Ski nordisch

Krehl und Eisenlauer sprechen über Vorbereitungen auf Heim-WM

Das Ziel Heim-WM rückt immer näher: Sofie Krehl und Sebastian Eisenlauer bereiten sich vor.

Das Ziel Heim-WM rückt immer näher: Sofie Krehl und Sebastian Eisenlauer bereiten sich vor.

Bild: Dieter Haug

Das Ziel Heim-WM rückt immer näher: Sofie Krehl und Sebastian Eisenlauer bereiten sich vor.

Bild: Dieter Haug

Im AZ -Interview sprechen die Spitzenlangläufer Sofie Krehl (25) aus Oberstdorf und Sebastian Eisenlauer (30) aus Sonthofen über die Vorbereitung auf die WM.
Von Dieter Haug
14.10.2020 | Stand: 19:08 Uhr

Ihr bereitet euch beide auf die kommende Saison vor. Höhepunkt wird wohl die Nordische Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf. Wo seht ihr euch im Hinblick auf dieses Ereignis?

Sofie Krehl: Wir sind ein starkes Team, in dem jeder an dieser WM teilnehmen will. Da aber nur vier Athleten pro Wettkampf gemeldet werden dürfen, wird es sicher eine interne Qualifikation geben. Ich richte meinen Fokus auf den Klassik-Sprint, den Team-Sprint und die Staffel, obwohl die Langdistanzen schon ein Thema wären. Unsere Trainingsvorbereitung ist auf die WM zugeschnitten; das heißt, dass wir Ende Februar auf Top-Niveau sein sollten. Doch auch zuvor gilt es, gute Ergebnisse für die Qualifikation zu erlaufen.

Sebastian Eisenlauer: Ich will in beiden Teamevents starten. Die Bezeichnung Sprint ist eigentlich nicht ganz richtig. Anders als beim 100-m-Lauf ist der Sprint im Langlauf eher ausdauerbehaftet. Deshalb liegt der Ausdauerbereich im Fokus der Vorbereitung. Mein Ziel ist es, wieder auf das Leistungsniveau von 2015/16 zu kommen.

Ein erfolgreicher Wintersportler wird im Sommer gemacht, lautet eine alte Weisheit. Wie war eure Vorbereitung?

Sofie Krehl: Der April ist unser „Urlaubsmonat“. Im Mai geht’s locker los und bald stehen dann an sechs Tagen in der Woche zwei Trainingseinheiten an. Der siebte Tag dient der Regeneration. Hauptsächlich wechseln sich Laufeinheiten mit Skirollertraining ab. Dazu kommen ein- bis zweimal die Woche Einheiten im Kraftraum, Radfahren und Ergänzungen wie Beweglichkeit, Koordination, Spiel ... Zwischendurch sind wir immer mal wieder in der Skihalle in Oberhof.

Sebastian Eisenlauer: Fahren wir im April noch etwas reduzierte Umfänge, wird das Training Richtung Herbst und Winter spezifischer. Das heißt, im Sprint ist eine gewisse Tempohärte notwendig, die es zu erarbeiten gilt. 18 bis 22 Stunden reines Training gilt es pro Woche zu absolvieren. Hometraining wie Gymnastik, Dehnen, Yoga, Slackline-Balance, Blackroll und Regenerationsmaßnahmen kommen dazu. Gerade im Kraft- und Kraftausdauertraining dauert es oft mehrere Jahre, um eine Verbesserung zu erzielen. Daneben gilt: Je besser ich in meinen koordinativen und Balancefähigkeiten bin, umso leichter fühle ich mich auf dem Ski. Dass wir in Deutschland eine Skihalle in Oberhof haben, ist sicher ein Standortvorteil. Früher fand ich sie ätzend, aber heute weiß ich sie zu schätzen, weil dort ein konzentrierteres Training möglich ist als im Freien, wo man leichter abgelenkt wird.

