Formationstanz

Allgäuer gewinnt mit dem Grün-Gold-Club Bremen Europameisterschaft in Wien

Volle Spannung, volle Konzentration: Raban Bottke aus Weiler holte sich am Samstag in Wien mit dem A-Team des GGC Bremen den Europameister-Titel im Latein Formationstanz. Unser Bild zeigt ihn mit seiner Tanzpartnerin Melanie Sotskov.

Volle Spannung, volle Konzentration: Raban Bottke aus Weiler holte sich am Samstag in Wien mit dem A-Team des GGC Bremen den Europameister-Titel im Latein Formationstanz. Unser Bild zeigt ihn mit seiner Tanzpartnerin Melanie Sotskov.

Bild: Angelina Thranow

Volle Spannung, volle Konzentration: Raban Bottke aus Weiler holte sich am Samstag in Wien mit dem A-Team des GGC Bremen den Europameister-Titel im Latein Formationstanz. Unser Bild zeigt ihn mit seiner Tanzpartnerin Melanie Sotskov.

Bild: Angelina Thranow

Sieg bei der EM im Formationstanz Latein: Wie sich Raban Bottke aus Weiler im A-Team des Grün-Gold-Clubs Bremen den dritten Titel holte.
31.05.2022 | Stand: 19:18 Uhr

Hochverdient hat die Lateinformation des Grün-Gold-Clubs Bremen um Trainer Roberto Albanese bei der Europameisterschaft in der österreichischen Hauptstadt Wien ihren EM-Titel verteidigt. Mittendrin in der Jubeltraube: der 23-jährige Raban Bottke aus Weiler. Er freute sich riesig, obwohl es für den Westallgäuer bei Weitem nicht der erste große Erfolg war. Vielmehr machte Bottke mit dem Bremer A-Team, wie kurz berichtet, nach souveränen Siegen bei der deutschen Meisterschaft und der Weltmeisterschaft Ende 2021. das Titel-Triple perfekt. Dazu kam noch, dass die Hanseaten – die so etwas wie der FC Bayern des deutschen Formations-Tanzsports sind – im Frühjahr sich einmal mehr auch den Sieg in der 1. Bundesliga sicherten.

Schwieriges Turnier mit schwieriger Vorbereitung

„Mega zufrieden“ sei er, sagte der 23-jährige Bottke nach dem EM-Finale. „Das war ein sehr schwieriges Turnier mit einer sehr schwierigen Vorbereitung.“ Bottke erläutert die Gründe: „Die Saison war extrem lang, wir hatten dazwischen nicht wirklich Pausen, wo wir uns mal erholen konnten. Das war schon ein Schlauch.“ Sich für die EM noch einmal voll zu motivieren, sei entsprechend schwer gewesen. Die Bremer gingen in Wien nach bisher vier EM-Erfolgen mit ihrer WM-Choreografie „Emozioni“ als Titelverteidiger aufs Parkett. Bottke erinnert sich: „Da mussten und wollten wir eine außergewöhnliche Leistung abliefern, auch weil das jeder von uns erwartet hat.“

Russische Konkurrenz fehlt – dafür dreht der Gastgeber auf

Die letzte EM vor Corona hatte es 2018 in Polen gegeben. Damals waren noch 13 Formationen am Start. In Wien waren es, auch pandemiebedingt, gerade mal acht – so wenige wie noch nie. Dazu kam, dass die russischen Profis, laut Bottke ansonsten die härtesten Konkurrenten des Amateur-Teams aus Bremen wegen des Ukraine-Kriegs ausgeschlossen waren. Dafür habe der Gastgeber seine Chance auf einen Spitzenplatz gewittert und entsprechend aufgedreht. Der HSV Zwölfaxing (bei Wien) nutzte mit einem schwungvollen Auftritt vor 6000 Zuschauern den Heimvorteil und bot Bremen Paroli. Am Ende wurden die Österreicher Zweiter vor der TSG Bremerhaven und FCP Perchtoldsdorf (Österreich).

Sportliche Höchstleistung mit vollem Risiko

Die Hanseaten mit Allgäuer Unterstützung zeigten ein insgesamt weitgehend fehlerfreies Turnier. Getanzt werden bei großen Turnieren in Vor-, Zwischen- und Finalrunde Choreografien mit Elementen aus den fünf Lateintänzen Samba, Cha Cha Cha, Rumba, Paso Doble und Jive. Bewertet werden vier Kriterien: die Bewegung aller Tänzer im Rhythmus und Takt der Musik; die tänzerische Leistung der Formation; die Ausführung der Choreografie (Präzision in Linienführung, Bildern und Abständen, Flächenaufteilung und -nutzung) sowie die Bewegungsabläufe insgesamt. Das bedeutet für die acht Paare jeder Mannschaft drei Mal sechs Minuten volle Konzentration.

„Keinen Zweifel daran gelassen, dass das unser Titel ist“

Das Bremer Team zeigte sich in Wien bei allen drei Durchgängen präzise wie ein Uhrwerk und bot dabei auch einige technische Highlights, beispielsweise beim „Wander-Roundabout“. Hier läuft die Dame an einem Arm hängend in der Hocke um den sich drehenden und im Raum bewegenden Herrn und wird zwischendurch noch bei „Bodenwischern“ herumgewirbelt, wobei die Abstände zwischen den Paaren sehr eng sind und zudem die Formationsbilder wechseln. Sehr anspruchsvoll ist auch der „Potstirrer“, eine Bodenpirouette, bei der sich die Dame auf einem angewinkelten Bein bis zu 18 Mal um die eigene Achse dreht. Die Bremer Formation legte dabei ein hohes Tempo vor, bewahrte aber dennoch die Synchronität. Am Ende gab es vom Kampfgericht 36,56 von 38 möglichen Punkten: „Wir haben eine konstante Leistung gezeigt und keinen Zweifel daran gelassen, dass das unser Titel ist“, sagte Raban Bottke unserer Redaktion.

Vor Millionenpublikum in der RTL-Tanzshow „Let's Dance“

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Der 23-Jährige hatte bereits mit dem B-Team des GGC Bundesliga- und DM-Erfahrung gesammelt, auch als Kapitän. Im Februar 2021 wurde er schließlich ins A-Team berufen. Nur wenige Wochen später trat er mit ihm vor Millionenpublikum in der RTL-Tanzshow „Let's Dance“ auf. Für die Tänzer sei dieser öffentliche Auftritt sehr wichtig gewesen, da ansonsten zu dieser Zeit coronabedingt keine Wettkämpfe stattfanden.

Jetzt kurz durchschnaufen – und dann wieder Titel verteidigen

In nächster Zeit will Raban Bottke während der Sommerpause „etwas runterfahren und durchschnaufen“, bevor die Vorbereitung für die nächsten internationalen Turniere beginnt: Im November steht bei der „Deutschen“ in Bremen ebenso die Titelverteidigung an wie im Dezember bei der WM. Gutes Omen: Sie findet wieder in Wien statt.