Sportliche Tops und Flops

Die Allgäuer Sporthighlights des Jahres: Zwischen Lockdown und Lockerheit

Sie gibt den (Erfolgs)-Takt vor: Lisa Brennauer aus Durach krönte ein herausragendes Jahr 2021 mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. Der Bahnrad-Vierer der Frauen wurde zudem als „Mannschaft des Jahres 2021“ ausgezeichnet.

Sie gibt den (Erfolgs)-Takt vor: Lisa Brennauer aus Durach krönte ein herausragendes Jahr 2021 mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. Der Bahnrad-Vierer der Frauen wurde zudem als „Mannschaft des Jahres 2021“ ausgezeichnet.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Sie gibt den (Erfolgs)-Takt vor: Lisa Brennauer aus Durach krönte ein herausragendes Jahr 2021 mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. Der Bahnrad-Vierer der Frauen wurde zudem als „Mannschaft des Jahres 2021“ ausgezeichnet.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Die Sportredakteure der Allgäuer Zeitung blicken auf ein Jahr voller Höhepunkte zurück. Radprofi Lisa Brennauer ragt heraus - ebenso wie die Nordische Ski-WM.
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Von Allgäuer Zeitung
30.12.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Die Sportredakteure der Allgäuer Zeitung blicken auf das Sportjahr 2021 zurück, in dem es trotz der Pandemie einige Höhepunkte gab. Die sportlichen Tops und Flops des Jahres sowie Wünsche für 2022:

Thomas Weiß (53, Leiter der Sportredaktion)

  • Top: Skispringer Karl Geiger hat der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf mit seinen vier Medaillen den Stempel aufgedrückt. Wer jemals auf einer Schanze von ganz oben nach ganz unten geblickt hat, weiß, was sich der 28-jährige Oberstdorfer all die Jahre mühsam erarbeitet hat. Schön, dass er so authentisch und bodenständig geblieben ist.
  • Flop: Der unrühmliche Abgang von Alfons Hörmann aus Sulzberg als DOSB-Präsident. Bis heute ist unklar, welche Schuld er selbst daran trägt oder ob er – wie er stets behauptete – tatsächlich Opfer einer Intrige wurde. Dann wäre es jetzt an der Zeit, die Fakten auf den Tisch zu legen.
  • Spruch des Jahres: „Logo im Rasen – geht auch ohne Farbe“. (Kotterns Fußballer zeigen den Comets, was ein Bildbearbeitungsprogramm heute alles kann ... )
  • Traumschlagzeile: „Karl, der Große, holt 20 Jahre nach Hannawald den Gesamtsieg bei der Tournee.“

Ronald Maior (37, Immenstadt)

  • Top: Weltrekord in Burgberg! Triathlon-Superstar Jan Frodeno beschert der Grüntengemeinde ein berauschendes Dorffest. Obwohl der 18. Juli düster und verregnet ist, glänzt der dreifache Ironman-Weltmeister in einem medial inszenierten Großereignis im spektakulären Duell mit Lionel Sanders mit neuem Weltrekord von 7:27:53 Stunden über die Langdistanz. Weltweit schauen 115 Millionen aus 70 Ländern ins Oberallgäu.
  • Flop: Es ist kein Flop, aber ein kolossales Loch, das ein Doppel-Rücktritt in der Kreisstadt hinterlässt. Mit Selina Jörg und Sebastian Eisenlauer verliert Sonthofen Publikumslieblinge und zwei Größen.
  • Spruch des Jahres. „Zlatan hat nicht Corona. Corona hat Zlatan. Aber Du bist nicht Zlatan – fordere das Virus nicht heraus.“ (Zlatan Ibrahimovic)
  • Traumschlagzeile 2022: „Offene Türen, volle Ränge, ungezügelte Emotionen! Der Sport verbindet die Menschen endlich wieder.“

Benedikt Siegert (27, Füssen)

