Fußball-Landesliga

Ende der Geduldsprobe: Der 1. FC Sonthofen startet nach der Corona-Pause

Mit diesem Kader will sich der 1. FC Sonthofen um Trainer Benjamin Müller im Jahr eins nach dem Bayernliga-Abstieg weiter in der Spitzengruppe der Fußball-Landesliga festsetzen.

Mit diesem Kader will sich der 1. FC Sonthofen um Trainer Benjamin Müller im Jahr eins nach dem Bayernliga-Abstieg weiter in der Spitzengruppe der Fußball-Landesliga festsetzen.

Bild: Daniel Kopatsch

Mit diesem Kader will sich der 1. FC Sonthofen um Trainer Benjamin Müller im Jahr eins nach dem Bayernliga-Abstieg weiter in der Spitzengruppe der Fußball-Landesliga festsetzen.

Bild: Daniel Kopatsch

197 Tage nach dem letzten Pflichtspiel startet der 1. FC Sonthofen gegen Kaufbeuren nach der Corona-Pause. Coach Müller lobt den „charakterlich fast perfekten Kader“.
19.09.2020 | Stand: 07:38 Uhr

Vor 197 Tagen ging es das bisher letzte Mal um Punkte. Nun rollt der Ball wieder beim 1. FC Sonthofen. Nicht mehr als ein Pflichtspiel hat der FCS in den vergangenen zehn Monaten absolviert. Sonntag geht es für die Kicker aus der Kreisstadt wieder um Zählbares im Rennen um den Aufstieg der Landesliga Südwest. Ab 16 Uhr läuft der FCS zum Auftakt nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs bei der SpVgg Kaufbeuren auf. Vor dem Start des Landesliga-Dritten blicken wir mit Coach Benjamin Müller auf die ungewöhnlichste Vorbereitung seiner Karriere, auf den Zustand der Mannschaft und auf die Aufstiegsambitionen des FCS.

Ausgangslage: Pause zur Unzeit

Als Absteiger naturgemäß in der Bringschuld hatte sich der 1. FC Sonthofen nach durchwachsenem Saisonbeginn mit nur zwei Niederlagen aus 15 Pflichtspielen stabilisiert, in der Spitzengruppe festgespielt. „Wir waren vor dem Lockdown auf gutem Niveau. Das lag auch daran, dass wir die Pause nach dem kurzen Sommer 2019 richtig nutzen konnten“, erinnert sich Müller. In diese Phase kam die Unterbrechung, der Stillstand des gesamten Betriebs. „Wir sind in dieser Zeit abwartend vorgegangen“, sagt Müller. „Erst als absehbar war, dass es eine längere Pause würde, haben wir den Spielern Pläne mitgegeben. Das Problem war, dass es kein klar zu bestimmendes Ziel gab.“

Fußball in der Krise: Eine Frage der Motivation

Entsprechend musste Müller, der in den Schlussspurt seiner „ersten echten Saison“ als Coach der „Ersten“ startet, gezielte Motivationsarbeit leisten. „Wir haben an den Geist der Spieler appelliert“, gesteht der Coach. „Aber die Jungs haben sich untereinander sehr gut selbst angetrieben.“ So hat der Trainerstab beispielsweise eine Lauf-Challenge organisiert, um den Wettkampfcharakter aufrechtzuerhalten. „Es waren sehr viele Monate, in denen wir als Trainer und auch als Verein aufpassen mussten, dass wir die Leute bei der Stange halten“, sagt Müller.

