Fußball-EM

Spanien bereitet sich mit Corona-Not-Kader auf schlimmstmöglichen Fall vor

Spaniens Luis Enrique bereitet sich mit einem zusätzlichen Corona-Not-Kader von mittlerweile 17 Spielern auf den schlimmstmöglichen Fall vor.

Spaniens Luis Enrique bereitet sich mit einem zusätzlichen Corona-Not-Kader von mittlerweile 17 Spielern auf den schlimmstmöglichen Fall vor.

Bild: Manu Fernandez, AP, dpa

Spaniens Luis Enrique bereitet sich mit einem zusätzlichen Corona-Not-Kader von mittlerweile 17 Spielern auf den schlimmstmöglichen Fall vor.

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Corona-Sorgen und Ängste überlagern die Vorfreude in Spanien und Schweden. Vier Fälle sind viel. Keine Gewähr, dass es nicht noch mehr werden.
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dpa
09.06.2021 | Stand: 22:01 Uhr

Luis Enrique bereitet sich mit einem zusätzlichen Corona-Not-Kader von mittlerweile 17 Spielern auf den schlimmstmöglichen Fall vor. Während in Spanien der eigentliche EM-Kader dezimiert nur individuell trainieren kann und sich parallel dazu ein vor allem mit U21-Spielern gespickter Schattenkader für alle Eventualitäten rüstet, wirkten die Schweden trotz verschärfter Hygienemaßnahmen und ebenfalls zwei Corona-Fällen irgendwie noch recht entspannt. Aus fußballerischer Sicht habe er einen sehr guten Vormittag mit seiner Mannschaft verbracht, sagte Trainer Janne Andersson am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Allerdings gab er auch irritierende Details zu einem der beiden mit dem Coronavirus infizierten Spieler preis. Dejan Kulusevski und dessen Freundin seien von seiner Schwester und deren Freund zum Essen eingeladen worden. Als er dorthin gekommen sei, seien auch einige seiner Freunde dort gewesen - "als kleine Überraschung", wie Andersson sagte.

Kulusevski sei in der Grundannahme dorthin gegangen, dass er bereits vorher Covid-19 gehabt hatte und sich deshalb nicht noch einmal hätte infizieren können. Dennoch sei dies kein guter Entschluss gewesen, betonte der Coach.

Kurzvideo zeigt Kulusevski mit mehreren Personen

Etwa zur gleichen Zeit, als sich Andersson äußerte, tauchte in den sozialen Medien ein Kurzvideo auf, das Kulusevski mit mehreren Personen in einer Wohnung zeigt. Es soll am 31. Mai entstanden sein, als die Mannschaft frei gehabt hatte - genau zwei Wochen vor dem Spiel in Sevilla gegen Spanien.

Weder Kulusevski noch Mattias Svanberg zeigen nach Angaben der medizinischen Abteilung der Schweden Symptome. Mithilfe eines Sechs-Punkte-Plans, der einige Verschärfungen der Hygienemaßnahmen vorsieht, wollen sie die Gefahr weiterer Infektionen bannen.

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Einzeltraining und Ansprachen per Video wie vor den Toren Madrids sind bei den Skandinaviern in Göteborg aber nicht angesagt. Beim Europameister von 2008 und 2012 und Weltmeister von 2010 ist die Sorge vor weiteren Ansteckungen riesig. "Es können mehr positive (Befunde) kommen, es ist wahrscheinlich, dass das passiert", hatte Verbandsboss Luis Rubiales am Dienstagabend am Rande der Partie gesagt, die als Generalprobe gedacht war, aber letztlich zu einem erfolgreichen Auftritt der U21 gegen Litauen wurde (4:0).

Am Morgen danach berief Nationaltrainer Enrique elf Spieler der Nachwuchsmannschaft in den Parallel-Kader, der am Mittwoch mit insgesamt 17 Spielern zusammen trainierte. Mit dem EM-Kader kommen diese Spieler aber nicht in Kontakt.

Busquets und Lloriente positiv getestet

Die Spanier tun alles, um Ansteckungsketten erst gar nicht aufkommen zu lassen, nachdem zuerst Kapitän Sergio Busquets und dann auch noch Diego Lloriente nach positiven Befunden das EM-Camp in Las Rozas de Madrid hatten verlassen müssen. Zu präsent sind bei allen noch die Schlagzeilen vor einem Jahr, als im Madrider Vorort Fuenlabrada fast 30 Personen des dortigen Zweitligaclubs in wenigen Tagen mit dem Coronavirus infiziert worden waren.

Erleichtert vermeldete Spaniens Verband am Mittwochabend, dass bei einer weiteren Testreihe kein weiterer Coronafall aufgetreten sei. Zudem kündigte Spaniens Gesundheitsministerin Carolina Darias an, dass Militärärzte Corona-Impfungen bei spanischen Spielern vornehmen sollen. Details dazu werde der Fußballverband später mitteilen.

Ob Impfungen den Spaniern in der jetzigen Phase wirklich noch helfen könnten, ist sehr fraglich. Eine entsprechende Forderung des Verbandsbosses vor einigen Wochen hatten die zuständigen Behörden abgelehnt. Jetzt könnten sie wegen der möglichen Nebenwirkungen nicht gerade zielführend sein.

Zwölf Spieler weiter gefährdet

Immerhin sollen zwölf Spieler des bereits auf 22 Spieler geschrumpften aktuellen Kaders wegen einer bereits überstandenen Corona-Erkrankung oder Impfungen durch die eigenen Vereine weniger gefährdet sein, wie die spanische Sportzeitung "As" am Mittwoch berichtete.

Um spielen zu können, braucht eine Mannschaft bei dieser EM 13 Spieler, darunter ein Torwart, die negativ getestet sind. Eine Sonderregelung macht dies möglich. Sind es Profis, die neu zum Kader hinzukommen, muss die gleiche Anzahl aus dem ursprünglichen Aufgebot gestrichen werden. Stehen keine 13 Spieler zur Verfügung, kann das Spiel innerhalb der nächsten 48 Stunden neu angesetzt werden. Ist das nicht möglich, entscheidet die UEFA-Disziplinarkommission. Das Team, das für die die Absage verantwortlich ist, wird mit 0:3 als Verlierer gewertet. Weitere Gegner der Spanier in der Gruppenphase sind Polen am 19. Juni und die Slowakei am 23. Juni.