  • Top: Zum zweiten Mal holten die Füssener Curlerinnen um Daniela Jentsch Bronze bei der Europameisterschaft. Dass es nur wenige Tage später nicht für die Olympia-Qualifikation langte, trübt die Freude zwar etwas. Aber das deutsche Curling, das sonst eher ein Schattendasein führt, darf stolz sein auf seine erfolgreichsten Athletinnen der vergangenen Jahre.
  • Flop: Das unwürdige Ende des 50 Kilometer Skiathlons bei der WM in Oberstdorf. Johannes Høsflot Klæbo war dabei der Sieg nach einem Gerangel mit dem Russen Alexander Bolshunov aberkannt worden. Es folgten unzählige Diskussionen und Schuldzuweisungen.
  • Spruch des Jahres: „Die Fohlenelf heute mit starkem Pressing.“ (Fabian Merk vom TSV Roßhaupten, nachdem zwei Pferde bei einer Partie in der Fußball-B-Klasse auf das Spielfeld galoppiert waren)
  • Traumschlagzeile 2022: „Philipp Nawrath holt Olympia-Gold“
Weltrekord im Allgäu: Jan Frodeno lief die Langdistanz des Triathlons unter siebeneinhalb Stunden.
Weltrekord im Allgäu: Jan Frodeno lief die Langdistanz des Triathlons unter siebeneinhalb Stunden.
Bild: Dominik Berchtold

Manfred Jörg (53, Memmingen)

  • Top: All die Sportlerinnen und Sportler, die Stärke gezeigt haben, indem sie öffentlich Schwächen eingestanden – wie zum Beispiel Tennisspielerin Naomi Osaka und Turnerin Simone Biles. Diese Vorbilder haben gezeigt, wie wichtig mentale Gesundheit im Sport geworden ist.
  • Flop: „Sportsmänner“ wie Markus Anfang, der Trainer von Werder Bremen. Er soll seinen Impfpass gefälscht haben. Wer auf solche Ideen kommt, hat nicht verstanden, um was es für uns alle geht.
  • Spruch des Jahres: „Mein Gott, Männer, schüttelt Euch einmal durch und lasst das einfach mal zu, dass auch eine Frau eine entscheidende Funktion begleitet.“ (Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Steffi Jones, die sich vorstellen kann, Präsidentin des Deutschen Fußball-Bundes zu werden)
  • Traumschlagzeile 2022: „Der FC Bayern rutscht auf seinen Affären aus. Borussia Dortmund zieht vorbei und wird Deutscher Meister.“

Tobias Giegerich (33, Kempten)

  • Top: Beeindruckend, wie sich Michaela Zimmermann nach ihrer Corona-Infektion ins Leben zurückgekämpft hat. Die Nachwirkungen beeinträchtigen die 46-jährige frühere Profi-Taekwondoka im Alltag immer noch extrem – aber die Kaufbeurerin lässt sich nicht unterkriegen und ging mit ihrer Geschichte sogar an die Öffentlichkeit.
  • Flop: Es war nicht das Jahr der Trainer bei den Allgäuer Top-Klubs. Erst verließ Rob Pallin Anfang Oktober den Eishockey-Zweitligisten ESV Kaufbeuren, einige Wochen später gingen Esad Kahríc und Fußball-Regionalligist FC Memmingen getrennte Wege.
  • Spruch des Jahres: „Schwere Verletzungen hatte ich zum Glück nicht – am schlimmsten waren die vielen Zahnoperationen.“ (ESVK-Legende Daniel Oppolzer nach seinem Karriereende)
  • Traumschlagzeile 2022: „Rettenberger on fire: Max Günther holt sich den Titel in der Formel E.“

Benjamin Schwärzler (39, Weiler)