In den letzten Jahren haben Verletzungen und Formschwankungen oft bessere Ergebnisse verhindert.

Sofie Krehl: Drei Jahre hatte ich immer wieder mit einer Entzündung in der Schulter zu kämpfen, die von einer Fehlhaltung herrührt. Dies ist eine kleine Einschränkung, behindert mich aber nicht bei Höchstleistungen. Derzeit habe ich sie im Griff, muss aber immer aufpassen und dagegen arbeiten. Generell kann man sagen, fast alle Spitzenathleten haben eine Schwachstelle, auf die es aufzupassen gilt.

Sebastian Eisenlauer: Durch eine Schulterluxation, Erkältungen, Übertraining oder Trainingsdefizite hatte ich die letzten drei Jahre einen Hänger, sodass meine Sprintleistung stagnierte. Da Alexander Wolz und Markus Weeger ihre Karriere beendet hatten, fehlte das gegenseitige Reiben und Vorwärtspushen, der interne Konkurrenzkampf. Und so waren diese Jahre schon belastend, vor allem im Kopf. Gedanken wie: „Was mache ich denn eigentlich hier?“, tauchten immer wieder auf. Doch die Heim-WM motiviert, ist sie doch das Größte für einen Sportler.

Was war denn ausschlaggebend, dass ihr Langlaufen zu eurem Lebensinhalt gemacht habt?

Sofie Krehl: In unserer Familie hatte der Sport immer schon einen hohen Stellenwert. Meine Brüder Valentin und Emil wie auch meine Eltern waren Vorbilder, obwohl ich neben dem Langlaufen auch noch Fußball spielte, im Leichtathletikverein und in der Musikkapelle war. Als ich nach Oberstdorf wechselte, wurde aus Spaß Ernst (lacht) .

Sebastian Eisenlauer: Der Anfang war unspektakulär. Die Loipe in Burgberg war vor der Haustür. Irgendwie bin ich da reingerutscht und nicht mehr weggekommen, bis ich dann irgendwann auf der Jugend-WM war.

Was waren eure bisherigen sportlichen Höhepunkte?

Sofie Krehl: Die Juniorenweltmeisterschaften waren unvergessliche Erlebnisse, besonders die Bronzemedaille mit der Staffel in Almaty. Als Highlights würde ich meine erste WM-Teilnahme in Lahti vor drei Jahren und das Sprint-Halbfinale letztes Jahr in Planica bezeichnen.

Sebastian Eisenlauer: Ich bin seit 2005 international unterwegs. Mein erster Weltcup war 2010 in Düsseldorf. Bei Olympia hatte ich keine großartigen Ergebnisse. Als Höhepunkt würde ich das Finale beim Sprint der Tour de Ski in Oberstdorf nennen.

Ihr seid beide im besten Langlaufalter. Gibt es schon Pläne für danach?

Sofie Krehl: Da lasse ich mir noch Zeit. Als Zollbeamtin könnte ich dort später Karriere machen.

Sebastian Eisenlauer: Soldat bei der Bundeswehr könnte ich bleiben. Zunächst möchte ich aber mit meiner Frau Michaela viel reisen, wenn es denn wieder möglich ist.

Müsstet ihr euch selber beschreiben, was fällt euch spontan dazu ein?

Sofie Krehl: Ich bin ein Morgenmensch, der am liebsten morgens arbeitet. In meiner Freizeit koche und backe ich gerne. Als kleine Schwäche würde ich meinen Hang zur Unpünktlichkeit bezeichnen. Und natürlich verbringe ich viel Zeit mit meinem Freund Ueli Schnider aus dem Schweizer Langlaufteam.

Sebastian Eisenlauer: Ich würde mich als sehr fokussiert, zielstrebig und diszipliniert bezeichnen. Manchmal stehe ich mir aber selbst im Weg, wenn es gilt, sich auf etwas Neues einzulassen. Interview: Dieter Haug