Eishockey ESV Kaufbeuren

Den Stier bei den Hörnern gepackt - ESVK schießt sich frei

Eishockey DEL2 ESVK Bayreuth bank horor

Für das Beste im Mann: Die Kaufbeurer (von links) Markus Lillich, Yannik Burghart, Sami Blomqvist und Tyler Spurgeon waren zwar engagiert, doch erst nach Tray Tuomies erster Pausenansprache platzte der Knoten.

Bild: Harald Langer

Für das Beste im Mann: Die Kaufbeurer (von links) Markus Lillich, Yannik Burghart, Sami Blomqvist und Tyler Spurgeon waren zwar engagiert, doch erst nach Tray Tuomies erster Pausenansprache platzte der Knoten.

Bild: Harald Langer

Gegen Bayreuth kämpft der ESVK vor allem mit sich selbst. Doch nach einer Ansprache, dem forschen Auftritt der jungen Wilden und einem scorenden Vorkämpfer fegen die Joker die Tiger 11:3 vom Eis.
30.01.2022 | Stand: 17:19 Uhr

„Oft ist der Mensch selbst sein größter Feind“, wusste schon der römische Philosoph Cicero. Die Spieler des ESV Kaufbeuren haben spätestens in den vergangenen Wochen diese Erfahrung gemacht: Trotz teilweise überzeugenden Leistungen gab es kaum Siege, das kratzte am Selbstbewusstsein, was wiederum weitere Niederlagen nach ängstlichen Vorstellungen nach sich zog. Auch gegen die Bayreuth Tigers hatten die Joker zunächst mit sich selbst zu kämpfen, war die Unsicherheit zu spüren. Doch nach mehreren Weckrufen packte sich der ESVK quasi selbst an den Hörnern und überrannte in der Folgezeit Bayreuth. Das 11:3 zeigte, wozu der ESVK fähig ist, wenn seine Maschinerie frei von Selbstzweifeln läuft. „Auf jeden Fall nehmen wir Selbstbewusstsein aus dem Spiel mit“, sagte deshalb der Spieler des Abends, Johannes Krauß.

Zäher Beginn

Dabei war der Beginn zäh: Kaufbeuren war zwar gefälliger, aber nicht wirklich gefährlich gegen die harmlosen Gäste. Und wenn es doch mal brannte, waren ESVK-Keeper Maximilian Meier und lange auch Bayreuths Timo Herden zuverlässige Rückhalte. „Wir sind durchwachsen gestartet“, gab Johannes Krauß zu. So fiel auch der Spielzug zum 0:1 durch Christian Kretschmann (12.), bei dem das Abwehrverhalten etwas zaghaft war. Die Partie verflachte, bis der ESVK kurz vor Schluss in Überzahl war – aber damit nichts anfangen konnte. Bis Youngster Johannes Krauß eine schöne Kombination abschloss.

Der Trainer spricht

So richtig Optimismus entfachte das in der Pause bei Ordnern und anderem Personal im ansonsten gespenstisch menschenleeren Rund der Erdgas Schwaben Arena nicht. Auch Geschäftsführer Michael Kreitl zuckte bei einem „Mal sehen“ nur die Schultern. Ex-Vorsitzender Karlheinz Kielhorn machte immerhin Hoffnung: Er und andere Funktionäre seien hier, um den Spielern Mut zu machen, „denn die Play-downs kommen näher, wenn wir verlieren“. Ähnliches muss Coach Tray Tuomie auch gesagt haben. „Nach der Ansprache des Trainers sind wir aufgewacht“, erklärte Johannes Krauß. Es war nicht berauschend, aber Kaufbeuren war nun spielbestimmend, zumal Jan Pavlu das frühe 2:1 schoß – wobei der junge Krauß möglicherweise abgefälscht hat (23). Doch Gewissheit kam bei Betrachtern der Partie nicht auf – vielmehr fiel das 2:2 durch Goldhelm Ville Järveläinen (31).

Ein Doppelschlag als Dosenöffner

Doch dieses Mal hatte der ESVK die passende Antwort parat, und zwar mit einem Doppelschlag durch Kapitän Tyler Spurgeon und Philipp Krauß (33.). Das Ereignis war – zumindest in der Partie – der von dem coronakranken Joey Lewis beschworene Ketchup-Flaschen-Effekt: ein Treffer als Dosenöffner. „Wir hoffen jetzt schon auf diesen Effekt“, erklärte Philipp Krauß.

Die Tiger werden überrollt

Die Joker spielten danach das, was sie können, ließen Scheibe und Gegenspieler laufen, waren kombinations- und kampfstark und ballerten dem in der zweiten Pause ausgewechselten Herden und seinem Vertreter, Lukas Steinhauer, einen Puck nach dem anderen ins Netz: Philipp Krauß in Unterzahl (35.), Spurgeon (36.), Johannes Krauß (40.), Markus Schweiger in Überzahl und Yannik Burghart (42.) sowie Pavlu (52.). Järveläinen traf gegen die anschließend im dominanten Trainingsmodus spielenden Joker noch einmal (54.), ehe Goldhelm John Lammers den Schlusspunkt setzte (57.). Der ESVK stand mit einer völlig anderen Körpersprache auf dem Eis, nutzte seine technische Überlegenheit gegen die demoralisierten Tigers gnadenlos aus. Vor allem Kapitän Spurgeon, der mit vollem Einsatz, Checks und Ansprache voranging, die jungen Krauß-Brüder, Burghart, Max Oswald und der nimmermüde Markus Lillich fielen positiv bei dem am Ende deutlichen Statement-Sieg auf.

Die Krauß-Brüder im Treffermodus

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Das Brüderpaar sorgte ohnehin für gute Laune: „Für Johannes freut es mich – vor Kurzem schoss er sein erstes Tor und heute zwei“, sagte Philipp. Johannes wiederum gab das Kompliment an seinen treffsicheren Bruder zurück und meinte bescheiden: „Ich spiele nur meine Rolle, was darüber geht, ist Bonus. Denn Tore erwartet keiner von mir.“ Ihm scheint die Partie jedenfalls Selbstbewusstsein gegeben zu haben und er hofft, dass „wir den Schwung auch mit in die Partie nach Ravensburg nehmen“.

Die AZ-Bilanz des Abends

  • Mann des Abends

Dosenöffner: Vielleicht sollte Tyler Spurgeon hier stehen: Der Kapitän rannte und rackerte, checkte und schoss obendrein zwei Tore. Doch Johannes Krauß war an den beiden ersten Treffern beteiligt und sorgte dafür, dass der ESVK nicht aufgab, stattdessen Selbstbewusstsein tankte und endlich wieder zeigte, was er kann.

  • Zitat des Abends

„Nach dem Doppelschlag ging alles einfach. Und wir haben immer weiter gemacht.“ Philipp Krauß.

  • Zahl des Abends

Vier: So viele Doppelpacks hat es wohl selten bei einem ESVK-Sieg gegeben. Johannes Krauß, sein Bruder Philipp Krauß, Verteidiger Jan Pavlu und Kapitän Tyler Spurgeon trafen allesamt zweifach.