Eishockey-Krimi in Memmingen

ECDC Memmingen: Showdown am Hühnerberg steht bevor

Vor 4514 Zuschauern haben die Memminger Indians am Gründonnerstag in der Eissporthalle am Pferdeturm in Hannover (unser Foto) mit 6:2 gewonnen. Am Ostermontag unterlagen sie dort vor 4156 Zuschauern mit 0:4.

Vor 4514 Zuschauern haben die Memminger Indians am Gründonnerstag in der Eissporthalle am Pferdeturm in Hannover (unser Foto) mit 6:2 gewonnen. Am Ostermontag unterlagen sie dort vor 4156 Zuschauern mit 0:4.

Bild: Nico Jörg

Vor 4514 Zuschauern haben die Memminger Indians am Gründonnerstag in der Eissporthalle am Pferdeturm in Hannover (unser Foto) mit 6:2 gewonnen. Am Ostermontag unterlagen sie dort vor 4156 Zuschauern mit 0:4.

Bild: Nico Jörg

Die Indians standen schon mit mehr als einem Bein im Finale. Doch dann verloren sie zweimal gegen Hannover. Spiel fünf am Mittwoch bringt nun die Entscheidung.
19.04.2022 | Stand: 16:25 Uhr

Das hat es in dieser Eishockey-Saison noch nicht gegeben: Die Memminger Indians haben im vierten Spiel des Halbfinales um die Deutsche Oberliga-Meisterschaft zum ersten Mal in dieser Spielzeit eine Partie beendet, ohne ein Tor geschossen zu haben. Damit fügte der ECDC dieser verrückten, hart umkämpften und unvergesslichen Eishockey-Serie ein weiteres Kuriosum hinzu.

Showdown am Hühnerberg: Nach dem 0:4 am Pferdeturm in Hannover kommt es nun am Mittwoch ab 19.30 Uhr zum Showdown am Hühnerberg. Da die „Best-of-five“-Serie zwischen den beiden „Indians“-Teams jetzt ausgeglichen 2:2 nach Siegen steht, fällt in der fünften Partie die Entscheidung, wer ins Finale gegen die „Eisbären“ aus Regensburg einzieht. Diese haben am Ostermontag durch einen 7:1-Erfolg gegen die „Scorpions“ aus Hannover das erste Finalticket gelöst.

Der zweite Auftritt des ECDC am Pferdeturm ist anders als der erste

Zurück in die Eissporthalle am Pferdeturm im Stadtteil Kleefeld: Dort präsentierten sich die Memminger bei ihrem zweiten Auftritt im Rahmen des Halbfinales wie ausgewechselt im Vergleich zu ihrem 6:2-Triumph am Gründonnerstag. Hatten die Indians aus Hannover in eigener Halle zunächst nicht den Hauch einer Chance gegen ihren Namensvetter aus der Maustadt, so war es in Spiel vier in einer der Kultstätten des deutschen Eishockeysports nun genau andersrum.

Doch das stand zu befürchten. Stichwort: Spiel drei. Eine Partie, über die man wohl nicht nur am Memminger Hühnerberg noch lange reden wird. Man übertreibt nicht und zieht auch keine Vereinsbrille auf, wenn man betont: Hier standen die Memminger Indians bereits mit wesentlich mehr als einem Bein im Finale. Nach der souveränen 4:0-Führung des ECDC stellte sich eigentlich nur noch eine Frage: Wie hoch würde der Sieg ausfallen, durch den die Memminger zum ersten Mal in ihrer 30-jährigen Geschichte ins Oberliga-Finale einziehen würden?

Hannover gibt nicht auf: Doch der EC Hannover (ECH) gab sich – wie bereits bei den Niederlagen in Spiel eins und zwei – nie auf. Bis in die Verlängerung hinein, als Robin Palka nach einem folgenschweren Scheibenverlust von Memmingens Top-Verteidiger Linus Svedlund den 5:4-Siegtreffer für die Hannover erzielte.

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Parker Bowles erhält zu viel Platz: Wer gehofft hatte, dass die Spieler des ECDC diesen brutalen Nackenschlag während der rund 600 Kilometer langen Busfahrt auf der A7 aufgearbeitet hatten, sah sich beim zweiten Spiel in der niedersächsischen Landeshauptstadt eines Besseren belehrt.

Die Memminger Verteidigung lässt Parker Bowles zu viel Raum

Bereits in den ersten drei Spielen hatte ECH-Topstürmer Parker Bowles mehrfach demonstriert, dass man ihm keinen Zentimeter zu viel gewähren darf. Stattdessen ließen ihn die ECDC-Verteidiger erneut an der langen Leine laufen. Der unbedrängte Bowles zog in der zweiten Spielminute hart ab, brachte sein Team mit 1:0 in Führung und verwandelte „den Pferdeturm“ in ein Tollhaus.

