Corona-Krise

Inzidenz wieder über 50: Wie entwickelt sich die Pandemie weiter?

Ein stilisiertes Corona-Virus hängt in einem Schaufenster in Frannkfurt. Bundesweit wird derzeit über den Anstieg der Inzidenzwerte diskutiert.

Ein stilisiertes Corona-Virus hängt in einem Schaufenster in Frannkfurt. Bundesweit wird derzeit über den Anstieg der Inzidenzwerte diskutiert.

Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Ein stilisiertes Corona-Virus hängt in einem Schaufenster in Frannkfurt. Bundesweit wird derzeit über den Anstieg der Inzidenzwerte diskutiert.

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Die Corona-Inzidenz steigt und steigt. Nun ist die Schwelle von 50 - lange eine wichtige politische Marke - überschritten. Sollten wir beunruhigt sein?
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Von Valentin Frimmer, dpa
22.08.2021 | Stand: 12:50 Uhr

Zuerst die gute Nachricht: Menschen mit vollem Impfschutz erkranken in Deutschland nur in vergleichsweise wenigen Fällen schwer an Corona - auch leichte Erkrankungen kommen deutlich seltener vor als bei Ungeimpften. Das zeigt eine neue Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI). Ein prägnantes Beispiel: Zuletzt lag der Anteil der Menschen mit vollem Impfschutz unter allen Corona-Intensivpatienten von 18 bis 59 Jahren bei 2,4 Prozent.

Entsprechend stuft das RKI die Gesundheitsgefahr für Geimpfte als moderat ein. "Für Geimpfte ist die Situation weiterhin vergleichsweise entspannt", sagt auch Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie auf Anfrage der dpa.

Anders sieht es bei Ungeimpften aus - sie machten zuletzt den Großteil der Erkrankten und im Krankenhaus Behandelten aus. Und damit zur schlechten Nachricht: Die Zahl der Menschen, die sich innerhalb einer Woche nachweislich mit dem Coronavirus anstecken, steigt rasant. Sie hat sich seit Anfang August verdreifacht. Das RKI spricht vom Beginn der vierten Welle - nicht zuletzt wegen der ansteckenderen Delta-Variante. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Wochenende erstmals seit Mai wieder über 50 (Sonntag: 54,5).

Der Anstieg der Inzidenzen hat bereits Folgen. So steigt die Zahl der Corona-Patienten im Krankenhaus laut RKI wieder an, die meisten Fälle gibt es demnach in der Gruppe der 35- bis 59-Jährigen.

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Corona-Inzidenz in Deutschland steigt an: Die Bundesländer im Vergleich

"Die jetzigen Infektionen und steigenden Werte bedrohen natürlich besonders alle Umgeimpften und bisher nicht Infizierten", sagt Zeeb. Die Zahlen "sollten wirklich ein Warnsignal und Motivator sein, sich impfen zu lassen". Das Impftempo in Deutschland hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen. Bislang sind knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung vollständig geimpft.

Experte Zeeb: Bundesweite Inzidenz von 100 könnte bald erreicht sein

Wie könnte sich das Infektionsgeschehen nun weiter entwickeln? "Wir sind im Moment wieder in einer exponentiellen Phase", sagt Zeeb. Eine bundesweite Inzidenz von 100 könnte in gut zwei Wochen erreicht werden. "Die 200 und die 500 könnten bei unverändertem Verlauf entsprechend in vier bis sieben Wochen erreicht sein, wenn sonst alles gleich bleibt." Allerdings sei zu beachten, dass es Faktoren gibt, die die Lage beeinflussen. So könne sich beispielsweise das Verhalten der Menschen auch ohne politische Eingriffe ändern. Aufgrund der noch immer geltenden Beschränkungen geht Zeeb nicht davon aus, dass die bundesweite Inzidenz über 200 steigt.

Ab 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche sei wieder "eine erhebliche Belastung der Intensivstationen" mit mehr als 3000 Intensiv-Patienten zeitgleich zu erwarten, sofern die Impfquote nicht deutlich gesteigert werde, heißt es einer vergangene Woche vorgestellten Analyse mehrerer deutscher Mediziner. Aktuell liegen deutlich unter 1000 Corona-Patienten auf Intensivstation.

Coronavirus: Jüngere stecken sich derzeit deutlich häufiger an

Auffällig ist, dass es unter Jüngeren derzeit zu deutlich mehr Ansteckungen kommt. So steckten sich Menschen Anfang 20 - die wesentlich seltener geimpft sind - zuletzt mehr als zehn Mal häufiger an als jene zwischen 65 und 84 Jahren. Auch regional gibt es große Unterschiede - auch wenn nicht ganz klar ist warum. So liegt die Inzidenz in Nordrhein-Westfalen bei etwa 100, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bei nur etwa 15.

Die regionalen Unterschiede dürften etwas mit Mobilität und Kontaktintensität zu tun haben, sagt Zeeb. "Aber oft haben wir in der Vergangenheit schon gesehen, dass dies Momentaufnahmen sind, und sich die Unterschiede bald wieder angleichen oder anders darstellen. Man sollte daraus nicht allzuviel machen."

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Eine Verschärfung der Corona-Regeln hält Zeeb erst dann für nötig, wenn alle Corona-Paramter, beipielsweise die Hospitalisierungszahlen und die Belegung der Intensivbetten, deutlich nach oben gehen. "Sicherlich zunächst im Bereich der erlaubten Größe von Zusammenkünften, wieder intensiviertes Maskentragen und gegebenenfalls dann doch gezielte Impfpflichten für Personal in sensiblen Bereichen, etwa Alten- und Krankenpflege - besser wäre allerdings eine große gemeinsame Kraftanstrengung, das Impfen noch weiter zu verbreiten."

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