellten. Die Grundlagenarbeit stoße auf internationales Interesse - auch und gerade in der deutschen Politik, so Khorchide.

Auf der im Internet einsehbaren Karte sind 623 muslimische Organisationen, Verbände und Moscheen mit ihrem jeweiligen Hauptsitz in Österreich eingezeichnet, hinzu kommen etwa Informationen zur Organisationsform und inhaltlichen Ausrichtung. Die Karte unterscheide nicht in gute und böse Vereine, sondern leiste in ihrer Vielfalt einen Beitrag zur Transparenz, sagte Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP).

Integrationsministerin: Wichtige Fragen zu stellen muss möglich sein

"Es geht nicht um einen Generalverdacht gegenüber den Muslimen", aber es müsse möglich sein, ohne den Deckmantel der Toleranz wichtige Fragen zu stellen. Teils kämen frauenverachtende, antisemitische, rassistische oder auch integrationsfeindliche Haltungen und Positionen vor, hieß es. Wo der Staat eine Handhabe habe, weil radikales Gedankengut verbreitet werde, werde er einschreiten, sagte Raab.

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Es gehe nicht darum, alle Mitglieder einer Bewegung an den Pranger zu stellen, sondern genauer hinzuschauen und die Organisationen zur Debatte einzuladen, sagte Khorchide. Teile der muslimischen Organisationen leisteten auch einen wichtigen Integrationsbeitrag, so der Islamwissenschaftler Ednan Aslan von der Universität Wien. Öffentliche Debatten könnten helfen, Reformbestrebungen in der muslimischen Gemeinde zu befördern. Politischer Islam sei definiert als Herrschaftsanspruch, der Werte durchsetzen wolle, die im Widerspruch zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stünden, so Khorchide.

Die Dokumentationsstelle Politischer Islam wurde als unabhängiger Fonds der Republik 2015 gegründet und hatte vor einem Jahr ihre Arbeit aufgenommen. Ein Team aus fünf bis sieben Fachexpertinnen und -experten wird eigenverantwortlich durch eine Direktorin oder einen Direktor geleitet.