Aus dem Nichts heraus fällt das 2:0: Und wenn Du kein Glück hast, kommt auch noch Pech dazu: Die Memminger Indians bestimmten zu Beginn des zweiten Drittels das Spiel. Es schien eigentlich nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Ausgleich fallen würde. Doch an diesem Abend gelang ihnen einfach nichts. Die ECH-Verteidigung blockte unzählige Schüsse, und was aufs Tor kam, war sichere Beute des überragenden Goalies David Miserotti-Böttcher.

Nach einer eigentlich harmlosen Situation, als ECDC-Verteidiger Moritz Raab die Scheibe hinter dem eigenen Tor sicherte, versprang der Puck so unglücklich, dass er Jayden Schubert direkt vor die Füße fiel. Der ehemalige Sonthofener musste am verdutzten ECDC-Goalie Marco Eisenhut vorbei nur noch einschieben. Es stand 2:0 für Hannover. Mehr als 4000 ECH-Fans konnten ihr spätes Halbfinalglück kaum fassen. Die Halle stand kopf.

ECDC-Trainer Sergej Waßmiller stellt seine Reihen um

Hafenrichter vertändelt die Scheibe: ECDC-Memmingens Trainer Sergej Waßmiller reagierte und stellte in der zweiten Drittelpause seine Angriffsreihen um. Sergei Topol rückte für Ludwig Nirschl in die dritte Reihe, Milan Pfalzer für Jaroslav Hafenrichter in die erste Reihe. Doch es wurde nicht besser. Im Gegenteil: In der 48. Minute vertändelte Hafenrichter in der neutralen Zone die Scheibe. Hannover bedankte sich für das Geschenk: ECH-Kapitän Branislav Pohanka stürmte in Richtung ECDC-Tor und hämmerte den Puck zum 3:0 in die Maschen.

Mallorca muss warten: Nachdem die Schiedsrichter in der 56. Minute die erste Strafzeit des Spiels ausgesprochen hatten, und zwar gegen Hannover, setzte Waßmiller alles auf eine Karte und nahm Goalie Eisenhut vom Eis. Doch selbst in doppelter Überzahl wollte den Memmingern noch nicht einmal der Ehrentreffer gelingen. Stattdessen versenkte Pohanka den Puck zum 0:4 im leeren ECDC-Gehäuse.

Hannover-Fans singen: „Am Mittwoch schmeißen wir Euch raus“

Die fast schon ausgeschiedenen Indians aus Hannover „müssen“ nun ihre Saisonabschlussfahrt nach Mallorca verschieben. Stattdessen dürfen sie ein drittes Mal in die Maustadt kommen. Was sie dort vorhaben, erschallte nach der Partie aus mehr als 4000 Kehlen: Unter den Klängen von „Und am Mittwoch schmeißen wir Euch raus“, machten sich die bedröppelten Memminger vom Eis.

Am Mittwoch spielen die Indians wieder mit „siebtem Mann“: Diesmal wurde der ECDC von höchstens 50 Fans begleitet. Am Gründonnerstag, auf den ein arbeitsfreier Feiertag folgte, hatten sich noch zwei Fanbusse und ungezählte private Pkw auf den Weg nach Hannover gemacht. Am Mittwoch können sich die Memminger Indians im „Hexenkessel Hühnerberg“ nun wieder voll auf ihre Fans, ihren „siebten Mann“, verlassen. Falls sie dann ihren dritten Matchball verwandeln und Hannover die Abschlussfahrt nach Mallorca gönnen, ginge es für sie am Freitag ab 20 Uhr am Hühnerberg mit dem ersten Finalspiel gegen Regensburg weiter. Falls sie das dritte Spiel in Folge gegen Hannover verlieren, können die Memminger Spieler selbst Urlaubspläne schmieden.

Das vierte Halbfinalspiel des ECDC in der Zusammenfassung

  • Ergebnis: EC Hannover – ECDC Memmingen 4:0 (1:0; 1:0; 2:0).
  • Tore: 1:0 (2.) Bowles (Aichinger, Turnwald), 2:0 (28.) Schubert (Pohanka), 3:0 (48.) Pohanka (Schubert, Mieszkowski), 4:0 (58.) Pohanka (Miserotti-Böttcher, Turnwald; ENG).
  • Zuschauer: 4156.
  • Strafminuten: Hannover sieben – Memmingen fünf.
  • Referees: Schiedsrichter: Lehnhart und Hoppe; Linienrichter: Huttenlocher und Voss.
  • Kader: Für den ECDC spielten: Torhüter: Eisenhut (60:00), Vollmer – Verteidigung: Kittel, Svedlund; Raab, Kasten; Stange, Schirrmacher; Bergen, Jiranek – Angriff: Hafenrichter, Peter, Pohl; Topol, Ahlroth, Pekr; Nirschl, Lukes, Huhn; Abstreiter, Hofmann, Pfalzer.