Verbrechen

15 Jahre nach dem Verschwinden hoffen Maddies Eltern weiter

Gerry McCann und seine Frau Kate suchten 2007 öffentlich nach ihrer verschwundenen Tochter.

Gerry McCann und seine Frau Kate suchten 2007 öffentlich nach ihrer verschwundenen Tochter.

Bild: Soeren Stache, dpa (Archivbild)

Gerry McCann und seine Frau Kate suchten 2007 öffentlich nach ihrer verschwundenen Tochter.

Bild: Soeren Stache, dpa (Archivbild)

Vor 15 Jahren verschwand die kleine Madeleine McCann. Heute sitzt ein Mann in Haft, der einst in Augsburg lebte. Wie die Familie die neue Situation beurteilt.
03.05.2022 | Stand: 09:54 Uhr

Auf den Tag genau 15 Jahre ist es her, dass Madeleine McCanns Eltern die damals Dreijährige an einem lauen Frühlingsabend in einer Ferienanlage in Praia da Luz schlafen legten, um mit Freunden in einem nahe gelegenen Restaurant Tapas zu essen. Die Erwachsenen, die in dem Ort an der portugiesischen Algarve Urlaub machten, wechselten sich ab, um nach den Kindern zu schauen. Als Madeleines Mutter Kate McCann gegen 22 Uhr erneut in das Zimmer ihres Kindes ging, musste sie feststellen, dass das Bett der Tochter leer war. Maddie war verschwunden.

Man braucht auch heute noch nur den Namen „Maddie“ auszusprechen, schon ist der Fall für Menschen in ganz Europa wieder präsent. Denn auf das Verschwinden des blonden Mädchens aus Großbritannien folgte 2007 eine riesige Suchaktion der britischen und portugiesischen Behörden und ein geradezu gigantisches Interesse der Medien. Viele Eltern mit kleinen Kindern identifizierten sich damals mit der Situation. Sie wussten: Das hätte mir auch passieren können. In ganz Europa stellte man sich damals die Fragen: Wo ist Maddie? Und was ist mit ihr passiert?

Noch immer ist der Fall der entführten Maddie nicht geklärt. Dieses Foto entstand 2017.
Noch immer ist der Fall der entführten Maddie nicht geklärt. Dieses Foto entstand 2017.
Bild: Steve Parsons, PA Wire/dpa

Während in den ersten Jahren nach der mutmaßlichen Entführung der damals Dreijährigen mit den strahlend blauen Augen die Ermittlungen durch die Polizei in eine Sackgasse führten, kam es nun womöglich zu einem Durchbruch. Portugiesische Behörden haben vor gut einer Woche Christian B. zu einem offiziellen Tatverdächtigen ernannt. Dabei handelt es sich um einen wegen Kindesmissbrauchs verurteilten 45-jährigen Deutschen, der zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden an der Algarve lebte, und den die Fahnderinnen und Fahnder schon seit 2020 im Visier haben. Er gilt als verdächtig, die damals Dreijährige entführt und getötet zu haben.

In Schwaben sorgte die Nachricht von Christian B.s Festnahme für besonders viel Aufmerksamkeit. Der Tatverdächtige hatte zeitweise auf dem Augsburger Schlachthofgelände gelebt, pendelte just zur Tatzeit regelmäßig zwischen der Fuggerstadt und Portugal.

Maddies potentieller Mörder pendelte von Augsburg nach Portugal

Lesen Sie auch
##alternative##
Justiz

Fall Madeleine: Ermittler haben neue Beweise gegen deutschen Straftäter Christian B.

Für die Eltern war die Zeit nach Maddies mutmaßlicher Entführung in mehrfacher Hinsicht dramatisch. Denn während Medien im Vereinigten Königreich das Elternpaar bei ihrer Suchkampagne zunächst unterstützten, nahmen sie die Familie später ins Visier, verdächtigten die Eltern zeitweise sogar selbst.

In einem 2011 veröffentlichten Buch der McCanns mit dem Titel „Das Verschwinden unserer Tochter und die lange Suche nach ihr“ beklagte sich Vater Gerry McCann überdies über die Arbeit der britischen Polizei. „Unsere Tochter und wer auch immer sie mitgenommen hat, sind da draußen. Wir brauchen Ihre Hilfe, um sie zu finden“, schrieb er damals. Die Metropolitan Police richtete im selben Jahr eine Sondereinheit ein, die sich nach wie vor mit dem Fall befasst. Charlie Hedges, ehemaliger Leiter einer Abteilung zum Schutz von Kindern bei der „National Crime Agency“, betonte diese Woche jedoch, dass die Ermittlungen nicht ewig fortgesetzt werden könnten. Die Polizei solle den Fall jedoch regelmäßig wieder in die Hand nehmen.

So erinnert Familie McCann an Maddie

Jetzt, 15 Jahre nach dem Verschwinden Maddies, ist das Interesse an dem Fall in den britischen Medien groß. Vor allem, nachdem es nun einen offiziell Tatverdächtigen gibt. Ende April gaben Maddies Eltern eine Erklärung ab: „Wir begrüßen die Nachricht, dass die portugiesischen Behörden einen Deutschen im Zusammenhang mit dem Verschwinden unserer geliebten Tochter Madeleine zum ‚offiziell Tatverdächtigen‘ erklärt haben. Und: „Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Madeleine noch lebt und wir wieder mit ihr vereint sein werden.“

Die McCanns, beide Mediziner, leben heute in einem Dorf namens Rothley im Zentrum Englands. Ihre beiden weiteren Kinder, die Zwillinge Sean und Amelie, sind mittlerweile Teenager. Sie waren erst zwei Jahre alt, als Maddie verschwand, und schliefen damals im selben Raum. Im Angedenken an Maddie veranstaltet die Familie am Jahrestag einen Gottesdienst.