Nicht ganz ernstgemeint

Zu spät am Tisch? Den richtigen Absprung verpasst? - Ausreden, die wir von den Skispringern lernen können

Markus Eisenbichler hatte in Oberstdorf zum Glück nur wenige schlechte Sprünge und einen glimpflich abgelaufenen Sturz zu analysieren. Nachdem er Erklärungen gefunden hatte, holte "Eisei" Gold mit der Mannschaft.

Markus Eisenbichler hatte in Oberstdorf zum Glück nur wenige schlechte Sprünge und einen glimpflich abgelaufenen Sturz zu analysieren. Nachdem er Erklärungen gefunden hatte, holte "Eisei" Gold mit der Mannschaft.

Bild: Ralf Lienert

Markus Eisenbichler hatte in Oberstdorf zum Glück nur wenige schlechte Sprünge und einen glimpflich abgelaufenen Sturz zu analysieren. Nachdem er Erklärungen gefunden hatte, holte "Eisei" Gold mit der Mannschaft.

Bild: Ralf Lienert

Skispringer Markus Eisenbichler sagte nach einem Sprung bei der Ski-WM in Oberstdorf, er sei "zu passiv reingefahren und dann voll durchgelatscht." Wie bitte?
07.03.2021 | Stand: 17:30 Uhr

Sportler haben ihre ganz eigene Sprache. Die einen hangeln sich mit Floskeln durch die Karriere, andere klingen wie nach erfolgreichem Fremdsprachen-Studium. Fußball-Trainer sind da das beste Beispiel. Aus dem Allrounder ist der polyvalente Spieler geworden. Die Marschroute heißt selbst in der B-Klasse Matchplan und das Loch in der Abwehr ist jetzt die Schnittstelle. Klingt nicht mehr ganz so dramatisch. Zumindest für den, der seinen Gegenspieler aus den Augen verloren hat.

Vielleicht ist genau das ja die Absicht, die dahinter steckt. Fehler sollen nicht mehr nach Fehlern klingen. Analysen sind vollgepackt mit Fachchinesisch. Da kommt sogar der Hobbysportler so kompetent wie der Gesamtweltcup-Sieger rüber.

Verständigung bei der Ski-WM in Oberstdorf: Viele verschiedene Sprachen - und Skispringer-Latein

Bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf sprechen die über 700 Athleten aus knapp 60 Nationen viele verschiedene Sprachen. Ganz beliebt ist Skispringer-Latein. Mit der Pünktlichkeit haben sie es selten. Meistens sind sie zu spät am Tisch. Weil sie in der Horizontalen zu vertikal waren. Alles klar? Klingt mehr nach billiger Ausrede gegenüber der Ehefrau an einem verkaterten Morgen als nach detaillierter Fehleranalyse. Markus Eisenbichler meinte nach der Qualifikation auf der Großschanze, er sei „zu passiv reingefahren und dann voll durchgelatscht“ – der Zuschauer zuhause vor dem Fernseher nickt zustimmend und sagt sich: „Ein schlechter Sprung war’s halt.“

Was wir für Zuhause von den Skispringern lernen können

Da geht doch die Fantasie mit den Springern durch. Der eine war im Radius zu komprimiert, beim anderen kam der Sprung von hinten nach vorne. Von vorne nach hinten wäre aber auch ein bisschen blöd. Severin Freund beispielsweise meinte in Oberstdorf, es sei wichtig, „dass es vom Tisch weg stimmt und ich dann sehr schnell leicht sein kann“. Das inspiriert den Wintersport-Fan. Ich biege mir schon einmal eine passende Ausrede für daheim zurecht – wenn ich nach dem Bierchen mit dem Nachbarn am Tisch mal wieder zu lang bin und den richtigen Zeitpunkt zum Absprung verpasse.

Bilderstrecke

Nordische Ski-WM in Oberstdorf: Fotos des Tages vom Samstag, 6.3.2021