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Spektakel am Berg: Rekord und Drama bei der Grüntenstafette

Stimmung und Spitzensport: Beeindruckende Bilder bot auch auch heuer wieder die Grüntenstafette.

Stimmung und Spitzensport: Beeindruckende Bilder bot auch auch heuer wieder die Grüntenstafette.

Bild: Dominik Berchtold

Stimmung und Spitzensport: Beeindruckende Bilder bot auch auch heuer wieder die Grüntenstafette.

Bild: Dominik Berchtold

Wahnsinn! Die Grüntenstafette hat an diesem Wochenende mit 1.494 Startern erneut den Rekord geknackt. Seriensieger Haschko jubelt, weil ein Außenseiter zum tragischen Helden wurde. Was passiert ist und alle Fotos des Spektakels gibt's hier.
29.09.2019 | Stand: 14:45 Uhr

Lange wirkte es, als würde er sich wehren. Verregnet, wolkenverhangen, mystisch hatte sich der Grünten Samstagmorgen präsentiert – ausharrend, vor dem Ansturm, der ihm drohte. Doch wenige Augenblicke vor dem Startschuss zur Grüntenstafette verzogen sich die Wolken, ergab sich der Wächter des Allgäus seinem Schicksal. Denn erstmals in der 25-jährigen Geschichte des Staffel-Rennens tummelten sich fast 1.500 Sportler vor, an und auf dem 1.738 hohen Berg. „Es ist gigantisch, welche Ausmaße die Stafette angenommen hat, wie die ganze Region darauf reagiert. Es ist ein unglaubliches Fest“, freute sich Marlon Wörndl vom veranstaltenden „Hannes Hawaii Tours“. Damit stieß die Grüntenstafette des TSV Burgberg mit 249 Sechser-Teams einmal mehr in eine neue Dimension vor. Und beim souveränen Sieg des Teams „Sport Haschko“ hatte es das Ausdauersport-Spektakel am Flugplatz in Agathazell in der Jubiläums-Ausgabe in sich.

Es ist gigantisch, welche Ausmaße die Stafette angenommen hat, wie die ganze Region darauf reagiert. Es ist ein unglaubliches Fest.
Ausrichter Marlon Wörndl

„Haschkos“ fünfter Streich

Da sind allen voran die Seriensieger von „Sport Haschko“, die – so dramatisch wie nie – ihren fünften Sieg in Serie feierten. In der Zeit von 1:52:33 Stunden knackte das Team aus Isny nicht nur den eigenen Streckenrekord von 2017 (1:53:09), sondern distanzierte die Konkurrenz von „Laufsport Saukel“ um 2:45 Minuten. Dabei hatten sich die „Saukels“ um Lauf-Ass Kevin Key und Rennradler Jonas Schmeiser vorgenommen, die Serie zu beenden. Und tatsächlich lag Key nach dem Lauf auch auf Rekordkurs, Schmeiser allerdings büßte gegen Markus Kaufmann einen entscheidenden Rückstand ein. Dagegen kristallisierte sich ab dem Gipfel überraschend ein Zweikampf zwischen „Haschko“ und den Außenseitern vom „Allgäu Outlet Raceteam“ heraus.

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Bildergalerie Grüntenstafette

Drama auf der Schlussrunde

Der Hindelanger Marc Dürr hatte das Oberallgäuer Team beim Alpinlauf furios in Führung gebracht, ehe etliche Führungswechsel an der Spitze folgten. Während „Saukel“ vor der Schlussrunde über zweieinhalb Minuten distanziert war, lieferten sich Seriensieger Michael Walter und „Outlet-Racer“ Clemens Bleistein einen spannenden Schlagabtausch. Doch der Stuttgarter, deutscher Mittelstrecken-Vizemeister, wurde 1.000 Meter vor Schluss zum tragischen Helden. „Er hat sich am Moos zweimal verlaufen“, sagte Walter im Ziel. „Ich hätte ihn gerne gewarnt, aber er hat mich nicht gehört. So haben wir etwas glücklich gewonnen.“ Als Vierter kam Bleistein letztlich erst mit über fünf Minuten Rückstand ins Ziel. Bei den Frauen brachen die „Ladies“ von „Sport Schindele“ den Bann. Das Team um die Oberallgäuer Mountainbikerinnen Paulina Wörz und Sina van Thiel verwies die „Haschko-Frauen“ in der Zeit von 2:13:41 Stunden mit einem Vorsprung von 5:14 Minuten auf Rang zwei.

