Ein Allgäuer bei der Fußball-WM

Mario Götzes erster Trainer im Interview: "Mario hatte auf dem Platz schon immer den Rundumblick"

Michael Schmalholz (links) war der erste Jugendtrainer von Mario Götze (in der Mitte beim Jubel nach seinem Tor im WM-Finale 2014 und rechts im Trikot des SC Ronsberg).

Michael Schmalholz (links) war der erste Jugendtrainer von Mario Götze (in der Mitte beim Jubel nach seinem Tor im WM-Finale 2014 und rechts im Trikot des SC Ronsberg).

Bild: Erwin Hafner, Abedin Taherkenareh/dpa, SC Ronsberg (Archiv)

Michael Schmalholz (links) war der erste Jugendtrainer von Mario Götze (in der Mitte beim Jubel nach seinem Tor im WM-Finale 2014 und rechts im Trikot des SC Ronsberg).

Bild: Erwin Hafner, Abedin Taherkenareh/dpa, SC Ronsberg (Archiv)

Beim SC Ronsberg im Allgäu hat WM-Teilnehmer Mario Götze seine Leidenschaft für Fußball entdeckt. Sein erster Trainer Michael Schmalholz erinnert sich.
14.11.2022 | Stand: 06:41 Uhr

26 Jahre ist es her, da entdeckte Mario Götze als vierjähriger Knirps beim Ostallgäuer Dorfverein SC Ronsberg seine Leidenschaft für den Fußball. Nun, einen WM-Titel, fünf Deutsche Meistertitel sowie zahlreiche Rückschläge später, fährt der 30-jährige Mittelfeldspieler überraschend mit zur Fußball-Weltmeisterschaft. Sein erster Jugendtrainer, Michael Schmalholz, erzählt, wie die Karriere des Weltklasse-Spielers im Allgäu begann und was er seinem ehemaligen Schützling in Katar zutraut.

Herr Schmalholz, wie haben Sie Mario Götze in jungen Jahren beim SC Ronsberg erlebt?

Michael Schmalholz: Eigentlich war Mario damals noch zu jung für die F-Jugend. Doch sein zwei Jahre älterer Bruder Fabian kickte im Team und Mario wollte unbedingt mitmachen. Er hatte von Beginn an Talent, nie Angst und einen guten Blick für seine Mitspieler. So wie heute auch.

Wie lang haben Sie ihn trainiert?

Schmalholz: Gemeinsam mit Helmut Albat etwa zwei Jahre. In der ersten Saison hat er noch nicht in den Punktspielen mitgespielt, später dann schon. Da war aber noch nicht abzusehen, dass seine Karriere mal so eine rasante Entwicklung nehmen würde.

Lang ist es her: Mario Götze (vorne, Zweiter von rechts) als Einlaufkind bei einem Spiel des SC Ronsberg.
Lang ist es her: Mario Götze (vorne, Zweiter von rechts) als Einlaufkind bei einem Spiel des SC Ronsberg.
Bild: SC Ronsberg (Archivbild)

Dann kam der Umzug seiner Familie nach Dortmund. Wie haben Sie seine weiteren Schritte verfolgt?

Schmalholz: Kontakt war in den folgenden Jahren immer da. Meine Eltern und Marios Großeltern waren in Ronsberg direkte Nachbarn. Da hat man über den Gartenzaun immer die neuesten Entwicklungen erfahren - etwa seinen Wechsel in die Jugend des BVB. Ab und zu war Mario auch zu Besuch in Ronsberg. Mittlerweile sind seine Großeltern aber leider verstorben.

Wann hatten Sie zuletzt persönlich Kontakt zu Götze?

Schmalholz: 2013, nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Bayern München, war ich bei einem Training der Bayern. Da hat er sich ein paar Minuten Zeit genommen.

Das absolute Karriere-Highlight folgte ein Jahr später in der 113. Minute des WM-Finals gegen Argentinien. Wie haben Sie diesen Moment erlebt?

Schmalholz: Alle im Ort haben sich wahnsinnig gefreut, waren stolz auf Mario. Sein Opa hatte vor dem Finale sogar noch gesagt: "Wenn er eingewechselt wird, schießt er ein Tor".

Helmut Albat, gemeinsam mit Michael Schmalholz erster Trainer von Mario Götze beim SC Ronsberg, hält auf dem Gelände des Fußballvereins einen Rahmen mit Erinnerungsfotos sowie einer Kopie des Spielerpasses von Mario Götze in die Kamera.
Helmut Albat, gemeinsam mit Michael Schmalholz erster Trainer von Mario Götze beim SC Ronsberg, hält auf dem Gelände des Fußballvereins einen Rahmen mit Erinnerungsfotos sowie einer Kopie des Spielerpasses von Mario Götze in die Kamera.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archivbild)

Danach folgten schwierige Jahre für ihren ehemaligen Schützling. Wie bewerten Sie diese Phase seiner Karriere?

Schmalholz: Meiner Meinung nach, ist er zu früh zum FC Bayern gewechselt. Dort wurde er dann irgendwann fallen gelassen. Anschließend folgten viele Verletzungen - auch als er wieder zurück beim BVB war. Da leidet man natürlich mit.

Im Herbst 2020 entschied sich Götze für den Wechsel in die Niederlande zur PSV Eindhoven. Hat sich dieser sportliche Rückschritt gelohnt?

Schmalholz: Offensichtlich. Bei Eindhoven und seit dieser Saison bei Eintracht Frankfurt hat er wieder Vertrauen vom Trainer und zeigt wieder das, was er wirklich kann.

Nun hat ihn Bundestrainer Hansi Flick etwas überraschend für die WM in Katar nominiert. Haben Sie damit gerechnet?

Schmalholz: Ehrlich gesagt nicht, aber mich freut es sehr. Am Tag der Bekanntgabe des Kaders habe ich richtig mitgefiebert. Es ist einfach cool, dass er wieder dabei ist.

Wie kann er dem deutschen Team bei der WM helfen?

Schmalholz: Mario kann für die Mannschaft sehr wertvoll werden. Er hat auf dem Platz den Rundumblick, den hatte er schon immer. Er sieht Räume, die andere nicht sehen und er ist wieder richtig fit. Außerdem weiß Flick, wie er mit Mario umgehen muss, denn er ist ein sehr sensibler Spieler. Stammspieler wird er wohl nicht sein. Ich lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren.

Zur Person Michael Schmalholz:

Mario Götzes Jugendtrainer stammt aus Ronsberg. Beim heutigen Kreisligisten SC Ronsberg war der 44-Jährige viele Jahre als Spieler und Trainer aktiv. Seit dieser Saison trainiert er den Bezirksligisten TSV Ottobeuren.

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