  • Top: Zweiter bei der Schlussetappe der Tour de l’Avenir, Debüt bei der EM im Straßenfahren in der Elite – und als Krönung der erste Profivertrag: Radsportler Georg Steinhauser (20) aus Scheidegg ist einer der besten Nachwuchsfahrer Deutschlands. Und das, obwohl er wegen seiner Ausbildung zum Metallbauer nur in Teilzeit trainieren kann.
  • Flop: All diejenigen, die ihre Mitgliedschaft im Sportverein gekündigt, weil sie aufgrund der Corona-Einschränkungen „zu wenig Gegenleistung“ bekommen haben. Ein Sportverein ist mehr als nur ein Dienstleister – und gehört gerade in schweren Zeiten unterstützt.
  • Spruch des Jahres: „Wir wollen einen Tag vor dem ersten Advent alle Kerzen zum Brennen bringen.“ (Trainer Jürgen Kopfsguter vom Fußball-Landesligisten FV Weiler)
  • Traumschlagzeile 2022: „Impfquote steigt, Inzidenz sinkt: Sport endlich wieder dauerhaft ohne Einschränkungen möglich.“
Bei der Europameisterschaft in Lillehammer gewannen die deutschen Curling-Frauen um das Füssener Trio (von links) Analena Jentsch, Skip Daniela Jentsch (Skip) und Emira Abbes die Bronzemedaille.
Bei der Europameisterschaft in Lillehammer gewannen die deutschen Curling-Frauen um das Füssener Trio (von links) Analena Jentsch, Skip Daniela Jentsch (Skip) und Emira Abbes die Bronzemedaille.
Bild: Benedikt Siegert

Noa Hüper (23, Kempten)

  • Top: Sensationelles WM-Silber in der Abfahrt für Skirennfahrer Andreas Sander (32). Der Wahl-Allgäuer rast im südtiroler Cortina d’Ampezzo mit Startnummer zwei auf Rang zwei und feiert damit seinen größten Karriereerfolg. Im Ziel fehlt dem gebürtigen Westfalen, der in Burgberg lebt, nur eine Hundertstelsekunde auf Sieger Vincent Kriechmayr aus Österreich.
  • Flop: Volles Haus bei der Darts-WM in London: Täglich 3000 Zuschauer, dicht aneinander gedrängt und ohne Masken im Alexandra Palace – trotz extrem hoher Inzidenz im Vereinigten Königreich.
  • Spruch des Jahres: „Es ist schön, mal wieder 82 Millionen Bundestrainer zu haben und nicht 82 Millionen Virologen.“ (Leon Goretzka im Rahmen der Fußball-EM)
  • Traumschlagzeile 2022: „Allgäuer im DFB-Kader für Katar: Bundestrainer Hansi Flick nominiert Kevin Volland für Fußball-WM.“

Luke Maguire (26, Kempten)

  • Top: Der Sport musste sich schon zwei Jahre hintanstellen. Doch in den Momenten, als die Kicker auf dem Platz, die Eishockey-Cracks auf dem Eis und die Ringer auf der Matte standen, kehrte wieder Normalität zurück. Danke dafür!
  • Flop: Im April zeigte der Profifußball, wie Geldgier den Sport kaputt machen kann. Die „Unersättlichen“ wollten eine Super League gründen und sprachen von mehr Attraktivität für Vereine und Fans. Es ging aber mal wieder ums Geld. Ein großer Dank gilt den Fans, die sich dem entgegengestellt haben.
  • Spruch des Jahres: „Wenn er mich nach viereinhalb Jahren rausschmeißt, geb ich ihm auch noch einen Kuss.“ (Herthas Trainer Pal Dardai – dessen erste Amtszeit so lange gedauert hatte – in Richtung von Sportdirektor Arne Friedrich)
  • Traumschlagzeile 2022: „Kein Corona mehr: Alle Sportarten finden wieder ohne Einschränkungen statt.“

Markus Frobenius (58, Kaufbeuren)

  • Top: TSV Westendorf. Die Ringer hatten diese Saison nicht nur mit den Gegnern, sondern auch mit Corona zu kämpfen: Da zeigte der Ostallgäuer Oberligist klare Kante: Alle Ringer sind geimpft und testen sich permanent freiwillig. Und für Falschangaben oder fahrlässigen Umgang in Sachen Corona gebe es beim Verein „null Komma null Verständnis“.
  • Flop: Die Fifa: Die Idee ihres Präsidenten Gianni Infantino, alle zwei Jahre eine WM zu veranstalten, hat 4,4 Milliarden Gründe: So viel Dollar soll der theoretisch ehrenamtliche Verband nämlich durch den neuen Modus mehr einnehmen.
  • Spruch des Jahres: „Keine Ahnung. Ich bin reingelaufen, fand’s geil und bin wieder rausgelaufen.“ (Laura Ludwig, deutsche Fahnenträgerin auf die Frage, wie sie die Olympia-Eröffnungsfeier in Tokio fand)
  • Traumschlagzeile 2022: „Nicht zu fassen: Die Saison 2023 fängt ganz normal an.“
Krönung bei der Heim-WM: Karl Geiger gewann in Oberstdorf vier Medaillen, darunter zwei Mal Gold.
Krönung bei der Heim-WM: Karl Geiger gewann in Oberstdorf vier Medaillen, darunter zwei Mal Gold.
Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Jürgen Lutz (62, Kempten)