Bilanz der Vorbereitung: Stark im Abschluss

Und so überstand der FCS auch das kurze Tief nach der erneuten Verschiebung des „Neustarts“ Anfang September. „Ich habe die Jungs darauf eingestimmt, dass wir zielstrebig und professionell auf den Tag X hinarbeiten“, sagt Müller. Sportlich habe er mit dem Team viel am Spielaufbau und am Ballbesitz gearbeitet – der FCS ist in der Landesliga gegen tief stehende Gegner meist in der Pflicht, das Spiel selbst gestalten zu müssen. Zwar fehlen Müller derzeit mit Tom Liebherr und Kevin Hailer zwei Innenverteidiger als Säulen des Spielaufbaus verletzt – „aber wir haben Wege gefunden, diese Lücken zu füllen“, sagt der 38-Jährige, dem in der Vorbereitung vor allen Dingen die Torgefahr seiner Schützlinge positiv aufgefallen ist. In den Tests gab es Siege gegen Bad Grönenbach (7:2), DJK Memmingen (6:0), FC Kempten (4:2) und Egg (3:1), sowie Niederlagen beim TSV Kottern (1:2) in Erkheim (1:2) und zuletzt beim Regionalligisten FC Memmingen mit 3:4.

Ein Wirbelwind im Sonthofer Mittelfeld

Mit vier Neulingen setzt die Clubführung um Präsident Matthias Schmidle und den Sportlichen Leiter Andreas Fink auf punktuelle Verstärkung. Torhüter Marco Zettler (22) kommt vom FC Memmingen und soll dem jungen Eigengewächs Lukas Köck (19) Erfahrung aus Landesliga und U 19-Bayernliga mitgeben. Müller: „Beide haben schon sehr gutes Niveau, auch wenn sich Lukas 2020 sehr gut entwickelt hat, hat Marco noch die Nase vorn.“ Im Fokus der Kaderzusammenstellung stand vor allen Dingen die menschliche Komponente.

In dieser Hinsicht seien Ali Odaci (22) und Umut Akan (24), beide Neuzugänge vom TSV Kottern, „wahre Volltreffer. Ali hat bei uns als rechter Verteidiger seine Position gefunden und Umut ist ein Stürmertyp, den man immer ins Spiel bringen kann“, lobt Benjamin Müller. Mit dem 23-jährigen Markus Notz vom FC Memmingen könnte als Nachfolger für den Japaner Atsu Ushida ein neuer Dreh- und Angelpunkt gefunden worden sein. „Markus geht schon mit 23 vorneweg, ist quirlig im Spiel, zweikampfstark nach vorne und hat eine unglaubliche Dynamik auf den ersten fünf, sechs Metern“, charakterisiert Müller den neuen Regisseur.

Coach lobt: "Kameradschaft nahezu perfekt"

Dass der Coach allen voran die menschliche Komponente in den Vordergrund stellt, überrascht nicht. „Die Jungs müssen frei im Kopf sein – sie müssen bereit sein, alles für ihre Kollegen zu geben“, propagiert Müller seit dem Bayernliga-Abstieg 2019. Und so ist die Mischung aus den Routiniers Penz, Hindelang und Wiedemann, den „Mittelalten“ um Littig, Keller und Hailer und den jungen Sichler, Köck, Vogler und Bechter „außerordentlich stimmig“, lobt Müller. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Charakter – der Kader ist nahezu perfekt zusammengestellt was die Kameradschaft betrifft. Wir funktionieren als Team gut, und das ist für die Zukunft entscheidend.“

Müllers Ziel: „Wollen Zweiter werden“

Eine Zukunft, in der es für den FCS – vielleicht noch nicht sofort – aber mittelfristig zurück in die Bayernliga soll. Daraus macht auch die Clubführung um Schmidle und Fink kein Geheimnis. Im Jahr eins nach dem Abstieg geht es aber vor allem Müller zunächst weiterhin um Stabilität. Zumal Spitzenreiter Gundelfingen (49 Punkte, 21 Spiele) ohnehin bereits enteilt ist. Neuburg (44) ist Zweiter, der FCS (41) in Schlagdistanz. „Da wollen wir hin. Rang zwei berechtigt zur Relegation“, sagt Müller. „Den Anspruch haben wir allemal. Und wir sind bereit.“