Weihnachten im Corona-Jahr

Mehrheit der Deutschen will sich Weihnachten an Corona-Regeln halten

Wie feiern wir im Corona-Jahr Weihnachten? Die Regeln stoßen offenbar auf Verständnis.

Wie feiern wir im Corona-Jahr Weihnachten? Die Regeln stoßen offenbar auf Verständnis.

Bild: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Wie feiern wir im Corona-Jahr Weihnachten? Die Regeln stoßen offenbar auf Verständnis.

Bild: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Die Kontaktregeln für Weihnachten stoßen in der Bevölkerung offenbar auf Verständnis. Wann bringt die Impfung eine Entspannung in der Krise?
dpa
19.12.2020 | Stand: 13:56 Uhr

Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland will sich einer Umfrage zufolge an Weihnachten an die vorgegebenen Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie halten. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gaben 83 Prozent der Befragten an, alle Corona-Regeln an Weihnachten befolgen zu wollen.

Derweil stellte wenige Tage vor dem erwarteten Beginn der Corona-Impfungen CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt die Vorbildfunktion für Politiker bei diesem Thema heraus. AfD-Fraktionschef Alexander Gauland betonte dagegen seine Skepsis gegenüber einer Corona-Impfung.

Kontaktbeschränkungen an Weihnachten gelockert

In der YouGove-Umfrage sagte nur jeder Zehnte, er wolle von den Corona-Regeln abweichen, sieben Prozent machten keine Angaben. Mit dem Alter nimmt dabei die Bereitschaft zu, die Beschränkungen einzuhalten. Bei den 18 bis 24-Jährigen sind es 72 Prozent, bei den Menschen über 55 sogar 91 Prozent.

Zu Weihnachten werden die während des Lockdowns geltenden Kontaktbeschränkungen etwas gelockert. Vom 24. bis 26. Dezember sollen in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen Treffen mit einem Haushalt und vier weiteren Personen über 14 Jahren möglich sein. Diese müssen aus dem "engsten Familienkreis" kommen.

Nach aktuellem Stand dürften kurz nach Weihnachten die ersten Menschen in Deutschland gegen Covid-19 geimpft werden. Die Politik sollte mit Blick auf die Impfskepsis in Teilen der Bevölkerung am Anfang des Impfprozesses mit dabei sein, sagte der CSU-Politiker Dobrindt der Deutschen Presse-Agentur. "Es geht nicht um ein Impfprivileg, sondern es geht um ein Impfvorbild." Das Einstehen für das Impfen sei deutlich wichtiger als der mögliche Vorwurf, die Politik wolle sich ein Privileg verschaffen. Entscheidend sei, nun schnellstmöglich mit dem Impfen zu beginnen.

Gauland nicht zwingend gegen Impfpflicht

AfD-Fraktionschef Gauland sagte der dpa, dass er sich noch keine Gedanken darüber gemacht habe, ob er sich selbst impfen lasse. Der 79-Jährige erklärte, dass er nicht grundsätzlich gegen eine Impfpflicht sei, im Falle von Covid-19 müsse man aber die großen Vorbehalte in Teilen der Bevölkerung berücksichtigen.

Am Montag will die europäische Arzneimittelagentur EMA ihre Beurteilung über den Impfstoff von Biontech und Pfizer abgeben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwartet nach eigenen Worten, dass die EU-Kommission das Serum am Dienstag zulässt. Das in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut prüfe dann bei den Lieferchargen, ob die Impfdosen der Zulassung entsprechen. Der Impfbeginn in Deutschland ist für den 27. Dezember angesetzt. Lesen Sie auch: Corona-Impfstoff von Moderna erhält Notfallzulassung in den USA

Erst nach der Zulassung durch die Europäische Kommission kann der für Deutschland vorgesehene Impfstoff vom Pfizer-Werk im belgischen Puurs nach Deutschland an eine zentrale Anlieferstelle geliefert werden, wie Biontech-Geschäftsvorstand Sean Marett am Freitag mitteilte. Von dort aus werde der Impfstoff zu den einzelnen Verteilzentren der Bundesländer gebracht.

Wer wird zuerst geimpft?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Freitag bekanntgegeben, wer bei den Corona-Impfungen zuerst zum Zug kommen soll. Die "höchste" Priorität in Gruppe 1 hat neben über 80-Jährigen, Personal und Bewohnern in Pflegeheimen auch Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko, etwa in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten. Zur Gruppe 2 gehören über 70-Jährige und unter anderem Menschen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung. Zur Gruppe 3 gehören über 60-Jährige und Menschen mit Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes. Hierzu zählen etwa auch Polizei, Feuerwehr, Personal im Lebensmitteleinzelhandel, Erzieherinnen und Lehrkräfte. Da zu Beginn nicht ausreichend Impfdosen vorhanden sein werden, ist die Priorisierung nötig. Lesen Sie auch: So sieht der Impfplan in Kaufbeuren und im Ostallgäu aus

Vizekanzler Scholz hat die Priorisierung bei der Corona-Impfung gegen Kritik verteidigt. "Es geht darum, das Infektionsrisiko so schnell und so effizient wie möglich zu verringern", betonte der Finanzminister. Daher sei es richtig, dass zunächst die geimpft würden, die Schutz ganz besonders nötig hätten. Scholz dämpfte zugleich Hoffnungen auf schnelle Erfolge. Im Lauf der Monate würden in Deutschland "ausreichend viele Bürgerinnen und Bürger geimpft sein, um die Pandemie einzuhegen", sagte er. "Das wird sich aber hinziehen, weil eine hohe Zahl von Impfdosen hergestellt und verimpft werden muss."

Mit einem drastischen Vorschlag wandte sich derweil ein Mitglied des Ethikrats an Impfverweigerer in der Gesellschaft. "Wer partout das Impfen verweigern will, der sollte, bitte schön, auch ständig ein Dokument bei sich tragen mit der Aufschrift: "Ich will nicht geimpft werden! Ich will den Schutz vor der Krankheit anderen überlassen! Ich will, wenn ich krank werde, mein Intensivbett und mein Beatmungsgerät anderen überlassen", zitierte die "Bild"-Zeitung (Samstag) aus einem Brief des Humangenetikers Wolfram Henn an Impfverweigerer.

Unter anderem in Berlin, Stuttgart und Leipzig werden am Wochenende Demonstrationen und Schweigemärsche gegen die Corona-Politik erwartet. In Berlin ist für Samstag ein Schweigemarsch mit 2000 Teilnehmern angemeldet, in Stuttgart für Sonntag einer mit 500 Teilnehmern. In Leipzig wurde eine für Samstag geplante "Querdenken"-Demo untersagt, weil sie nicht fristgerecht angemeldet worden sei. Die Polizei stellt sich dennoch auf einen Einsatz ein.