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Eisenlauer wird gefeiert

Auf Rang zwei bei den Herren lief letztlich doch überraschend das Team „Laufsport Saukel“ ein, das nach Keys starkem Auftakt den zwischenzeitlichen großen Rückstand stabil hielt. Und so ließ sich Lokalmatador und Ausnahme-Triathlet Fabian Eisenlauer im Ziel von über 1.000 Zuschauern am Flugplatz frenetisch feiern. Der 27-jährige Sonthofer hatte sich erst vor sieben Wochen bei einem Trainingssturz mit dem Rennrad in der Schweiz das Schlüsselbein gebrochen, lieferte beim Comeback auf Anhieb die fünftbeste Zeit ab und rettete Rang zwei ins Ziel.

Große Namen auf und an Strecke

Mit dem steigenden sportlichen Niveau der Stafette wächst auch die Anziehungskraft für die großen Namen der Szene weiterhin. Neben den Ausdauer-Athleten der Region zierten in Abwesenheit von Sebastian Eisenlauer und Johannes Rydzek unter anderem die zwölffache Junioren-Weltmeisterin im Telemark Johanna Holzmann, die ehemalige Olympia-Skilangläufern Evi Sachenbacher-Stehle und Rad-Profi Michael Schwarzmann die Teilnehmerliste. Rundum die Strecke ließen es sich aber auch Ironman-Urgestein Axel Reusch, Ski-Alpin-Ass Andreas Sander oder Slalom-Weltcupfahrer Fabian Himmelsbach nicht nehmen, „wenn ich eh‘ schon beim Rad-Training bin, mal an der Wechselstation vorbeizuschauen.“

„Das Limit ist nicht erreicht“

1.500 Starter, 1.000 Zuschauer im Zielbereich, insgesamt 700 Personen am Gipfel und 500 bei der Wechselstation an der Brauerei „Zötler“. „Wir sind mit der Stafette inzwischen in einer Kategorie, die uns enorm fordert. Es werden immer mehr Handgriffe, immer mehr Zuständigkeiten und immer mehr Anpassungen“, erzählte Marlon Wörndl. „Es wird sich zeigen, was noch geht. Klar, wir mussten auch heuer Dinge verändern, damit wir die 1.500 durchbringen. Aber es ist nichts ausgeschlossen.“ Das sah auch Ex-Triathlet Matthias Filser so, der die Stafette seit 2008 moderiert und zum zweiten Mal an der Seite von Hannes Blaschke am Mikro stand. „Die Leute hier sind vom Teamgedanken angetrieben und darum boomt die Stafette“, sagte der 50-jährige Filser. „Das Limit ist noch nicht erreicht, denn organisatorisch sind die Jungs sehr professionell. Wenn, dann ist die Anzahl der Starter oder aber die Lokalität ein Grund für eine Grenze – fraglich, ob 2.500 Sportler drin sind.“

Von Schwengeln und Engeln

Die, die sich heuer an den Kampf gegen die Zeit am Wächter des Allgäus gewagt hatten, waren zum Großteil gekommen, um zu sechst Spaß zu haben. Dabei dürften nicht nur die Teams „Only here for the beer“ („Nur hier fürs Bier“) und „Baumis Alkohooligans“ die abendliche Heldenfeier genossen haben. Für Schmunzler sorgten auf der Teilnehmerliste auch die Teams „Gegen uns hätten wir auch gewonnen“, „Gnadenlos chancenlos“, „Die Seitenstecher“, oder „5 Schwengel und 1 Engel“, die auf Rang 166 knapp vor „Dicht gefolgt von schnell ausschauen“ landeten. Übrigens: die Besten aus der Rangliste der lustigen Teamnamen waren als 25. mit nur 17:42 Minuten Rückstand auf den Sieger „5 Muskeltiere und 1 Lauch“.