  • Top: Motorsportler Luca Engstler aus Kempten, der mit gerade mal 21 Jahren in der vergangenen Saison die deutsche Rennserie ADAC TCR Germany gewonnen hat und Weltmeister der Junioren in der WCTR-Serie für Tourenwagen wurde.
  • Flop: Alle Sportler, die sich in der Corona-Krise aus nicht notwendigen Gründen nicht haben impfen lassen. Damit haben diese nicht nur ihre Sportkameraden gefährdet, sie haben auch nichts dagegen unternommen, das Virus zu bekämpfen. Wie schade, dass die Gedankenlosen, auch in der Gesellschaft, noch viel zu viele sind.
  • Spruch des Jahres: „Der Club ist furchtbar und schön zugleich, sodass ich sagen muss, er ist furchtbar schön. Er ist bewegend und bewegt, er ist ein Gedicht, das du nicht interpretieren kannst. Er ist so wie das Leben.“ (Radio-Legende Günther Koch über den 1. FC Nürnberg)
  • Traumschlagzeile 2022: „Corona ade – die Fans sind zurück!“

Andreas Filke (60, Marktoberdorf)

  • Top: „Das ist eine Goldmedaille auch für das Ostallgäu“, war Landrätin Maria Rita Zinnecker nach dem Olympiasieg von Lisa Brennauer aus dem Häuschen. Der Günzacher Radsportclub Allgäu stand sowieso Kopf: Gold in Weltrekordzeit vom Gründungsmitglied. Es gab weitere Titel. Das mündete für Brennauer und den Bahnrad-Vierer in der Wahl zur Mannschaft des Jahres.
  • Flop: In der Landesliga hatten sie gekickt, viele Jahre in der Bezirksoberliga. Nach der Ligenreform ging es bergab mit dem TSV Marktoberdorf. Nun das Aus. Kein Fußball mehr. Nicht bei den Erwachsenen, nicht bei Jugend. Jammerschade.
  • Spruch des Jahres: „Wir haben sowieso nicht viele Zuschauer. Aber Geisterspiele sind unangenehm.“ (Verena Wieder aus Thalhofen, Bundesliga-Fußballerin bei Bayer Leverkusen)
  • Traumschlagzeile 2022: „Der Sport kehrt in den Alltag zurück.“

Karl-Heinz Wick (60, Kempten)

  • Top: Mit Andreas Sander (Burgberg) und Alexander Schmid (Fischen) hat das Allgäu endlich wieder alpine Skirennläufer, die sich mit den besten der Welt messen können. Zu diesem Kreis zählt auch der zurzeit verletzte Stefan Luitz (Bolsterlang).
  • Flop: Bei den alpinen Frauen sieht es dagegen mehr als mau aus: keine Allgäuerinnen in Sicht, die mittelfristig im Weltcup in die Top Ten fahren könnten. Traurig – gerade im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele im Februar in Peking.
  • Spruch des Jahres: „Ich habe meinen Teamkollegen Alexander Nübel gefragt und wollte als Knecht Ruprecht meinen Bruder Robin einfliegen lassen, der hätte sich nicht mal umziehen müssen.“ (Fußball-Nationalspieler Kevin Volland aus Marktoberdorf zum Thema Nikolaus für seine kleinen Töchter)
  • Traumschlagzeile 2022: „Eingebürgert: Mikaela Shiffrin beendet Misere bei deutschen Ski-Frauen.“
Lange vermisst: 2021 gab es wieder Zuschauer in den Sportstätten – wie hier beim EV Füssen.
Lange vermisst: 2021 gab es wieder Zuschauer in den Sportstätten – wie hier beim EV Füssen.
Bild: Benedikt Siegert