DFB-Pokal

Essen schmeißt Leverkusen aus dem Pokal - Kiel schlägt Darmstadt

Bayer Leverkusen im Stadion an der Hafenstraße. Oguzhan Kefkir (r) von Essen jubelt nach seinem 1:1.

Bayer Leverkusen im Stadion an der Hafenstraße. Oguzhan Kefkir (r) von Essen jubelt nach seinem 1:1.

Bild: Martin Meissner, dpa

Bayer Leverkusen im Stadion an der Hafenstraße. Oguzhan Kefkir (r) von Essen jubelt nach seinem 1:1.

Bild: Martin Meissner, dpa

Regionalligist Rot-Weiss Essen schreibt sein Pokalmärchen fort und steht nach großem Kampf gegen Leverkusen im Viertelfinale. Kiel gewinnt gegen Darmstadt.
dpa
02.02.2021 | Stand: 21:28 Uhr

Der klassentiefste im Wettbewerb verbliebene Club gewann gegen den Vorjahresfinalisten im Essener Dauerregen mit 2:1 (0:1, 0:0) nach Verlängerung und erreichte erstmals seit 27 Jahren die Runde der besten Acht. Die blamierten Leverkusener, die das Spiel lange dominiert hatten, stecken nach zuvor nur vier Punkten aus sechs Bundesliga-Partien in einer echten Krise.

Leon Bailey (105.) traf zwar zunächst für Bayer, doch Oguzhan Kefkir (108.) und Simon Engelmann (118.) sorgten dafür, dass RWE auch im 33. Pflichtspiel innerhalb eines Jahres ungeschlagen blieb. Der Engelmann-Treffer wurde lange überprüft - zählte aber doch. Zuvor hatte der Traditionsverein und Cup-Sieger von 1953 Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf ausgeschaltet.

Bayer Leverkusen der große Favorit

Bayer war mit klaren Absichten nach Essen gereist. Nach dem Aus des Titelverteidigers FC Bayern in der zweiten Runde schien die Chance auf den Pokalsieg so groß wie lange nicht mehr. "So denken viele andere Clubs auch", hatte Bayer-Sportchef Rudi Völler kurz vor dem Anpfiff bei Sky gesagt. Nationalspieler Kerem Demirbay wurde am Morgen vom DFB mit den Worten zitiert: "Wir wollen den Pott nach Leverkusen holen."

Sein Trainer Peter Bosz war in der Anfangsphase aber nicht gänzlich zufrieden. Zwar dominierte der Bundesligist erwartungsgemäß, Edmond Tapsoba gab früh den ersten Warnschuss auf das Essener Tor ab (3.). Die Werkself tat sich im Spielaufbau auf dem sichtlich ramponierten Rasen aber schwer. "Mutig! Mutig!", rief RWE-Trainer Christian Neidhart seinen Spielern zu, die mithielten, aber mit zunehmender Spielzeit immer stärker unter Druck gerieten.

Schick vergibt - Glück für Essen

Die größte Bayer-Chance der ersten Halbzeit vergab Patrik Schick, der zunächst mit Lucas Alario zusammen als Mittelstürmer eingesetzt wurde. Sein Kopfball landete am Pfosten (24.). Essens Marco Kehl-Gómez schoss in der 40. Minute knapp am Leverkusener Tor vorbei - es blieb lang die beste Möglichkeit der Gastgeber.

Noch vor der Pause musste Bayer auf den angeschlagenen Karim Bellarabi verzichten, für ihn kam Moussa Diaby (44.). In der zweiten Halbzeit stellte Bosz mit zwei weiteren Wechseln wieder auf das vertraute 4-3-3-System um. Diaby vergab die nächste Chance zur Bayer-Führung (49.). Davari klärte zudem klasse gegen Tapsoba (51.).

Bayer zwang den Regionalligisten in dieser Phase weit in die eigenen Hälfte zurück. Immer wieder kamen die Gäste in erfolgversprechende Abschlusspositionen, immer wieder war Davari gefordert wie gegen Leon Bailey (60.). Den Leverkusenern gingen aber die Ideen aus, RWE verdiente sich eine packende Schlussphase mit großem Kampf. Die Gastgeber hatten kurz vor dem Ablauf der regulären Spielzeit allerdings auch großes Glück, als Diabys Schuss vom einen an den anderen Pfosten knallte (89.), den Nachschuss wehrte Davari ab.

Wieder im Elfmeterschießen: Kiel schlägt Darmstadt im DFB-Pokal

Bayern-Bezwinger Holstein Kiel steht nach einem erneuten Elfmeter-Krimi im Viertelfinale des DFB-Pokals. 20 Tage nach dem Coup gegen den Pokal-Verteidiger aus München setzten sich die "Störche" im Entscheidungsschießen 7:6 (1:1, 0:0) gegen den Zweitliga-Konkurrenten Darmstadt 98 durch. Simon Lorenz verwandelte den entscheidenden Elfmeter. In der regulären Spielzeit hatten Janni Serra (58.) für Kiel und Serdar Dursun (86.) für Darmstadt getroffen. Zum letzten Mal hatten die Kieler zuvor 2012 unter den besten acht Mannschaften gestanden.

Das Feuerwerk, das vor dem Anpfiff hinter dem Holstein-Stadion gezündet worden war, blieb auf dem Rasen zunächst aus. Die Gastgeber hatten trotz einer frühen Gelegenheit durch Fabian Reese (3.) große Mühe, in die Partie zu finden. Darmstadt spielte mutig und hätte beim Pfostenschuss des Ex-Kielers Mathias Honsak (9.) in Führung gehen können.

Erst allmählich übernahm der Tabellen-Dritte die Kontrolle, kam aber kaum zu klaren Gelegenheiten. Der Schuss von Alexander Mühling (15.) war zu unplatziert, Fabian Reese (16.) wurde von Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen fair an der Strafraumgrenze vom Ball getrennt.

Bezeichnend, dass der Führungstreffer der "Störche" aus einer Umschaltsituation resultierte. Reese spielte den Ball aus der eigenen Hälfte auf Serra, der den Ball nach einem langen Spurt nervenstark über Schuhen lupfte.

Beim Ausgleich des drei Minuten zuvor eingewechselten Dursun profitierten die Hessen von einem Fehler von Holstein-Keeper Ioannis Gelios. Im Elfmeterschießen mutierte der 28 Jahre alte Deutsch-Grieche mit zwei gehaltenen Schüssen dann wieder zum Helden.