Flut im Ahrtal

Deutscher Wetterdienst will sein Flut-Warnsystem verbessern

Die Flut traf Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit voller Wucht – trotz Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Die Flut traf Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit voller Wucht – trotz Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Bild: Thomas Frey, dpa

Die Flut traf Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit voller Wucht – trotz Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Bild: Thomas Frey, dpa

Nach der Flutkatastrophe vor einem Jahr zieht der DWD Konsequenzen. Die Behörde wird ihr Warnsystem umfassend ändern. Welche Rolle Comics dabei spielen könnten.
13.07.2022 | Stand: 22:15 Uhr

186 Menschen starben, mehr als 766 Menschen wurden verletzt – und zwei werden bis heute vermisst. Das ist die fatale Bilanz der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands am 14. Juli 2021. Dabei hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereits in den Tagen zuvor teils deutliche Hochwasserwarnungen ausgesprochen. Die Bundesbehörde zieht daraus nun ihre Konsequenzen – und will ihr Warnsystem verbessern.

„Die frühzeitigen und zutreffenden Warnungen des DWD wurden damals noch nicht optimal genutzt. Deshalb passen wir unser Warnsystem an“, kündigte das für die Wettervorhersage zuständige DWD-Vorstandsmitglied Renate Hagedorn an. Die Warnungen sollen verständlicher und auf Nutzerinnen und Nutzer individuell zugeschnitten werden.

Baukastensystem: Unwetterwarnungen sollen individuell ausgespielt werden

Via „WarnWetter-App“, auf der Internetseite des DWD und notfalls über das Warnsystem des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das auch Funk und Fernsehen beinhaltet, erhalten Bürger und Behörden aktuell die Unwetterwarnungen. Auch in anderen Medien und Apps werden die Hinweise oft aufgegriffen. Künftig sollen Nutzer per Baukastensystem in der App Warnungen, Vorhersagen und andere Dienste an die eigenen Bedürfnisse anpassen können. Diese seien schließlich sehr unterschiedlich, sagt DWD-Sprecher Uwe Kirsche unserer Redaktion: „Wenn man beruflich mit Außenanstrichen zu tun hat, sind überspitzt gesagt schon fünf Regentropfen zu viel. Die meisten Menschen dürfte diese Menge aber gar nicht interessieren.“

Geplant sind beispielsweise weniger Warn-Kategorien – bisher gibt es vier – und die Angabe einer „Eintrittswahrscheinlichkeit“. Zuerst, so Kirsche, würden die Meldungen „entschlackt“, um verständlicher zu sein. Alle weiteren Änderungen sollen Stück für Stück folgen. Der DWD plant etwa, die möglichen Auswirkungen anstehender Unwetter besser zu vermitteln. „Von den Mengen her waren die Vorhersagen richtig“, sagt Kirsche mit Blick auf die Ahr-Flut. Die Verantwortlichen hätten anschließend trotzdem vor der Frage gestanden: Warum ist so viel passiert? Kirsche schließt daraus: „Wer so etwas noch nicht erlebt hat – Gott sei Dank sind das die meisten – kann das schwer einschätzen.“

DWD will bei Warnungen auch Katastrophen-Folgen veranschaulichen

Für die Verbesserung des Warnsystems ist auch eine ansprechende Visualisierung wichtig. Dabei lässt sich der DWD von den USA inspirieren: „Im US-Warnsystem geht es oft um Tornados. Bei einer Analyse kam dann heraus, dass es am besten funktioniert, die Tornadowarnung als Comic auszuspielen“, erklärt Kirsche. Um Unwetter-Folgen konkret zu veranschaulichen, bräuchte der DWD aber auch topografische Daten. Für Bewertungen, was bei einem Unwetter am Boden passiert, habe man bislang jedoch keine Kompetenz, sagte Behördenchef Gerhard Adrian in einem Untersuchungsausschuss zur Flut.

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Jedenfalls: In drei bis fünf Jahren sollen die Verbesserungen umgesetzt sein. Sprecher Kirsche betont gleichwohl: „Das ist ein ständiger Prozess.“ So laufen bereits auch Planungen für ein „Naturgefahrenportal“. Dafür arbeitet der DWD unter anderem mit dem Amt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und dem Amt für Seeschifffahrt und Hydrografie zusammen. Ziel sei es bei diesem Projekt, ein umfassendes Bild über bevorstehende Wetterereignisse und deren Folgen anzubieten.